Schuldenkrise

Bosch-Chef rechnet mit einer Rezession in Europa

Ein stabiler Euro sei wichtiger als die Mitgliedschaft Griechenlands, sagt Bosch-Chef Fehrenbach. Er befürchtet einen Einbruch der Konjunktur.

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Bosch-Chef Franz Fehrenbach erwartet, dass Europa angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten und der Schuldenkrise in eine Rezession schlittert . „Nachdem die Euro-Staaten im Juli ein großes Paket geschnürt hatten, bestand gute Hoffnung, dass sich die Finanzmärkte wieder beruhigen würden. Aber das Gegenteil ist der Fall. Das Chaos ist größer geworden und damit auch die Krise. Inzwischen befürchte ich daher, dass die Krisenstimmung die Nachfrage beeinträchtigt“, sagte Fehrenbach der „Morgenpost Online“.

„Wir können heute eine Rezession nicht mehr ausschließen, wenn die Menschen weiter so verunsichert werden.“ Für Bosch sieht Fehrenbach bereits einen ersten Rückgang bei den Auftragseingängen: In Europa durch die Schwäche in den südeuropäischen Märkten, aber auch in den USA.

„Dort hat die Konjunktur nicht wie gewünscht gezündet, das Land weist weiterhin ein enttäuschend geringes Wachstum auf. Und in China wird dieses Jahr die Zahl der Autos voraussichtlich nur noch um drei Prozent steigen. Das Wachstum dort wird von der Regierung gezielt gebremst“, sagte der Manager.

Fehrenbach erwartet entgegen früherer Aussagen nun von einer Rückkehr Griechenlands zur Drachme eine Entspannung der Situation: „Bislang hatte ich mich immer dafür ausgesprochen, Griechenland in der Euro-Zone zu halten. Doch angesichts der jüngsten Ereignisse halte ich es für wichtiger, die Währungsunion zu schützen, als Griechenland mit aller Macht in der Euro-Zone zu halten.“ Der Bosch-Chef drängt auf eine schnelle Eindämmung der Krise: „Jetzt müssen rasch Lösungen gefunden werden.“

Und er warnt vor einer Ausweitung der Turbulenzen: „Es ist höchste Zeit, dass man sich mit Ländern wie Italien beschäftigt . Die Regierung in Rom, unter welcher Führung auch immer, muss einen konsequenten Sparkurs einschlagen, damit das Land von seinem Schuldenberg herunterkommt. Und die Maßnahmen müssen auch von neutraler Stelle überwacht werden.“

Europäischer Marshall-Plan für Griechenland

Forderung nach einer Investitionsoffensive der deutschen Wirtschaft für Griechenland, so wie sie der Bundeswirtschaftsminister jüngst anregt hatte, erteilt Fehrenbach eine Absage. „ Mit Sparen und Finanzhilfen allein ist es nicht getan, wir brauchen einen europäischen Marshall-Plan, um Griechenland wieder auf die Beine zu bekommen“, sagte er.

Sollte man sich beispielsweise für einen Ausbau der Photovoltaik entscheiden, was sich in Griechenland lohne, dann sollten die Firmen, die diese Anlagen aufstellen, auch vor Ort produzieren, regt der Bosch-Chef an. „Da würden wir mitmachen. Aber zu verlangen, dass Bosch in Griechenland irgendwelche Zulieferteile für die Autoindustrie produziert und das im Wettbewerb zu Standorten wie Polen, Ungarn oder Rumänien, ist derzeit völlig unrealistisch.“ Bosch produziere in Griechenland im Rahmen eines Gemeinschaftsunternehmens mit Siemens und werde das auch künftig tun. „Aber bei den gegenwärtigen Bedingungen würden wir kein Werk mehr dort bauen“, sagte Fehrenbach.

Der Bosch-Chef übte harsche Kritik am Krisenmanagement der Regierung und an der Finanzbranche insgesamt: „Die bisherigen Einzelentscheidungen, die von den Politikern gefällt wurden, haben allesamt nicht den Kern der Probleme getroffen. Die nötigen Schritte waren nicht mutig genug, die richtigen Hebel wurden nicht angesetzt. Andernfalls würde doch eine Schuldenbremse in den Verfassungen der Euro-Länder längst verankert sein, andernfalls lägen doch auch bereits Pläne vor, wie die Länder ihre Schuldenberge stufenweise reduzieren könnten.“

Fehrenbach forderte außerdem eine rigide Kontrolle der Finanzbranche: „Sämtliche Finanzgeschäfte müssten unter Aufsicht passieren und transparent sein. Es gibt immer noch die Möglichkeit, Finanzgeschäfte außerhalb der Börse und der Aufsichtsbehörden abzuwickeln. Das muss verboten werden.“

Für hochrisikante Finanztransaktionen fordert der Bosch-Chef schärfere Regeln: „Die sollten mit einer anderen Eigenkapitalquote hinterlegt werden müssen als das normale Bankgeschäft.“ Die Forderung nach einer pauschalen Kernkapitalquote von neun oder zehn Prozent gingen am Kern der Probleme vorbei.

Das komplette Interview mit Bosch-Chef Franz Fehrenbach lesen Sie heute in der Morgenpost Online.