Die Finanzkrise erschüttert das Vertrauen der Bundesbürger in die gesetzliche und die private Altersvorsorge. 46 Prozent der Deutschen sorgen sich seit der Krise verstärkt um ihre gesetzlichen Rentenansprüche, teilte das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) in seiner Vorsorge-Studie mit. Jeder Vierte macht sich zudem mehr Sorgen um die private Altersvorsorge. „Das historisch geschwächte Vertrauen in die gesetzliche Rente geht weiter zurück“, erklärte Studienleiter Karsten Schulte. „Aber auch das Vertrauen in die private Altersvorsorge hat – wenn auch auf deutlich höherem Niveau – einen erheblichen Dämpfer erhalten.“ Kein Wunder: Schließlich hält die Achterbahnfahrt an den Finanzmärkten an und so mancher Vorsorgesparer sieht sein Erspartes dahin schwinden.
Auch wenn das Vertrauen in die gesetzliche Rente laut Studie deutlich sinkt: Von der Finanzkrise ist die gesetzliche Rente nicht unmittelbar betroffen. Denn die Renten werden im Umlageverfahren finanziert. Im Klartext bedeutet dies, dass die eingezahlten Beiträge der Versicherten und der Arbeitgeber sofort wieder als Renten an die Ruheständler ausgezahlt werden. Von der Krise ist die gesetzliche Rentenversicherung jedoch dann betroffen, wenn die Zahl der Arbeitslosen steigt. Denn dann sinkt die Zahl der Beitragzahler.
„Trotz Finanzkrise müssen die Bundesbürger weiter privat fürs Alter vorsorgen“, sagt Tom Friess von der VZ Vermögensberatung in München. Denn die Krise ändert nichts an den Rahmenbedingungen. Seit Jahren werden in Deutschland zu wenige Kinder geboren. „Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wird die Zahl der über 60-Jährigen um zehn Millionen steigen“, prognostiziert Herwig Birg, Professor an der Uni Bielefeld. Zugleich schrumpft die Zahl der 20- bis 60-Jährigen um 16 Millionen. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung stetig älter wird. Ende 2007 erhielten 10.669 Hundertjährige eine gesetzliche Rente. Sechs Jahre zuvor lag diese Zahl noch bei 5300. Die gesetzliche Rente kann daher insbesondere für jüngere Jahrgänge allenfalls noch als Grundsicherung dienen.
Dass der Lebensstandard im Alter nur gehalten werden kann, wenn sich Arbeitnehmer nicht nur auf die Auszahlung aus der gesetzlichen Rentenversicherung verlassen, wissen heute deutlich mehr Bundesbürger als noch vor einigen Jahren. Mehr als ein Drittel der von dem Deutschen Institut für Altersvorsorge Befragten geht davon aus, dass sie ihren Lebensstandard im Alter senken müssen. Gut 34 Prozent rechnet sogar mit deutlichen Einschränkungen. Zum Vergleich: 1999 gingen lediglich zwölf Prozent der Befragten davon aus, dass sie ihren Lebensstandard im Alter nicht halten können. „An dieser Stelle sieht man einen dramatischen Bewusstseinswandel der Bevölkerung“, sagt Bernd Katzenstein, Geschäftsführer des DIA, das von der Deutschen Bank finanziert wird. 22 Prozent der Befragten plant daher laut Studie, in den nächsten zwölf Monaten Geld für die Altersvorsorge zur Seite zu legen. „Besonders im Trend liegen derzeit das Eigenheim und Produkte, die ein hohes Maß an Sicherheit versprechen“, sagt Schulte.
Die Auswahl an Vorsorgewegen und -produkten ist von sehr sicher bis risikofreudig ist kaum überschaubar. So können Sparer nicht nur zwischen den staatlich geförderten Vorsorgewegen wie Riester-, Rürup- und Betriebsrente wählen. Auch können Anleger mit Staatspapieren, Bank- oder Fondssparplänen und Versicherungen fürs Alter vorsorgen. Bei den staatlich geförderten Vorsorgewegen unterstützt der Staat den Anleger in der Sparphase mit Steuerersparnissen und Zulagen. Im Gegenzug holt sich der Fiskus im Alter einen Teil der Ersparnisse zurück. Dann müssen die Auszahlungen aus der Betriebsrente und der Riester-Rente komplett versteuert werden. Der steuerpflichtige Anteil der gesetzlichen und der Rürup-Rente steigt in den kommenden Jahren sukzessive an. Wer sich 2040 oder später in den Ruhestand verabschiedet, muss die kompletten Rentenzahlungen versteuern. Der Vorteil der Riester-Rente: die Anbieter müssen zu Rentenbeginn die eingezahlten Beiträge plus Zulagen garantieren. Und zwar unabhängig davon, ob der Anleger einen Bank-, einen Fondssparplan oder aber eine Versicherung abgeschlossen hat. „Aber auch die Betriebsrente ist sehr sicher“, sagt Vermögensberater Friess. Denn bei der Rente vom Chef greifen im Fall einer Insolvenz gleich mehrere Sicherungssysteme. Wer hingegen privat und ungefördert für das Alter vorsorgt, muss im Ruhestand auch einen geringeren Anteil seiner Auszahlungen an den Fiskus abtreten.



