Tarife

Gasag - Berlinern drohen höhere Preise

Das Berliner Traditionsunternehmen Gasag könnte nach Informationen von Morgenpost Online zum 1. Februar 2012 die Gaspreise erhöhen. Betroffen wären 600.000 Kunden. Der Versorger kämpft mit Problemen – und um sein Netz.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Ein möglicher Zeitraum, um die schlechte Nachricht zu verkünden, ist schon abgesteckt: die zweite Dezemberwoche, beginnend mit Montag, 12. Dezember 2011. Kurz vor Weihnachten könnten rund 600.000 Berliner Kunden der Gasag die Mitteilung bekommen, dass von Februar 2012 an neue Preise gelten. Höhere natürlich. Offiziell beschlossen ist das noch nicht. Doch alles deutet darauf hin. In der kommenden Woche ist Aufsichtsratssitzung; da soll das Thema zur Sprache kommen. Es ist kaum davon auszugehen, dass die Anteilseigner der Gasag – Vattenfall, E.on und Gaz de France – das Vorhaben torpedieren werden. Sie wissen auch: Die Gasag benötigt das Geld.

Denn um Berlins traditionsreichen Versorger ist es derzeit nicht gut bestellt. Neue Geschäftsfelder entwickeln sich nicht so gut wie erhofft. Gleichzeitig stehen erhebliche Investitionen an – allein in diesem und im nächsten Jahr rund 200 Millionen Euro. Und dann gibt es da noch die Ungewissheit über den wertvollsten Besitz des Unternehmens: das Berliner Gasnetz. Die Betriebserlaubnis, die das Land Berlin vergibt, endet mit dem Jahr 2013. Wird die Konzession entzogen, müsste die Gasag das Netz verkaufen und wäre dann nur noch ein Gashändler unter vielen.

Derzeit rätseln sie beim Versorger vor allem über einen Passus auf Seite 15 der Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und CDU. Dort ist die Rede von stärkerer Einflussnahme auf die Energieversorgung über das Vehikel Netze. Das könne „auch über eine Beteiligung an den Netzen durch das Land erfolgen“. Jetzt will die Gasag, wie auch Vattenfall, die das Stromnetz betreibt, im neuen Senat ausloten, was das genau bedeutet. Für die Gasag ist das Gasnetz der Stadt, diese mehr als 6000 Kilometer langen Leitungen, der Unternehmenskern. Das unterscheidet die Gasag von Vattenfall. Für die ist das Stromnetz der Stadt auch bedeutend. Doch Vattenfall erzeugt auch selbst Energie in Kraftwerken, lässt Kohle in der Lausitz abbauen und ist ein international agierender Konzern. Die Gasag, die vergangenes Jahr knapp 1,2 Milliarden Euro Umsatz machte, ist ein lokaler Versorger. Seit Jahren bemüht sich das Unternehmen daher, sein Geschäft weniger abhängig vom Gasverkauf zu machen. Unlängst eröffnete das Unternehmen in Schwedt eine Biogasanlage. Die Gasag hält Anteile an den Stadtwerken in Forst und dem Potsdamer Versorger EMB. Man versucht seit geraumer Zeit in ganz Deutschland, gewerbliche Gaskunden zu gewinnen. Und vergangenes Jahr kündigte Vorstand Andreas Prohl in der Morgenpost an, auch in Berlin Strom produzieren und verkaufen zu wollen. Bis 2015, so die Planung, sollen schon 100.000 Berliner Gasag-Strom beziehen.

Doch all diese Bemühungen jenseits des klassischen Gasgeschäfts entwickeln sich nicht so wie erhofft. Auch nicht beim Stromgeschäft. Die Gasag will in zahlreichen Häusern der Stadt Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung aufstellen, sogenannte Mini-Blockheizkraftwerke. Dabei wird Gas verbrannt und neben der Wärme auch Strom erzeugt. Vor allem mit Wohnungsgesellschaften will die Gasag ins Geschäft kommen, so wie in einem Modellprojekt in Marienfelde. Doch insgesamt läuft es schleppend, wie zu hören ist. Ein Grund: „Die meisten Berliner Wohnungsgesellschaften nutzen Fernwärme“, sagt David Eberhardt vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU).

Solange die neuen Geschäfte nicht ins Rollen kommen, bleibt die Abhängigkeit von Gasgeschäft. Und da steht nun eine weitere Preiserhöhung an. Im Herbst 2010 setzte die Gasag das letzte Mal die Tarife herauf: um 13 Prozent. Noch ist offen, wie viel es dieses Mal sein wird. Wobei man der Fairness halber sagen muss: Der Gasag geht es beim Gasgeschäft fast wie ihren Kunden. Bezogen wird das Erdgas vor allem über langfristige Lieferverträge mit Großhändlern wie E.on Ruhrgas oder VNG. Rund zwei Drittel des Gasag-Gases kommen von dort. Der Preis dieses Gases wiederum ist an die Entwicklung am Ölmarkt gebunden. Da der Ölpreis in den vergangenen zwei Jahren gestiegen ist, wird es nun wieder teurer.

Knebel durch Lieferverträge

Die Gasag selbst würde gern den Knebel der langfristigen Lieferverträge etwas lockern. Denn mittlerweile, durch neue Speichertechniken und Vorkommen, gibt es weltweit viel mehr Erdgas als noch vor einigen Jahren. Eine große Menge wird tagesaktuell gehandelt, beispielsweise über die Leipziger Strombörse EEX. Viel lieber würde die Gasag eine größere Menge von eigenen Händlern einkaufen lassen – zu besseren Preisen. Doch die langfristigen Lieferverträge über russisches und norwegisches Erdgas für Berlin verhindern dies.

Mit einer Preiserhöhung würde die Gasag einem bundesweiten Trend folgen. Zahlreiche Anbieter haben bereits erhöht, im Durchschnitt um etwa zehn Prozent. Vor wenigen Wochen hat Vattenfall bereits höhere Strompreise ab Januar 2012 verkündet. Und für Fernwärme hat Vattenfall bereits angedeutet, dass im Frühjahr nächsten Jahres ebenfalls die Preise steigen könnten.