Schuldenkrise

Deutsche Banken müssen Herabstufung fürchten

Standard & Poor's senkte am Freitag die Bonität der französischen Bank BNP Paribas um eine Stufe. Auch deutschen Geldinstituten droht eine Herabstufung.

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Der Druck auf die europäischen Banken kommt aus immer mehr Richtungen: Die Politik fordert immer lautstarker eine bessere Kapitalausstattung ein und obendrein zweifelte am Donnerstagabend nun auch noch die Ratingagentur Fitch an der all zu guten Bonitätseinschätzung des Branchenprimus Deutsche Bank.

„Die Staatsschuldenkrise strahlt nunmehr auch auf Banken in anderen Mitgliedsländern aus. Grund hierfür ist eine gestiegene Unsicherheit über die Widerstandsfähigkeit von Banken aufgrund ihres Exposures gegenüber den gefährdeten Ländern. Diesen Kanal der Übertragung von Unsicherheit müssen wir eindämmen“, sagte Bundesbank-Chef Jens Weidmann der Nachrichtenagentur Reuters.

Seit Wochen stufen Ratingagenturen die Bonität der europäischen Geldhäuser immer weiter herunter. Standard & Poor's senkte die Bonität der französischen Großbank BNP Paribas um eine Stufe. Das Langfrist-Rating des führenden Finanzinstituts des Landes sei von AA auf AA- korrigiert worden, hieß es am Freitag.

Die deutschen Institute sind bisher davon verschont geblieben. Schließlich gilt Deutschland als sicherer Hafen Europas. Die hier ansässigen Institute profitieren von der vergleichsweise gut laufenden Konjunktur und der exzellenten Bonität des deutschen Staates. Doch nun ist Schluss mit dem Dasein auf der Insel der Seligen.

Ratingagenturen warnen Institute

Fitch begründete den düsteren Ausblick für die Banken mit den Turbulenzen an den Finanzmärkten und schärferen Vorschriften für Geldinstitute. „Davon kann sich keine Bank befreien – vor allem nicht die Deutsche Bank, die sehr stark international vernetzt ist“, sagt Bankenexperte Dirk Becker vom Analysehaus Kepler Capital Markets.

Zwar hatte Fitch das Rating für die Deutsche Bank noch nicht gesenkt, jedoch eine Warnung ausgesprochen. Neben der Deutschen Bank sind auch die britische Barclays Bank, die französischen Institute Crédit Agricole und Société General, die Credit Suisse sowie die US-Banken Bank of America, Morgan Stanley und Goldman Sachs betroffen.

Härter ging Fitch mit den Großbanken UBS, Lloyds und Royal Bank of Scotland um: Hier warnte sie nicht nur, sondern senkte das Rating gleich. Auch zwei deutsche Landesbanken geraten unter Beschuss: So senkte Fitch die Bewertung der Landesbank Berlin. Unterdessen verschlechterte die Ratingagentur Moody’s die Einschätzung der NordLB, weil sie in deren Augen von der zyklischen Schiffsfinanzierung und dem Gewerbeimmobilienmarkt in Mitleidenschaft gezogen wird.

Wenn eine Bank ihr Top-Rating verliert, so hat das auch praktische Folgen: Es wird für die Bank teurer, sich auf dem Kapitalmarkt Geld zu beschaffen. Die Zinsen für die laufende Refinanzierung steigen. Fitch gehe es bei der Überprüfung der Großbanken nicht um Ertragszahlen, sondern um die Frage, ob das Geschäftsmodell der jeweiligen Bank unter den Herausforderungen leiden könnte, denen die Finanzmärkte gegenüberstünden. Dass es vor allem Banken trifft, die stark im volatilen Investmentbanking sind, verwundert daher nicht.

Kapitalausstattung bereitet die größten Sorgen

Auch bei der Deutschen Bank kritisieren die Experten der Ratingagentur, dass sie zu sehr vom Investmentbanking abhängig sei. Künftig müsse mehr aus dem Filialgeschäft kommen. Das ist auch das Ziel von Vorstandschef Josef Ackermann: Er will langfristig die Hälfte des Konzerngewinns im Privat- und Geschäftskundenbereich verdienen.

Zugute hält die Ratingagentur der Deutschen Bank, dass sie mit der Übernahme der Postbank und ihrer mehr als zehn Millionen Kunden dem Ziel ein gutes Stück näher gekommen ist. Zudem glaubt Fitch, dass die Deutsche Bank von den Problemen der Euro-Krise nur in zweiter Linie betroffen ist – etwa durch ein schwächeres Wirtschaftwachstum oder durch ungünstige Handelsbedingungen. Die direkte Belastung durch Papiere der Euro-Problemstaaten habe die Deutsche Bank bereits deutlich abgebaut, loben die Experten.

Mehr Sorgen macht der Ratingagentur hingegen die Kapitalausstattung der Deutschen Bank. Sie sei im Branchenvergleich relativ niedrig, kritisiert Fitch. Im Stresstest erreichte das Frankfurter Institut unter Stress eine Kernkapitalquote von 6,5 Prozent – und lag damit im unteren Mittelfeld.

Josef Ackermann ist da anderer Meinung. Sein Institut brauche nicht mehr Kapital, wird er nicht müde zu betonen. Erst am Donnerstag hatte er in Berlin deutlich gemacht, dass die Banken eine wesentlich bessere Kapitalbasis als vor der Krise hätten. Eine Zwangskapitalisierung der Banken lehnt er rundheraus ab – genauso wie Sparkassenchef Heinrich Haasis, der erzwungene Kapitalspritzen als „Unsinn“ abtat.

G 20 planen Maßnahmen gegen die Krise

Aus der europäischen Politik kommt indes Gegenwind: Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker mahnte eine bessere Kapitalausstattung an. Dieser Auffassung ist auch Bundesbankchef Weidmann: „Zur Vermeidung einer drohenden systemischen Krise ist auch eine Mittelaufnahme über Finanzstabilisierungsinstrumente ein gangbarer Weg. Das haben wir 2008 mit dem SoFFin gezeigt. Eine mögliche Reaktivierung wäre dann aber notwendig.“

In Paris wollten die Finanzminister und Notenbankchefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G 20) das weitere Vorgehen in der Schuldenkrise beraten. Es zeichnete sich eine enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich ab. Nach einem Gespräch mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in Paris, er sei überzeugt, dass beide zusammen die europäische Währung verteidigen werden. Das Treffen soll am Samstag fortgesetzt werden.

Während die Politik in Paris über Lösungen debattiert, haben die Globalisierungskritiker von Attac zu einem weltweiten Protesttag gegen die „Banken-Diktatur und Ausbeutung“ aufgerufen. Auch vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt soll es eine Demonstration geben. Die Finanzmärkte zeigten sich indes von den Hiobsbotschaften weitgehend unbeeindruckt: Der Kurs der Deutschen Bank drehte sogar zeitweise wieder ins Plus.