Ratingagenturen

USA droht trotz Schuldendeal die Herabstufung

Auf den letzten Drücker haben Republikaner und Demokraten eine Staatsbankrott abgewendet. Doch die ausufernde Staatverschuldung ist damit nicht eingedämmt. Die Ratingagenturen bleiben weiter äußerst skeptsich - und die Börsen im Abwärtstrudel.

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Vor der Wall Street demonstrierten am Dienstag Bürger gegen die beschlossenen Ausgabenkürzungen von mehr als zwei Billionen Dollar. Auch den Anlegern liegt der erzielte Schuldenkompromiss schwer im Magen. Sie fürchten eine Herabstufung

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Die Ratingagentur Moody's ist trotz des US-Schuldendeals skeptisch. Zwar gab sie der Kreditwürdigkeit der USA am Dienstag weiter die Bestnote „AAA“. Den weiteren Ausblick bewerte man aber als negativ, teilte Moody's nur wenige Stunden nach der Einigung in Washington mit.

Die Agentur warnte, es bestehe das Risiko einer Herabstufung, falls die Haushaltsdisziplin in den USA im kommenden Jahr nachlassen sollte oder falls 2013 keine weitere Konsolidierungsmaßnahmen beschlossen würden. Auch eine erhebliche Verschlechterung der konjunkturellen Erwartungen könnten zu einer Herabsetzung der US-Kreditwürdigkeit führen.

Auch die Kreditratingagentur Fitch hielt die US-Topbonität „AAA“ bei. Sie machte aber ebenfalls klar, dass sie die Schuldenentwicklung in den USA weiter scharf im Auge behalten werde.

Eine Herabstufung des Ratings könnte könnte die Renditen der US-Staatsanleihen hochtreiben und damit das Geldleihen insgesamt teurer machen. Das drückt auf die Stimmung an den Börsen. Der US-Aktienmarkt gab auch nach dem Schuldenkompromiss den siebten Handelstag in Folge nach. Der Dow-Jones-Index der 30 führenden Industriewerte stürzte unter die 12.000-Punkte-Marke: Der Index verlor 265,87 Punkte oder 2,2 Prozent und schloss bei 11.866,62 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq ging um 75,37 Punkte oder 2,7 Prozent zurück auf 2.669,24 Zähler.

IWF optimistisch

Der Internationale Währungsfonds (IWF) zeigte sich da optimistischer und begrüßte die Einigung. Mit der Erhöhung des Schuldenlimits werde eine große Unsicherheit für die Märkte reduziert und die Kreditwürdigkeit der USA gestärkt. „Diese Vereinbarung ist gut für die USA und die Weltwirtschaft“, meinte die IWF-Chefin Christine Lagarde.

Die von den USA nunmehr angestrebten Einsparungen seien ein wichtiger Schritt in Richtung Konsolidierung. Nun komme es auf weitere Schritte an. Lagarde plädierte dabei für weitere Einsparungen, aber auch für staatliche Mehreinnahmen.

Obama: Erster Schritt

Präsident Barack Obama, der das Gesetz noch am Dienstag unterzeichnete, meinte, durch die Entscheidung sei eine Katastrophe abgewendet worden. Er betonte aber, es handele sich lediglich um einen „ersten Schritt“. Um die US-Schulden langfristig zu reduzieren mahnte er erneut Steuerererhöhungen für Reiche an. „Jeder wird seinen Beitrag leisten müssen. Das ist nur fair.“

Nach dem Abgeordnetenhaus billigte am Dienstag auch der Senat den in zähen Verhandlungen errungenen Schuldenkompromiss. Ohne eine solche Einigung wäre die weltgrößte Volkswirtschaft in die Zahlungsunfähigkeit gestürzt, mit unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft.

Der Kompromiss sieht vor, dass die Erhöhung des Schuldenlimits von derzeit 14,3 Billionen Dollar (rund 10 Billionen Euro) mit historischen Sparmaßnahmen in Höhe von rund 2,5 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) einhergeht.