Verlust der Top-Kreditwürdigkeit

Frankreich könnte Euro-Zone ins Wanken bringen

Ökonomen befürchten, dass Frankreich seine Top-Kreditwürdigkeit verlieren wird. Eine solche Herabstufung könnte "eine tragende Säule des Euro-Rettungsschirms" und auch die ganze Euro-Zone ins Wanken bringen.

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Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone an die Wand gemalt, sollte Frankreich sein Top-Rating verlieren. Ansgar Belke, DIW-Forschungsdirektor für Internationale Makroökonomie, begründete dies am Montag bei „Handelsblatt Online“ mit der Bedeutung Frankreichs für den Euro-Rettungsschirm EFSF.

Das Land stehe mit der zweithöchsten Garantiesumme gerade. Ein Verlust des AAA-Ratings könne daher „eine tragende Säule des Euro-Rettungsschirms ins Wanken bringen“, sagte Belke. Folglich würde sich hierdurch im Extremfall auch „die Wahrscheinlichkeit für das Auseinanderbrechen der Eurozone erhöhen“.

Banken-Chefökonomen erwarten Herabstufung

Die Chefvolkswirte von Commerzbank und Barclays Capital Deutschland, Jörg Krämer und Thorsten Polleit, rechnen auch damit, dass Frankreich seine Top-Kreditwürdigkeit verlieren wird. „Ein neues Rettungspaket für die Schuldenländer im Süden der Währungsunion wird auch die französischen Staatsfinanzen belasten“, sagte Krämer „Handelsblatt Online“. Er sehe daher die Gefahr, dass die Ratingagentur Standard & Poor's die Bonitätsnote Frankreichs bereits in den kommenden Wochen mit einem negativen Ausblick versieht.

„Im kommenden Jahr könnte dann die Bestnote von AAA endgültig fallen“, sagte Krämer weiter. Zum einen werde das Wirtschaftswachstum „deutlich“ nachlassen. „Zum anderen dürften die Politiker wegen des Präsidentenwahlkampfs zögern, Steuern zu erhöhen oder Ausgaben zu senken.“

Auch für Barclays-Chefökonom Polleit ist die Gefahr, dass Frankreich sein AAA-Rating verliert, nicht von der Hand zu weisen. „Die Probleme der heimischen Banken können zu massiven zusätzlichen Belastungen für die Finanzlage des französischen Staates werden“, sagte Polleit „Handelsblatt Online“. Und die Haushaltslage der Franzosen sei bereits alles andere als vertrauenserweckend.

Polleit hält es überdies für möglich, dass auch Deutschland ins Visier der Rating-Agenturen geraten könnte. Zwar könne Deutschland mit seiner bisherigen Haushaltsplanung, wenn sie sich denn umsetzen lasse, die Schuldenlast bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den kommenden Jahren absenken. Das jedoch bedinge, dass keine neuen Belastungen für den Haushalt erwachsen. „Die Hilfeleistungen aber, die die Bundesregierung nun anderen Euroraum-Ländern geben will, können zu einer drastischen Verschlechterung der Entwicklung der Schuldenlasten führen, die dann in der Tat auch Zweifel am AAA-Rating Deutschlands wecken könnten.“

Bundesbank für Rekapitalisierung von Banken

Wenige Tage vor dem EU-Gipfel zu Griechenland sind unterdes deutliche Risse zwischen Deutschland und Frankreich aufgetreten. Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger sprach sich für eine Rekapitalisierung der europäischen Banken aus. Die Maßnahme könne ein Mittel sein, um das Vertrauen der Akteure im Interbankenmarkt wiederherzustellen, sagte Lautenschläger dem „Handelsblatt“ (Montagausgabe).

Die französische Haushaltsministerin Valérie Pécresse dagegen lehnte eine staatliche Unterstützung für französische Banken ab. Pécresse sagte dem Radiosender RMC, die französischen Finanzinstitute müssten für die Stärkung ihres Eigenkapitals selbst aufkommen. Möglich sei das etwa durch das Kürzen von Dividenden und Boni. Der Staat werde keine Anteile an französischen Banken übernehmen, um sie zu unterstützen. Die Priorität der Regierung liege in der Senkung der Staatsverschuldung.

Lautenschläger sagte, ebenso wichtig sei es aber auch, eine überzeugende Lösung für die Staatsschuldenkrise in den einzelnen europäischen Ländern zu finden. Staatsanleihen sollten nicht mehr unterschiedslos als risikofreie Wertpapiere behandel werden.

Auch der Deutschland-Chef des italienischen Versicherungskonzerns Generali, Dietmar Meister, sprach sich für einen Schuldenschnitt für Griechenland aus. „Ich glaube, das wäre inzwischen für ganz Europa und sogar die Welt die richtige Richtung“, sagte er der „Financial Times Deutschland“ (Montagausgabe).

Bislang haben sich die Versicherer laut der Zeitung gegen einen solchen Schuldenschnitt gestellt. Die Lage sei aber mittlerweile so, „dass man seine Meinung in kürzeren Zeiträumen überdenken muss, als wir das früher gewohnt waren“, sagte Meister. Generali habe bereits im ersten Halbjahr seine Griechen-Bonds auf 50 Prozent abgeschrieben.