OECD-Studie

Reiche werden immer reicher, Arme immer ärmer

Die Einkommenskluft zwischen Arm und Reich ist in Deutschland in den vergangenen zwei Jahrzehnten erheblich stärker gewachsen als in den meisten anderen Industrienationen der Welt. Das zeigt eine am Montag von der OECD vorgelegte Studie.

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Die Einkommensschere hat sich in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern seit 1990 besonders weit geöffnet. Das ergab eine am Montag veröffentlichte Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Mit durchschnittlich 57.300 Euro verdienten die obersten zehn Prozent der deutschen Einkommensbezieher 2008 demnach etwa achtmal so viel wie die untersten zehn Prozent mit 7.400 Euro.

Habe Deutschland in den 80ern und 90ern noch zu den ausgeglicheneren Gesellschaften gehört, liege es nun nur noch im Mittelfeld. In Europa hätten nur Finnen und Schweden einen größeren Schub in Richtung Ungleichheit erlebt. Allerdings gehörten beide Länder noch immer zu den ausgeglichensten in der OECD.

Als Ursache für die größere Einkommenskluft in Deutschland gilt der Studie zufolge vor allem die wachsende Zahl von Teilzeitbeschäftigungen und die Zunahme befristeter Arbeitsverhältnisse. „Die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes war ein erster wichtiger Schritt. Jetzt müssen aber weitere zur Schaffung von Arbeitsverhältnissen mit Perspektiven und Aufstiegschancen folgen“, sagte der OECD-Arbeitsmarktexperte Michael Förster.

Im OECD-Schnitt stiegen die verfügbaren Haushaltseinkommen in den beiden Jahrzehnten vor der Finanz- und Wirtschaftskrise jedes Jahr um 1,7 Prozent. Die größten Gewinne machten zumeist Gutverdienerhaushalte. In Deutschland sei diese Entwicklung besonders ausgeprägt, hieß es.