Nachtflugverbot

Airlines müssen ihre Winterflugpläne umschreiben

Das Nachtflugverbot in Frankfurt macht die Airlines nervös. Sie müssen ihre Pläne über den Haufen werfen – doch die Zeit könnte nicht reichen.

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Das vom hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel verfügte Nachtflugverbot für den Flughafen Frankfurt setzt die dortigen Fluggesellschaften unter erheblichen Druck. Direkt betroffen von dem Urteil sind die Lufthansa Cargo, die zum Thomas-Cook-Konzern gehörende Ferienfluggesellschaft Condor, Tuifly und die Frachtgesellschaft Nightexpress.

Diese hatten bislang zu Beginn des Winterflugplans ab Ende Oktober mit 17 Nachtflügen geplant. Jetzt müssen sie sehr kurzfristig ihre Flugpläne umschreiben. Das wird allerdings wohl nicht vollständig gelingen. Denn die Lufthansa Cargo fliegt zum Beispiel in sogenannten Umläufen. Wenn ein Ziel in dieser Kette nicht mehr wie geplant angeflogen werden kann, bricht der Zeitplan für den ganzen Umlauf zusammen.

Mit den anderen Flughäfen in einem solchen Umlauf müssen dann neue Start- und Landezeiten ausgehandelt werden. Doch das dauert an Mega-Flughäfen wie zum Beispiel Shanghai oftmals mehrere Monate. Die Lufthansa rechnet deshalb damit, dass sie möglicherweise einige Ziele eine zeitlang gar nicht mehr anfliegen kann .

Der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Fluggesellschaften, Condorchef Ralf Teckentrup, fürchtet nun schwere Schäden für den Standort Deutschland. Allein bei der Lufthansa Cargo könne unter anderem durch Ausfälle im umsatzstarken Weihnachtsgeschäft „ein Schaden in Millionenhöhe“ entstehen, hieß es dort.

Zudem besteht die Gefahr, dass zum Beispiel Fracht aus Asien über Amsterdam oder Paris nach Europa geliefert wird, oder Güter aus Lateinamerika mit Ziel Asien künftig in Dubai umgeladen werden. Aber auch die großen Passagiergesellschaften in Frankfurt geraten vor allem nach 23 Uhr unter Druck. Wenn Frankfurt geschlossen ist, müssen verspätete Flugzeuge auf einen anderen Flughafen ausweichen. Die nächstliegende Landebahn für große Flugzeuge wäre dann in Köln/Bonn. Der Airport verfügt über eine Genehmigung der Landesregierung und darf mindestens bis 2030 nachts angeflogen werden.

Auf die Airlines würden im Fall einer verspäteten Landung erhebliche Kosten für den Bustransport oder Hotelübernachtungen zukommen. In der Branche wird nun damit gerechnet, dass die Airlines prüfen, ob sie Abflüge auf andere Flughäfen verlegen können. Angeblich wird derzeit auch im Bundesverkehrsministerium vorgefühlt, ob diese eine zeitlich begrenzte Ausnahmegenehmigung erteilen kann, damit die Airlines mehr Zeit haben, sich auf das neue Nachtflugverbot einzustellen.

Endgültig Klarheit über die künftige Anzahl der in Frankfurt genehmigten Nachtflüge dürfte erst ein für Ende des Jahres erwartete Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zum Nachtflugverbot schaffen. Dort ist ein ähnlicher Fall wie in Kassel anhängig. Im Streit um die Nachtflugregelungen am künftigen Hauptstadtflughafen in Berlin-Schönefeld wird unterdessen am Donnerstag das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts erwartet.

Die Leipziger Richter entscheiden, ob in der Zeit von 22 bis 24 Uhr sowie zwischen fünf und sechs Uhr Flüge zulässig sind. Mehrere Gemeinden und Privatpersonen fordern ein komplettes Nachtflugverbot von 22 bis sechs Uhr. Flughafenbetreiber sowie die Länder Berlin und Brandenburg haben dagegen Flüge in den sogenannten Randzeiten aus wirtschaftlichen Gründen für unverzichtbar erklärt.