Luftverkehr

Streik deutscher Fluglotsen träfe 300.000 Passagiere

Das letzte Gespräch zwischen Lotsen und Arbeitgebern hat begonnen. Scheitert es, drohen Behinderungen für Hunderttausende Flugreisende.

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Ein Streik der Fluglotsen in Deutschland hätte gravierende Folgen: „Wenn man mal so einen 24-Stunden-Streik nimmt, dann wären rund 300.000 Passagiere davon betroffen“, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Klaus-Peter Siegloch, im ARD-"Morgenmagazin“.

Nicht nur Passagiere in Deutschland wären betroffen. „Wenn jemand zum Beispiel von Moskau nach London fliegen will, dann müsste er an so einem Streiktag einen großen Bogen um Deutschland machen.“ Das Einspringen militärischer Fluglotsen sei in Deutschland nicht möglich, da sie ebenfalls Angestellte der Deutschen Flugsicherung (DFS) seien und damit auch ein Streikrecht hätten, sagte Siegloch.

Möglich seien bei einem Streik nur noch Rettungsflüge und militärische Flüge. Diese würden dann von einem Notdienst gelotst. Die DSF versucht derzeit erneut, mit der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) zu einer Tarifeinigung zu kommen, um einen Streik zu verhindern.

Die GdF hatte sich am Montag zwar schon für Arbeitskampfmaßnahmen in dieser Woche ausgesprochen, sich aber zu einem letzten Gespräch unter Beteiligung des Schlichters Volker Rieble und des Staatssekretärs aus dem Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba, bereit erklärt.

Ramsauer vorsichtig optimistisch

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) äußerte sich im Vorfeld des Treffens vorsichtig optimistisch: „Ich gehe mit einer Wahrscheinlichkeit von deutlich über 50 Prozent davon aus, dass wir heute Abend ein für beide Seiten tragfähiges Ergebnis haben werden“, sagte er.

Er verwies darauf, dass zuletzt ein einziger, wenn auch durchaus gewichtiger Punkt von ursprünglich 30 strittigen Punkten zwischen den Tarifparteien noch offen sei. Am vergangenen Freitag war die letzte Schlichtungsrunde ergebnislos abgebrochen worden. Hauptstreitpunkt war die Beförderung von Schicht- und Teamleitern.

Die bundeseigene Deutsche Flugsicherung (DFS) und die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) gaben sich gegenseitig die Schuld am Scheitern der Verhandlungen. Der Vorstand der GdF sprach sich Anfang der Woche für einen Streik aus, erklärte sich aber noch einmal zu einem Gespräch mit der DFS bereit. Das Unternehmen beschäftigt rund 6000 Mitarbeiter, darunter etwa 2000 Fluglotsen. Die GdF-Mitglieder haben im Sommer bereits per Urabstimmung für einen Streik gestimmt, der nach heftigen juristischen Auseinandersetzungen durch die Schlichtung vorläufig abgewendet worden war.