EU-Freizügigkeit

Ein Europa-Berufsausweis für alle Fachkräfte

Die EU-Kommission stellt einen europaweit gültigen Ausweis für Fachkräfte vor. Er soll die Mobilität der Arbeitnehmer in Europa erhöhen.

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Mit einem neuen Gesetzesvorschlag plant die Europäische Kommission einen Schritt gegen den drohenden Fachkräftemangel in Europa. Die Richtlinie sieht vor, die Schranken für die Anerkennung einer Berufsausbildung in den Mitgliedsländern zu senken. Ein elektronischer „Berufsausweis“ soll Arbeitgebern den Stand der Ausbildung eines Bewerbers bestätigen.

Der Ausweis werde das „Anerkennungsverfahren erleichtern und beschleunigen und es gleichzeitig transparenter machen“, heißt es in dem Entwurf, der "Morgenpost Online“ vorliegt. Die deutsche Bundesagentur für Arbeit rechnet damit, dass sich Engpässe in den kommenden Jahren zu einem Mangel an Fachkräften verschärfen.

„Engpässe werden nicht nur fortbestehen, sondern sich verstärken, besonders in der Gesundheits-, Bildungs- und anderen Wachstumsbranchen “, stellt die EU-Kommission für Europa fest. Den Europäern die Mobilität zu erleichtern , könne ein wichtiger Schritt sein. Die zuständige Berichterstatterin im Europaparlament, die Französin Bernadette Vergnaud, rechnet damit, dass mindestens 100.000 Europäer den Ausweis nutzen werden. „Das ist technisch durchaus machbar“, sagte ein EU-Beamter.

Für welche Berufe der neue Ausweis gelten soll, sollen die Branchen selbst entscheiden. Niemand soll gezwungen werden, den Ausweis zu nutzen. Eine „Nachfrage von unten nach oben“ soll ausschlaggebend sein, heißt es in dem Entwurf. Die EU-Kommission verspricht sich eine hohe Nachfrage: „Die Attraktivität (des Ausweises) dürfte dazu führen, dass mehr und mehr Branchen ihn einführen wollen.“

Interesse haben unter anderem Immobilienmakler, Ingenieure und Physiotherapeuten angemeldet, sagte ein EU-Beamter "Morgenpost Online“. Es soll am Entsende-Land liegen, die Ausbildung zu bestätigen, die das aufnehmende Land im Regelfall anerkennen muss.

Noch einfacher soll die Anerkennung einer Ausbildung für Menschen sein, die nur zeitweise im Ausland arbeiten wollen: Fremdenführer, die mit einer Reisegruppe nach Italien fahren etwa oder Skilehrer, die auch auf der österreichischen Seite der Alpen unterwegs sein wollen. Sie bräuchten mit dem Ausweis keine Genehmigung mehr, und auch ihre Berufsvertretungen haben Interesse signalisiert.

Der Gesetzesvorschlag soll Europäern außerdem den Zugang zu Berufen erleichtern, zu denen der Zugang nur in einzelnen Ländern beschränkt ist – das sind 200 von 800 Posten auf der offiziellen Liste aller Berufe in Europa. In Deutschland gehören Boots- und Schiffbauer und Gesundheitsaufseher dazu. Der Vorschlag will die EU-Mitglieder dazu verpflichten zu überprüfen, ob der Schutz noch gerechtfertig ist. Die EU-Kommission will den Vorschlag in der kommenden Woche präsentieren und dringt darauf, dass er in einem beschleunigten Verfahren vom Europaparlament und den Mitgliedsländern beschlossen wird und im ersten Halbjahr 2012 Gesetzeskraft erlangt.