Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Bahn (DB) überraschend darauf verzichtet , doch nun tut sie es wieder – wie stets zum großen Fahrplanwechsel im Winter: Der Konzern hebt zum 11. Dezember die Preise im gesamten Personenverkehr an. Fahrkarten im Fernverkehr werden im Durchschnitt um 3,9 Prozent teurer, im Nahverkehr um 2,7 Prozent.
Den Verzicht auf Preiserhöhungen vor einem Jahr hatte Bahnchef Rüdiger Grube als „echte Kraftanstrengung“ bezeichnet, die sich der Konzern „nur in Ausnahmefällen und schon gar nicht jedes Jahr leisten“ könne. Dass Fahrkarten nun teurer würden, läge an „deutlich gestiegenen Personal- und Energiekosten“. Die DB ist der größte Energieverbraucher im Land und setzt bislang unter anderem stark auf Strom aus Atomkraftwerken.
Im vergangenen Jahr hatte der Konzern mit den Bahngewerkschaften zudem einen branchenweit einheitlichen Flächentarifvertrag abgeschlossen – allerdings war die Bahn als größtes Schienenunternehmen im Land der Maßstab für die Standardtarif der Branche, die finanziellen Belastungen daraus trafen die privaten Bahnunternehmen deutlich stärker.
Die Bahn hatte 2010 unter anderem nach zahlreichen Ausfällen bei den Fernzügen im Winter sowie Problemen bei den Klimaanlagen auf teurere Tickets im Fernverkehr verzichtet. Die Preise im Nah- und Regionalverkehr waren dagegen erneut gestiegen, im Durchschnitt um 1,9 Prozent. Nun legt der Konzern mit 2,7 Prozent noch einen drauf. Rund 80 Prozent aller Nahverkehrsfahrten seien allerdings von den Preismaßnahme der DB gar nicht betroffen, da sie in Verkehrsverbünden erfolgen, sagte Ulrich Homburg, Vorstand Personenverkehr der DB. Die Verbünde gestalten ihre Preise selbst.
Gute Nachricht: Zuverlässiges Internet
Zumindest eine gute Nachricht für Bahnkunden hat der Konzernchef aber dann doch noch im Gepäck: Rüdiger Grube will alle Fernverkehrszüge möglichst schnell mit einem zuverlässigen Internetzugang ausstatten. In der Diskussion sei sogar die Frage, ob die Anschlüsse kostenlos angeboten würden, sagte Grube in der neuesten Ausgabe der Mitarbeiterzeitschrift „DB Welt“.
„Da sind wir zurzeit in der Diskussion“, sagte Grube zur der Frage nach den Nutzungspreisen des WLANs im Zug. Er verwies darauf, dass die bestehende Internetversorgung in Zusammenarbeit mit der Telekom angeboten werde. Zurzeit gibt es 69 ICE-Züge mit einem „Hot Spot“-WLAN. Dessen Nutzung ist nur auf bestimmten Teilstrecken des Netzes möglich.
Sie ist kostenpflichtig, die Verbindungen sind nicht immer zuverlässig. „Wir können heute schon WLAN anbieten bei 300 Stundenkilometern“, sagte Grube. „Es ist aber nach wie vor eine große technische Herausforderung, insbesondere, wenn wir in einer Gegend mit dem Zug unterwegs sind, die nicht so hoch frequentiert ist, wo wir durch Täler, über Brücken, durch Tunnel fahren.“
Bahn und Telekom müssten nicht nur „die Züge, sondern auch die Funkverbindungen an den Strecken weiter ausbauen und zwar störungsfrei“, sagte Grube. Zum Internetangebot in Regionalzügen werde gerade analysiert, ob die Fahrgäste dort WLAN-Anschlüsse wollen, oder ob sich die Investition wegen mangelnden Interesses nicht lohne. „Sollte dabei herauskommen, der Kunde möchte einen WLAN-Anschluss, so werden wir uns diesem Thema mit einem großen Engagement widmen“, sagte Grube zu.
mit dapd




