Der Deutschland-Chef der Ratingagentur Standard & Poor’s hat sich skeptisch zu einer möglichen Einführung von Gemeinschaftsanleihen der Euro-Länder geäußert. „Die Grundvoraussetzung dafür, dass Euro-Bonds langfristig funktionieren, wäre eine stärkere politische und wirtschaftliche Integration in Europa.
Davon sind wir aber noch weit entfernt“, sagte Torsten Hinrichs den Zeitungen der „WAZ“-Gruppe. Kritik an der Rolle der Ratingagenturen in der Schuldenkrise wies Hinrichs zurück. „Es wäre falsch, Ursache und Wirkung zu verwechseln“, sagte er.
Es seien Politiker, „die für die Haushaltspolitik und damit den Grad der Verschuldung eines Staates verantwortlich sind, nicht Ratingagenturen.“ Hinrichs kritisierte zugleich: „Leider verschwendet die Politik viel Energie damit, auf Ratingagenturen oder die Finanzwelt zu zeigen. Es wäre uns allen geholfen, wenn diese Energie eingesetzt würde, die staatlichen Haushalte in Ordnung zu bringen.“
Auch EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark warnte vor der Einführung gemeinsamer Staatsanleihen in der Euro-Zone. Solche Euro-Bonds würden zwar als der Königsweg aus der Krise gepriesen, sagte Stark dem „Handelsblatt“. „Tatsächlich ist es ein Kurieren an den Symptomen und nicht an den Ursachen.“ Vielmehr seien strukturelle Reformen nötig. „Wir brauche sowohl institutionelle Reformen als auch Anpassungsmaßnahmen in den einzelnen Ländern“, forderte Stark. „Euro-Bonds sind nicht nur der Einstieg in die Transferunion, sie sind die Transferunion.“
Reuters/dpa/cat



