Stromversorger

Vattenfall stellt noch höhere Preise in Aussicht

Nach der Preiserhöhung ist vor der Preiserhöhung: Die Berliner Vattenfall-Kunden sollen ab Januar sieben Prozent mehr für den Strom zahlen. Doch allein dabei soll es nicht lange bleiben.

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Die Preise wurden gerade erst hochgeschraubt – da stellt Vattenfall schon die nächste Verteuerung von Strom in Aussicht: Berlins größter Energieversorger bereitet seine 1,6 Millionen Kunden in der Hauptstadt auf weiterhin steigende Preise vor. Der Chef der Vertriebssparte Vattenfall Sales, Rainer Wittenberg, sagte, dass dies schon im kommenden Jahr der Fall sein könnte. Es sei damit zu rechnen, dass die Kosten für den Ausbau erneuerbarer Energien 2012 deutlich steigen. „Das könnte dazu führen, dass wir uns nächstes Jahr hier wieder treffen“, sagte Wittenberg auf der Pressekonferenz, wo er die Preispolitik erläuterte.

Vattenfall erhöht die Strompreise zum 1. Januar 2012 um rund sieben Prozent. So steigt beispielsweise die Belastung für einen Familienhaushalt mit Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden im Grundversorgungstarif „Berlin Basis“ um fast 70 Euro. Auch die anderen Tarife wie „Berlin Easy“ verteuern sich deutlich. Und wie es aussieht, dürften solche Preisschritte in den kommenden Jahren folgen. Vermutlich sogar schon 2012, wie Wittenberg andeutet.

Somit könnte sich Wittenberg seinen Satz – „wir sind heute wieder der Überbringer schlechter Nachrichten“ – auf Wiedervorlage legen. Preiserhöhungen zum Jahreswechsel muss das Unternehmen als Grundversorger mit einem Vorlauf von sechs Wochen den Kunden per Brief ankündigen. Mitte November ist somit der natürliche Termin, um Kunden schlechte Nachrichten zu überbringen.

Für das kommende Jahr rechnet Wittenberg mit einer höheren Belastung durch den Ausbau der erneuerbaren Energien. Betreiber von Windkraftanlagen und Solarmodulen bekommen für 20 Jahre einen festen Abnahmepreis für den erzeugten Strom garantiert. Dieser Preis liegt weit höher als der Marktpreis. Die Differenz wird über die EEG-Umlage von jedem Stromkunden in Deutschland getragen. Derzeit kostet die Ökostrom-Umlage jeden Kunden 3,59 Cent je Kilowattstunde – zuzüglich Mehrwertsteuer. Im kommenden Jahr könnte dieser Wert auf rund 4,70 Cent steigen, erwartet Vattenfall. Für das Unternehmen sind diese politisch gewollten Kosten eine Steilvorlage, um die Preiserhöhungen zu rechtfertigen. In der Tat machen Steuern, EEG-Umlage, Konzessionsgebühren für die Netze und ähnliche Faktoren einen Großteil der Preissteigerungen der vergangenen Jahre aus.

Nach Darstellung des Unternehmens sind es fast 45 Prozent. Inklusive Grundpreis beträgt die monatliche Belastung vom 1. Januar 2012 an 27,45 Cent je Kilowattstunde. Davon entfallen 12,44 Cent auf „politische Kosten“. Der Vattenfall-Anteil am Preis – also Kosten des Unternehmens nebst Gewinnmarge – liegt bei 15 Cent. Im Jahr 1998 deckten 13,75 Cent je Kilowattstunde Ausgaben und Gewinnaufschlag des Versorgers. Steuern und Abgaben machten damals nur knapp vier Cent aus. Mit anderen Worten: Die Begehrlichkeiten des Staates haben sich mehr als verdreifacht. Vattenfall verweist zudem darauf, dass in Berlin laut einem Sondergutachten der Monopolkommission vergleichsweise wenig für Strom bezahlt wird. Laut einem Ranking des Verbraucherportals Verivox, in dem Strompreise in deutschen Metropolen verglichen werden, ist nur in Bochum, Hannover und Hamburg der durchschnittliche Strompreis geringer als in Berlin.