Die Zeiten üppiger Zinsen neigen sich dem Ende zu. In den vergangenen Wochen haben etliche Kreditinstitute ihre Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld kräftig gesenkt. Sie folgen damit den Vorgaben der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese hatte Mitte Januar den Leitzins zum vierten Mal in Folge gesenkt – inzwischen auf zwei Prozent.
Marktführer ING-Diba bietet seit dem 15. Februar auf Tagesgeld gerade noch 2,25 Prozent Zinsen und liegt damit unter dem Durchschnitt der Tagesgeld-Offerten von 118 Banken, der derzeit bei 2,4 Prozent liegt. Auch andere Kreditinstitute, die dem deutschen Einlagensicherungsfonds angehören, warten mittlerweile mit niedrigeren Zinsen auf als noch vor einem Monat.
Doch wer sich auf die Suche begibt, wird fündig: Noch tummeln sich auf dem Markt Angebote, die auf Tagesgeld vier Prozent und mehr bieten – und das bei entsprechender Sicherheit. Größere Chancen auf üppige Zinsen haben allerdings Anleger, die auch bereit sind, ihre Bankgeschäfte am Computer zu erledigen. So bietet die GE-Money Bank für diese Klientel derzeit noch fünf Prozent Zinsen - und das garantiert bis zum 31. März.
Fünf Prozent bietet lediglich noch die Credit-Europe-Bank. Doch bei diesem Institut unterliegen die Ersparnisse der niederländischen und nicht der deutschen Einlagensicherung. Zum 7. Oktober haben die Niederlande zwar die Einlagengarantie pro Person zunächst befristet auf ein Jahr von 20.000 auf 100.000 Euro angehoben. "Anleger sollten jedoch darauf achten, dass die Kreditinstitute im deutschen Einlagensicherungsfonds sind. Oder sie müssen sich im Ernstfall auf mehr Bürokratie und mitunter auch mehr Ärger einstellen", sagt Niels Nauhauser, Geldanlage-Experte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Bei der Audi-Bank direct und der Volkswagen-Bank direct und der ING-Diba können Sparer derzeit auch noch vier Prozent Zinsen abstauben - die Zinsen gibt es jedoch ausschließlich für Neukunden oder für neu angelegtes Geld. Bestandskunden müssen sich mit deutlich weniger zufrieden geben.
Wer sein Tagesgeldkonto lieber am Bankschalter eröffnen möchte, kann sich an eine Filiale der Hamburger Sparkasse wenden. Der Anleger muss im Gegenzug für den persönlichen Service aber auch einen Abschlag auf die Rendite in Kauf nehmen. Die Hamburger Sparkasse wartet derzeit mit immerhin 3,4 Prozent auf.
Doch nicht nur auf dem Tagesgeldmarkt bröckelt die Zinsfront. Auch auf Festgeld für ein Jahr müssen sich Anleger mit einer geringeren Rendite als noch vor vier Wochen begnügen. Wer Wert auf die deutsche Einlagensicherung legt, muss sich beim Festgeld bestenfalls mit einer vier vor dem Komma zufrieden geben. Einer der Spitzenreiter ist die Mercedes-Benz Bank (4,6 Prozent), gefolgt von der Von-Essen-Bankgesellschaft (4,10 Prozent) und der Santander Consumer-Bank mit vier Prozent Zinsen. Das Angebot der Mercedes-Benz Bank steht derzeit jedoch ausschließlich denjenigen offen, die bereits Kunde der Bank sind.
"Wer sein Geld in absehbarer Zeit nicht braucht, kann dieses auch längerfristig anlegen und sich jetzt noch vergleichsweise hohe Zinsen sichern", sagt Nauhauser. Allerdings rät der Verbraucherschützer davon ab, Geld länger als vier, fünf Jahre anzulegen: "Letztendlich kann heute niemand sagen, ob die Inflation in einigen Jahren nicht kräftig anzieht und mit ihr die Zinsen."
Rendite und Sicherheit sind die wesentlichen Aspekte auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten. Ein weiteres Kriterium ist der Service. Und den hat "Finanztest" in seiner aktuellen Ausgabe unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Von 19 getesteten Direktbanken erreichten 15 die Note "gut". Ein ausreichend erhielten die Amsterdam Trade Bank und die Advanzia Bank. Während Kunden der ICICI Bank und der GE Money Bank im Test der Verbraucherschützer gerade einmal vier Tage warten mussten, bis die Kontoeröffnungsunterlagen im Briefkasten lagen, wurde insbesondere die Geduld von Kunden von Autobanken in den vergangenen Wochen auf die Probe gestellt. Die Mercedes-Benz Bank und die BMW Bank boten in den vergangenen Wochen fünf Prozent und mehr Zinsen und konnten den Ansturm der Kunden daraufhin kaum mehr bewältigen. "Von November bis Januar hat sich die Zahl der Kontoeröffnungen verzehnfacht", erklärt Oliver Wihofszki, Sprecher der Mercedes-Benz Bank. Die BMW-Bank hat die Zinsen mittlerweile deutlich gesenkt: Auf Tagesgeld gibt es noch 3,7 Prozent, auf Festgeld für ein Jahr 3,55 Prozent.
Die Mercedes-Bank zog Anfang Februar die Reißleine und nimmt zunächst keine weiteren Kontoeröffnungsanträge mehr an. Anträge, die bis zum 3. Februar 2009 abgeschickt wurden, werden noch bearbeitet. Die Bearbeitungszeit beträgt für die ausstehenden Anträge bei der Mercedes-Benz-Bank bis zu fünf Wochen. "Bestandskunden sind davon nicht betroffen. Sie können nach wie vor einfach ein Festgeldkonto eröffnen", sagt Wihofszki. Attraktiv ist das Angebot aus Stuttgart allemal. Die Mercedes-Benz Bank bietet derzeit auf Festgeld für ein Jahr 4,6 Prozent und auf Tagesgeld 4,0 Prozent Zinsen. Das ist im Vergleich mit anderen Angeboten, die der deutschen Einlagensicherung unterliegen, nach wie vor sehr gut.


