Luftverkehr

Streik deutscher Fluglotsen ist endgültig vom Tisch

Flugreisende in Deutschland können aufatmen: Lotsen und Arbeitgeber haben sich in letzter Minute geeinigt, Streiks wird es nicht geben.

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Der Fluglotsenstreik ist abgewendet. Die Gewerkschaft der Fluglotsen GdF habe sich mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt, teilte die DFS mit. Die beiden Streitparteien hatten seit zehn Uhr in Frankfurt verhandelt. Vorgesehen ist eine zweistufige Gehaltssteigerung um insgesamt 5,2 Prozent bei einer Laufzeit von 17 Monaten.

Daneben hat die Gewerkschaft für zahlreiche Mitarbeiter „kostenintensive Höhergruppierungen durchgesetzt“, die weitere Gehaltssteigerungen erforderten, teilte die DFS mit. Insgesamt erhöhten sich die Personalkosten mit dem Abschluss um etwa neun Prozent. Der Vorsitzende der DFS-Geschäftsführung, Dieter Kaden, sagte, das Ergebnis stelle „eine große finanzielle Hypothek für die DFS“ dar.

Im Interesse der Kunden und Passagiere seien die Verhandlungsführer aber auf die Forderungen der Gewerkschaft eingegangen. „Wir haben alles getan, um Schaden von der Luftverkehrsbranche und der Volkswirtschaft insgesamt abzuwenden“, erklärte Kaden. Mit der Einigung endet ein bisher nicht dagewesener Tarifkonflikt bei der Deutschen Flugsicherung (DFS).

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer zeigte sich erleichtert über die Einigung. „In buchstäblich letzter Minute konnten wir den Knoten dieses festgefahrenen Konflikts durchschlagen“, sagte der CSU-Politiker. Damit sei ein Streik der Fluglotsen endgültig vom Tisch. Dies sei vor allem für hunderttausende Flugreisende ein Erfolg, aber auch für „die deutsche Volkswirtschaft, denn ein Streik mit zahlreichen Flugausfällen hätte massiven Schaden angerichtet“.

Auf Initiative des Bundesverkehrsministers hatten sich die Vertreter des bundeseigenen Unternehmens und der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) noch ein letztes Mal mit dem Schlichter Volker Rieble zusammengesetzt. Laut Ramsauer waren sich die Verhandlungsparteien bereits bei der letzten Gesprächsrunde am vergangenen Freitag über 29 von 30 Streitpunkten einig gewesen. Das Klima zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft blieb trotzdem weiterhin ziemlich frostig. Kein Wunder: Zweimal waren die Arbeitsgerichte angerufen worden, mehrfach kündigten die Fluglotsen Streiks an.

Das hätte mitten in den Herbstferien zu erheblichem Chaos auf den deutschen Flughäfen geführt. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft hatte deshalb noch einmal eindringlich vor den Auswirkungen eines möglichen Fluglotsenstreiks gewarnt.

Bei einem 24-stündigen Streik wären rund 300.000 Passagiere betroffen, sagte der Verbandspräsident Klaus-Peter Siegloch. Zuletzt hatten die Fluglotsen im August allerdings Streiks für lediglich sechs Stunden angekündigt und waren danach in die Schlichtung gegangen. Am vergangenen Freitag war schließlich die letzte Schlichtungsrunde geplatzt. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld am Scheitern der monatelangen Verhandlungen.

Nur Spanier verdienen in Europa noch mehr

Das Unternehmen, das rund 6000 Mitarbeiter beschäftigt, warf der Gewerkschaft „übermäßige Forderungen“ vor. Diese konterte: Die DFS habe einen schon erreichten Kompromiss wieder infrage gestellt. Gescheitert waren die Verhandlungen letztlich angeblich an der Forderung der GdF, bestimmten Gruppen von Fluglotsen zu befördern.

In dem Konflikt ging es nicht nur ums Geld – über ein Gehaltsplus von 5,2 Prozent für die DFS-Tarifbeschäftigten waren sich die beiden Seiten allerdings relativ schnell einig geworden. In Deutschland verdienen die Lotsen zwischen 70.000 und 130.000 Euro. Nur die spanischen Kollege bekommen in Europa mehr.

Hintergrund des mit aller Härte geführten Konflikts sind unter anderem auch die anstehenden Veränderungen im europäischen Luftverkehr. Auf dem Weg zum einheitlichen Europa-Luftraum will die EU-Kommission die nationalen Flugsicherungen in den Wettbewerb zwingen. Bislang legt die deutsche Flugsicherung ihre Kosten einfach auf die Kunden, also die Fluggesellschaften, um. Das hat in der Vergangenheit finanzielle Zugeständnisse an die Lotsen erleichtert. In Zukunft muss dagegen wahrscheinlich mehr Verkehr mit weniger Mitteln abgewickelt werden.

Den Lotsen fällt es schwer einzusehen, dass für die Sicherheit weniger Geld da sein soll, während die Airlines über diverse Gebühren und der Staat über neue Steuern die Passagiere zu Kasse bitten. Die Lotsen vermuten auch, dass die Flugsicherung von der Luftfahrtindustrie zu einer harten Linie gedrängt worden sein könnte.