Europäische Berufskarte

Eine zündende Idee gegen den Fachkräftemangel

Mit der „Professional Card" unternimmt die EU wiedermal einen Anlauf, bürokratische Hürden bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen zu senken.

Jeder kennt die krassen Beispiele: Die polnische Krankenschwester, die in Deutschland putzen gehen muss, weil ihr Abschluss hierzulande nicht anerkannt wird. Oder der Ingenieur aus dem Irak, der sich als Taxifahrer durchs Leben schlägt. Die Anerkennung von Berufsabschlüssen aus dem Ausland ist schwierig und langwierig. Oft erweist sich die Bürokratie für die Zuwanderer dabei als unüberwindbare Hürde.

Zumindest für Ausländer aus den europäischen Nachbarstaaten soll dies künftig einfacher werden . Zwar gilt innerhalb Europas die Freizügigkeit, doch in der Praxis gibt es für regulierte Berufe in vielen Fällen Probleme. Die EU-Kommission plant nun eine „Europäische Berufskarte“, mit der qualifizierte Arbeitnehmer in Europa leichter einen Job im Ausland finden können. Künftig soll es für Handwerker, Krankenschwestern oder Freiberufler reichen, ihre Berufskarte vorzuweisen, um ihren erlernten Beruf auch in anderen Ländern fern der Heimat auszuüben.

Entscheidend ist freilich, wer diese Karte ausstellt. Deutsche Qualitätsstandards – etwa im Handwerk – dürfen durch die leichtfertige Vergabe der Karte nicht gefährdet werden. Mancher Arbeitgeber, aber auch Verbraucher, würde sonst sein blaues Wunder erleben.

Nach der „Blue Card“ für hochqualifizierte Zuwanderer aus Drittstaaten unternimmt die EU nun mit der „Professional Card“ einen weiteren Anlauf, den Fachkräftemangel zu bekämpfen . Gerade Deutschland mit seiner schrumpfenden und alternden Bevölkerung kann von jungen, qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland nur profitieren. Das Problem, das die EU nun mit der Berufskarte aufgreift, ist in Deutschland auch schon erkannt.

Soeben erst trat eine Neuregelung in Kraft, die das bürokratische Wirrwarr lichtet und die Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen erleichtert. Zuwanderer erhalten binnen drei Monaten eine Auskunft, ob ihr Abschluss anerkannt werden kann. Auch mit der Senkung der Mindesteinkommensgrenzen für Hochqualifizierte geht Deutschland in die richtige Richtung. Die EU-Berufskarte ist ein weiterer Schritt, die Mobilität von Fachkräften zu erhöhen.

Die Karte sollte aber nicht überschätzt werden. Es sind nicht nur bürokratische Hürden allein, die Deutschland für Zuwanderer trotz vieler freier Stellen wenig attraktiv erscheinen lassen. Da ist zunächst die Sprachbarriere zu nennen, aber auch die fehlende „Willkommenskultur“ . Zuwanderung wurde jahrelang mit Bedrohung für den deutschen Arbeitsmarkt gleichgesetzt. Dass qualifizierte Zuwanderer auch Arbeitsplätze und Wachstum in Deutschland sichern können, diese Botschaft ist für viele (noch) neu.