Ratingagentur

Moody's droht USA weiterhin mit Herabstufung

Trotz Einigung im Schuldenstreit sieht die Ratingagentur Moody's für den US-Haushalt schwarz. Die Spitzen-Bonitätsbewertung könnte fallen.

Auch nach der Einigung im US-Schuldenstreit droht den USA eine Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit durch die Ratingagenturen. Moody's bestätigte zwar die Bonitäts-Spitzennote "AAA", versah sie jedoch mit einem negativen Ausblick.

Damit könnte das Rating in den nächsten zwölf bis 18 Monaten gesenkt werden. Auch Fitch hielt zunächst an der "AAA"-Einstufung fest, mahnte allerdings auf mittlere Sicht eine stärkere Schuldenreduzierung angesichts der schwachen Konjunkturentwicklung an.

Gespannt wird nun auf eine Äußerung von Standard & Poor's gewartet. Viele Finanzmarktteilnehmer hielten eine schlechtere Bewertung durch S&P für eine realistische Möglichkeit, sagte Analyst Gennadiy Goldberg von 4Cast Ltd. Die Agentur hatte Mitte Juli erklärt, die Chancen einer Herabstufung in den kommenden drei Monaten stünden bei 50 zu 50, je nachdem wie der Schuldenstreit in Washington ausgehe.

Das Defizit müsse um vier Billionen Dollar gedrückt werden. Der nach wochenlangem Ringen in trockene Tücher gebrachte Kompromiss zwischen Demokraten und Republikanern sieht Einsparungen von etwas mehr als zwei Billionen Dollar vor.

Moody's bezeichnete den erzielten Kompromiss als ersten Schritt hin zum Erreichen einer langfristigen Haushaltskonsolidierung. Es bestehe aber das Risiko einer Herabstufung, falls die Haushaltsdisziplin im kommenden Jahr nachlassen sollte oder 2013 weitere Konsolidierungsmaßnahmen ausblieben. Auch eine deutliche Verschlechterung der Konjunkturerwartungen oder ein Anstieg der Finanzierungskosten könnten demnach zu einer schlechteren Bewertung der Bonität führen.

Fitch bewertete die Einigung ebenfalls als Schritt in die richtige Richtung. Das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit der USA sei damit "extrem niedrig". Mittelfristig müssten die öffentlichen Schulden jedoch auf ein niedrigeres Niveau gesenkt werden.

Denn die Konjunkturperspektiven der USA seien enttäuschend. Nach Einschätzung von Fitch-Experte David Riley wurden die Wachstumszahlen zuletzt überraschend deutlich nach unten korrigiert, was ein Grund zur Sorge sei. Er schloss nicht aus, dass Fitch deswegen eine Herabstufung der USA prüfen wird. "Es könnte einen Ratingschritt geben, der eine Korrektur des Ausblicks beinhalten könnte", sagte Riley in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

An den Finanzmärkten ist die Einigung in Washington auf eine Anhebung der Schuldenobergrenze sowie auf Ausgabenkürzungen mit Skepsis aufgenommen worden. Unter anderem wird befürchtet, dass der Sparkurs der Regierung die ohnehin schleppende US-Wirtschaft zusätzlich bremsen könnte.

Erste Herabstufung aus China

Kritik kam auch aus China. Die USA hätten es mit ihrem Plan nicht geschafft, ihre "Schuldenbombe" zu entschärfen, kommentierte die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch. Das sei auch ein Risiko für die Weltwirtschaft. Die chinesische Ratingagentur Dagong, deren Bewertungssystem von dem der US-Agenturen abweicht, stufte die Bonität der USA von A+ auf A herab und versah die Note mit einer negativen Tendenz.

Peking war angesichts der drohenden Zahlungsunfähigkeit der USA besonders beunruhigt – China ist der größte Gläubiger der USA. Der Internationale Währungsfonds (IWF) dagegen begrüßte den Kompromiss. Dieser verringere die Unsicherheit an den Märkten und erhöhe die Glaubwürdigkeit der USA, erklärte die neue IWF-Chefin Christine Lagarde. Die geplanten Einsparungen seien wohldosiert und dürften das Wachstum nicht abwürgen.

US-Finanzminister Timothy Geithner schrieb in einem Beitrag für die "Washington Post", der Schulden-Deal dürfte dem Kongress genug Spielraum für kurzfristige Maßnahmen zur Stärkung der Konjunktur in diesem Herbst geben, etwa die Finanzierung von Infrastrukturprojekten.