Warenhauskette

Plötzlich gibt es zwei Bieter für Galeria Kaufhof

Bislang wurde Metro die Warenhäuser nicht los. Mit Karstadt-Eigner Berggruen und der Wiener Signa konkurrieren jetzt zwei Investoren.

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In die Bemühungen um den Verkauf der Warenhauskette Galeria Kaufhof kommt Bewegung: Derzeit liegen zwei Kaufofferten für die Kette auf dem Tisch des Mutterkonzerns Metro, der das Geschäft samt Immobilien schon seit Längerem verkaufen will.

Beide waren Thema in der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch. Einer der Bieter ist Nicolas Berggruen , der Eigentümer der Konkurrenzkette Karstadt. Er will offenbar beide Ketten zur „Deutschen Warenhaus AG“ zusammenführen. Berggruen hat offenbar eine zweigeteilte Offerte abgegeben: eine für die Immobilien und eine für die operative Kaufhof-Gesellschaft, deren Finanzierung er aus eigenen Mitteln plane.

Das Konkurrenzangebot, das offenbar vor dem von Berggruen einging, kommt vom österreichischen Investor Signa. Die Gruppe, die auch einen griechischen Geldgeber hat , ist schon seit Jahren in Österreich und seit einiger Zeit in Deutschland als Investor von Handelsimmobilien tätig.

„Wir kennen uns seit vielen Jahren im Einzelhandel aus, der Großteil unserer Immobilien kommt aus dieser Sparte“, sagte Signa-Gründer und Mehrheitseigentümer Rene Benko „Morgenpost Online“. Seit mehreren Wochen analysiere man Kaufhof. „Wir sind sicher, dass wir zusammen mit dem jetzigen Management sehr erfolgreich sein könnten. Von uns aus könnten wir die Verträge noch in diesem Jahr unterschreiben“, sagte Benko.

Berggruen dagegen macht weniger Werbung für sich: „Zurzeit kein Kommentar“, hieß es aus seinem Büro in Berlin. Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, die bei Berggruens Karstadt-Übernahme 2010 noch auf seiner Seite war, ist jetzt deutlich kritischer, da sie bei einer Zusammenlegung von Karstadt und Kaufhof Jobs in Gefahr sieht.: „Wir sind seit Langem skeptisch, was eine Warenhaus-Allianz angeht – und an dieser Skepsis hat sich auch mit Blick auf drohende Arbeitsplatzverluste nichts geändert“, sagte ein Ver.di-Sprecher.

Die Interessenten haben laut Metro erste Daten und Zahlen über das Unternehmen erhalten. Eine detaillierte Bewertung, die sogenannte „Due Diligence“, habe es jedoch noch nicht gegeben. Was bedeuten dürfte, dass sich die Verhandlungen noch in einer frühen Phase befinden. Kaufhof hat 139 Filialen, für das Unternehmen sind rund 20.000 Mitarbeiter tätig. Für Karstadt arbeiten 25.000 Beschäftigte, die Kette betreibt 86 Warenhäuser und 26 Sportfilialen.

Metro will den profitablen Kaufhof schon seit Längerem verkaufen, weil das Konzept nicht internationalisierbar sei. Bisher jedoch war kein Interessent bereit, die geforderten Summen von zwei bis drei Milliarden Euro zu zahlen. Das Signa-Angebot soll einen Wert von etwa 2,4 Milliarden Euro haben, die wertvollen Immobilien inklusive. Berggruens Angebot soll „nicht darunter liegen“, hieß es. „Ich werde zu Preisen nichts sagen. Die Finanzierung einer Übernahme des Kaufhofs wäre für uns jedenfalls kein Problem“, sagt Benko.

Mit einem Teil des Kauferlöses will Metro-Chef Eckhard Cordes die Expansion des internationalen Großhandelsgeschäftes forcieren. Zudem könnten Metros Hauptaktionäre Haniel und Schmidt-Ruthenbeck die Finanzspritze gut gebrauchen, um Schulden abzubauen, die bei der Übernahme der Metro-Mehrheit Ende 2007 aufgelaufen waren. Und Cordes könnte kurz vor seinem Ausscheiden endlich sein Versprechen wahrmachen, Kaufhof abzugeben.

Signa besitzt Karstadt-Immobilien

Die konkurrierenden Kaufhof-Bieter sind quasi Geschäftspartner: Benkos Signa ist der Vermieter von Berggruens Nobel-Warenhaus Oberpollinger und des Karstadt Sport-Hauses in München sowie des Sport-Hauses in der Hamburger Mönckebergstraße. Eine weitergehende Zusammenarbeit sei nicht geplant, hieß es aus dem Benko-Lager.

Interessent Benko ist nach eigenen Angaben Mehrheitseigentümer der Signa Holding. Ende 2009 stieg der reiche griechische Reeder George Economou ein, er nehme aber keinen Einfluss auf das operative Geschäft, heißt es. Signa verfügt nach eigenen Angaben über Immobilien im Wert von vier Milliarden Euro, davon eine Milliarden in Deutschland.

Hier gehört neben den drei Karstadt-Filialen unter anderem das Gebäude der Deutschen Börse in Eschborn und das Einkaufscenter „Sevens“ in Düsseldorf dazu. In Österreich ist das Unternehmen unter anderem in umfangreichen innerstädtischen Einzelhandelsprojekten in Wien und Innsbruck engagiert.

„Wir sind ein langfristig orientierter Investor und keine Heuschrecke. In den meisten Immobilien bleiben wir zehn Jahre oder länger. Viele verkaufen wir überhaupt nicht mehr.

Signa ist nicht dafür bekannt, Arbeitsplätze abzubauen. Ganz im Gegenteil“, sagt Benko. Im Beirat der Signa sitzt neben dem früheren österreichischen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer auch Hans-Peter Haselsteiner, Chef des Wiener Baukonzerns Strabag. In den kommenden Wochen soll auch der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking in das Gremium kommen.