OECD-Studie

Euro-Zone schwächelt stärker als befürchtet

Die Staats- und Regierungschefs der weltweit führenden Volkswirtschaften müssen mit schlechten Zahlen zum G20-Gipfel fahren: Nach Einschätzung von OECD-Experten wird das Wachstum in der Euro-Zone 2012 nur noch 0,3 Prozent betragen.

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Die Wirtschaft in der Eurozone wird sich nach Einschätzung der Industriestaaten-Organisation OECD noch schwächer entwickeln als bislang befürchtet. Für die Länder mit der Gemeinschaftswährung erwarten die OECD-Ökonomen im kommenden Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent. Im vergangenen OECD-Ausblick aus dem Monat Mai hatte die Prognose noch bei 2,0 Prozent gelegen.

Hintergrund der düsteren Aussichten in Europa ist nach Einschätzung der OECD vor allem die Staatsschuldenkrise. „Ein Großteil der derzeitigen Schwächephase ist auf einen generellen Vertrauensverlust in die Fähigkeit der Politik zurückzuführen, angemessene Antworten zu platzieren“, kommentierte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Montag in Paris.

Als kurzfristige Maßnahmen empfiehlt sie Zinssenkungen in der Eurozone. Zudem sollten die Zentralbanken weiterhin hinreichend Liquidität bereitstellen, um die Spannungen an den Finanzmärkten abzudämpfen. „Angesichts des langsamen Wachstums werden auch die Arbeitsmärkte noch einmal schwächer werden“, warnte die OECD. Vor allem die Langzeitarbeitslosigkeit drohe ein großes Problem zu werden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird an diesem Donnerstag über ihre Leitzinsen entscheiden, erstmals unter Leitung des Italieners Mario Draghi, der am Dienstag Jean-Claude Trichet an der EZB-Spitze ablöst. Viele Volkswirte rechnen mit einer EZB-Zinssenkung, allerdings noch nicht in diesem Monat.

Verschlechtert haben sich die Aussichten nach OECD-Angaben auch in den USA. Für die dortige Wirtschaft werden nur noch 1,8 Prozent Wachstum erwartet. Im Mai hatte die OECD noch ein Plus von 3,1 Prozent vorhergesagt. Für die weltweit führenden Volkswirtschaften (G20) insgesamt liegt die Prognose für 2012 bei 3,8 Prozent.

Dieser Schnitt verberge aber riesige Unterschiede, schreiben die Wirtschaftswissenschaftler. Während Schwellenländer wie China auf hohe Wachstumsraten hoffen könnten, drohe in manchen Euro-Staaten teilweise sogar ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung. Sollte die finanziellen Rahmenbedingungen wieder so schlecht werden wie im Zeitraum Mitte 2007 bis Anfang 2009 könne dies bis Mitte 2013 in einigen OECD-Ländern zu einem Absinken der Wirtschaftsleistung von bis zu fünf Prozent führen.

Vom G20-Gipfel an diesem Donnerstag und Freitag im französischen Cannes erwartet die OECD einen mutigen Aktionsplan. Es sei es an den Staats- und Regierungschefs der weltweit führenden Volkswirtschaften, Strukturreformen auf den Weg zu bringen, teilte die Organisation mit. Zudem müssten die Entscheidungen des Euro-Krisengipfels in Brüssel umgehend umgesetzt werden. Dann könnten auch die Wachstumszahlen besser ausfallen als derzeit erwartet.