Dieses Schreiben dürfte niemand herbeigesehnt haben. Spätestens am Montag werden die Briefe in rund 1,6 Millionen Berliner Haushalten eintreffen. Darin wird der Energieversorger Vattenfall Europe höhere Tarife, wirksam zum Jahreswechsel, verkünden. Um knapp sieben Prozent steigen die Verbrauchspreise im Grundversorgungstarif Berlin Basis. Auch die anderen Angebote wie Berlin Easy oder der Ökostromtarif Berlin Natur verteuern sich vom 1.Januar an zwischen sechs und sieben Prozent.

Das wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen, wie ein Sprecher von Vattenfall sagt: „Die Strompreise werden wahrscheinlich weiter nach oben gehen.“ Denn Atomausstieg und das Umschwenken auf erneuerbare Energie in Deutschland führen zu gigantischen Kosten. Die bleiben wohl in erster Linie beim Verbraucher hängen und werden über seine Stromrechnung beglichen. „Die Finanzierung über den Kilowattpreis ist fast alternativlos“, heißt es bei Vattenfall.

Aber schon 2012 wird es für Berliner Haushalte spürbar teurer. Für Familien, die einen Jahresverbrauch von rund 4000 Kilowattstunden haben, ergibt sich eine höhere Belastung von 68 Euro. Bei Single-Haushalten (Jahresverbrauch 1500 Kilowattstunden) sind es rund 25,50 Euro, für einen Zwei-Personen-Haushalt (2800 Kilowattstunden) etwas mehr als 47,60 Euro. Nicht erhöht wird der Grundpreis von monatlich 5,90 Euro (Berlin Basis Privatstrom) beziehungsweise 5,60 Euro (Berlin Easy Privatstrom).

Als Grund für die Aufschläge nennt das Unternehmen in erster Linie höhere Gebühren für die Nutzung des Berliner Verteilnetzes sowie gestiegene Beschaffungspreise. Mit Ersterem ist die Abgabe an Vattenfall Distribution GmbH gemeint, die die 36000 Kilometer Stromleitungen in Berlin bewirtschaftet.

Die Gebühr zur Durchleitung des Stroms stieg um fast neun Prozent, und sie ist von allen Anbietern auf dem Strommarkt zu entrichten. Der Beschaffungspreis ist jener Betrag, den Vattenfall für den Einkauf des Stroms entrichten muss. Dieser wiederum hängt von den Kursen der Leipziger Strombörse ab. Weniger zu Buche schlug nach Unternehmensangaben in diesem Jahr die Belastung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Der Ausbau von Sonnen- und Windenergie wird über eine Abgabe aller Verbraucher bezahlt.

Das Verbraucherportal Verivox hat bislang in Deutschland 62 Unternehmen gezählt, die ihre Strompreise erhöht haben. Auch die Energieexperten von Verivox erwarten eine Erhöhung auf breiter Front. Sprich, dass noch weitere Anbieter ihre Tarife anheben. Allerdings bewerten sie die Erhöhung von Vattenfall als außergewöhnlich hoch. „Im bundesweiten Durchschnitt erhöhten die Versorger um rund drei Prozent ihre Preise“, sagt Jürgen Scheurer von Verivox.

Insgesamt erwartet er eine durchschnittliche Anhebung der Stromtarife von vier Prozent für das kommende Jahr. Scheurer verweist aber darauf, dass Vattenfall im Vergleich zu anderen Anbietern, auch zu den Grundversorgern, nicht schlecht dastünde. „Das sind sicherlich nicht die Teuersten.“ Vor allem aber geht auch Scheurer davon aus, dass Verbraucher in den nächsten Jahren deutlich mehr für Energie zahlen werden. Trotz des aktuell schon hohen Niveaus sind Berliner Verbraucher nach einer Erhebung von Verivox im Bundesvergleich noch mit am besten dran. Im Jahresdurchschnitt zahlt eine Familie mit 4000-Kilowattstunden-Verbrauch hier 919 Euro. Das ist hinter Hamburg (916 Euro) das niedrigste Niveau. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 977 Euro; das teuerste Land ist Sachsen-Anhalt mit 1040 Euro.

Was für Elektrizität gilt, lässt sich auch auf die Gaspreise übertragen. Berlins größter Versorger Gasag hatte im Herbst die Preise um 13 Prozent erhöht. So, wie es aussieht, wird es im kommenden Jahr eine weitere Runde geben. „Das können wir nicht zu 100 Prozent ausschließen“, sagt ein Gasag-Sprecher. Die Beschaffungspreise würden jedenfalls steigen. In der Vergangenheit hatte sich das immer in höheren Tarifen niedergeschlagen.