Wirtschaftsgutachten

Ökonomen riskieren mit Prognosen ihr Ansehen

Konjunkturprognosen sind in Krisenzeiten eine kühne Angelegenheit. Weil präzise Aussagen unmöglich sind, riskieren Ökonomen ihr Ansehen.

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Alle wollen eine Ahnung davon bekommen, wie es weitergeht mit der Konjunktur. Der Politiker möchte wissen, wie viel fiskalischen Spielraum er hat; der Unternehmer will erahnen können, wie viel Aufträge er an seine Zulieferer vergeben kann; der Verbraucher tätigt größere Anschaffungen nur, wenn er nicht damit rechnen muss, demnächst den Job zu verlieren.

Daher sind die Wirtschaftswissenschaften die einzige akademische Disziplin, der regelmäßig abverlangt wird, die Zukunft vorherzusehen. Und demzufolge die einzige, der der lächerliche Vorwurf gemacht wird, mit den Prognosen der Vergangenheit zuweilen falsch gelegen zu haben.

Ökonomen riskieren ihr Ansehen

Freilich provozieren Ökonomen die Kritik auch selbst, wenn sie ein Maß an Selbstsicherheit vorgaukeln, das sie gar nicht haben können. Das gilt besonders im Umfeld von konjunkturellen Trendwenden, wie wir sie derzeit erleben. Wachstumsprognosen zu erstellen ist in solchen Zeiten ein Stochern im Nebel.

Rezessionen etwa werden selbst von Experten regelmäßig erst dann als solche erkannt, wenn sie längst in Gang gekommen sind. Im April 2008 diagnostizierten die führenden Forschungsinstitute in ihrer damaligen Frühjahrsprognose „eine nach wie vor positive Grundtendenz der Konjunktur“; später erwies sich, dass die deutsche Wirtschaft just zu dieser Zeit schon in eine Rezession schlitterte.

Umso bemerkenswerter ist, dass die Institute nun vorhersagen, Deutschland werde knapp an einer neuerlichen Rezession vorbeischrammen, solange nur die Euro-Krise eingedämmt wird. Vielleicht – hoffentlich! – behalten sie Recht. Aber mit ihrer Kühnheit riskieren die Ökonomen, das ohnehin mäßige Ansehen ihrer Profession in der Öffentlichkeit weiter zu beschädigen.