Griechisches Referendum

Schock aus Athen - Firmen verlieren 64 Milliarden

Mit der Ankündigung einer Volksabstimmung über das Sanierungspaket hat der griechische Ministerpräsident Papandreou am Dienstag ein Beben an den internationalen Finanzmärkten ausgelöst. Besonders hart traf es die Finanzwerte: Die 50 größten Unternehmen der Euro-Zone, darunter viele Banken, verloren bis zum Mittag 64 Milliarden Euro.

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Die geplante Volksabstimmung in Griechenland und damit eine möglichen Absage an die Beschlüsse des Euro-Gipfels schicken die Börsen wieder auf Talfahrt.

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Die erneut aufflammenden Sorgen um Griechenland haben den deutschen Aktienmarkt am Dienstag zum Handelsauftakt kräftig ins Minus gedrückt. Aus Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone flüchteten viele Anleger aus Aktien und dem Euro. Sie suchten ihr Heil in „sicheren Häfen“ wie Bundesanleihen. „Das gesamte Rettungspaket steht nun wieder infrage und eine harte Umschuldung scheint nicht mehr abwegig“, schrieb Commerzbank-Zinsstratege Benjamin Schroeder in einem Kommentar. Auch Ökonom und Nobelpreisträger Christopher Pissarides warnte vor den Folgen: “ Bei einem 'Nein' müsste Griechenland sofort Bankrott erklären. Ich sehe nicht, dass Griechenland im Euro bleiben könnte.“

Dax und EuroStoxx50 beschleunigten ihre Talfahrt und verloren jeweils rund 3,3 Prozent auf 5939 beziehungsweise 2308 Punkte. Der Börsenwert der im EuroStoxx50 gelisteten Unternehmen schrumpfte im Vergleich zum Vortagesschluss um 64 Milliarden Euro. Dies entspricht in etwa einem Viertel der jährlichen Wirtschaftskraft Griechenlands. Im Eurostoxx50 vertreten sind unter anderem die Versicherungskonzerne Allianz SE (D), Assicurazioni Generali (I),AXA (F), NG Groep (NL), Münchener Rück (D), die Banken Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (E), Banco Santander (E), BNP Paribas (F), Crédit Agricole (F), Deutsche Bank (D), Intesa Sanpaolo (I), Société Générale (F), Unicredit Group (I) sowie die Deutsche Börse (D). Finanzwerte belegten am Dienstag die ersten acht Plätze der EuroStoxx50-Verliererliste.

Banken verlieren stark an Wert

Die 30 Dax -Werte waren rund 26 Milliarden Euro weniger wert als am Montag. Im Dax sind weniger Unternehmen der Finanzbranche - also Banken und Versicherungen - gelistet als im EuroStoxx50. Deutsche Bank und Commerzbank gaben am Dienstagvormittag 5,9 beziehungsweise 8,1 Prozent nach. Zeitweise war die Aktie der Commzerbank gar um mehr als zehn Prozent auf 1,59 Euro abgestürzt. Die Allianz-Aktie gab um 7,3 Prozent auf 75,26 Euro nach.

Börsianer sprachen von wieder deutlich verstärkter Unsicherheit um die Eurozone. Ein Händler sagte: „Auch wegen der Sorgen um den Wert der Griechenland-Anleihen drückt das besonders stark auf die Stimmung für Banken.“ Im Gegenzug schossen die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx , die die Nervosität der Anleger messen, um jeweils 14 Prozent in die Höhe. Damit lagen sie wieder auf dem Niveau von unmittelbar vor dem Euro-Schuldengipfel vergangene Woche.

Die deutschen Banken warnen eindringlich vor einem Scheitern der Rettungsbemühungen für das hochverschuldete Griechenland. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, sagte: „Wichtige Detailplanungen im Nachgang des Euro-Gipfels werden nun verzögert, schlimmstenfalls auf Eis gelegt“, betonte er. „Zudem ist vollkommen unklar, was passieren würde, wenn die griechische Bevölkerung das Hilfspaket ablehnt. Diese sich wahrscheinlich über Wochen hinziehende Unsicherheit ist für die Stabilisierung der nach wie vor schwierigen Lage alles andere als hilfreich.“

Die Chance auf ein Ja

Der europäische Bankenindex fiel um 4,7 Prozent. Am härtesten traf es die dort gelisteten griechischen Banken NBC, Alpha Bank und Bank of Piraeus mit Kursverlusten zwischen 13 und 20 Prozent. Aber auch die stark in Griechenland engagierten französischen Institute Societe Generale und Credit Agricole standen mit einem Minus von jeweils zehn Prozent unter enormem Verkaufsdruck. An der Wiener Börse bildeten Erste Bank und Raiffeisen Bank mit Kursverlusten von jeweils knapp neun Prozent das Schlusslicht.

Erst in der vergangenen Woche hatten die europäischen Staats- und Regierungschefs ein umfassendes Rettungspaket für Griechenland geschnürt und den privaten Gläubigern - vor allem den Banken - einen Schuldenschnitt von 50 Prozent abgetrotzt. Dieser würde über einen Anleihetausch vonstatten gehen. Aus Bankenkreisen verlautete nun, an der konkreten Ausgestaltung des Anleihetausches dürfte hinter den Kulissen auch trotz des anstehenden Referendums gearbeitet werden. „Es gibt ja auch die Chance, dass die Griechen mit Ja stimmen – dann muss das Rettungspaket schnell greifen“, sagte ein Kenner der Szene.

Eine Ablehnung der finanziellen Hilfen seitens Griechenland wäre aus Sicht der Bremer Landesbank „Selbstmord“. Anlagestratege Bernhard Langer von Invesco nannte die Entscheidung das Volk zu befragen hingegen „gut und absolut demokratisch“.