Die ganze Woche über hatten Börsenhändler und Ökonomen auf die Rede gewartet – und dann war sie eine Enttäuschung. US-Notenbankchef Ben Bernanke trat am Rande des jährlichen Zentralbanker-Treffens in Jackson Hole vor die Mikrofone. Aber anstatt eine Konjunkturstütze der mächtigen Notenbank anzukündigen, vertröstete er die Märkte: Die Zentralbank stehe bereit, die US-Konjunktur wenn nötig zu stützen. Aber entschieden werde darüber erst Ende September. Am 20. und 21. September tagt der Offenmarktausschuss, das oberste Gremium der US-Notenbank.

Die Konferenz von Jackson Hole ist legendär. In dem idyllischen Ferienort in den Rocky Mountains beraten jedes Jahr Zentralbanker und hochkarätige Ökonomen. Im Vorfeld der diesjährigen Konferenz war darüber spekuliert worden, ob Bernanke ankündigen würde, die Finanzwirtschaft erneut mit Milliarden von Dollars zu fluten. Die US-Wirtschaft erholt sich weit langsamer als erwartet von der Finanzkrise und kämpft weiterhin mit einer historisch hohen Arbeitslosigkeit von gut neun Prozent. In den vergangenen Wochen hat die Sorge, dass die US-Wirtschaft erneut in eine Rezession zurückfallen könnte, die Kurse an den weltweiten Aktienbörsen einbrechen lassen.

Bernanke bleibt vage

Die Finanzmärkte hatten deshalb auf ein Signal Bernankes gewartet. Beispielsweise könnte die Fed erneut die Notenpresse anwerfen, um amerikanische Staatsanleihen aufzukaufen. Bernankes Erklärung blieb da allerdings vage: „Es ist offensichtlich, dass die Erholung von der Finanzkrise weit weniger robust war, als wir gehofft hatten”, sagte Bernanke. Die US-Notenbank verfüge über eine Reihe von Instrumenten, um die Konjunktur zu stärken, und sie sei „bereit, sie einzusetzen, wenn es angemessen ist, um eine stärkere wirtschaftliche Erholung zu fördern“. Konkreter wurde Bernanke allerdings nicht.

Bereits im Vorfeld hatten amerikanische Zentralbanker versucht, die Erwartungen der Märkte zu dämpfen. „Ben Bernanke ist nicht die Zahnfee“, sagte Richard Fisher, der Präsident der Zentralbank in Dallas. „Es ist nicht sein Job, Geschenke unter Kopfkissen zu schieben und Wünsche zu erfüllen, die kaum erfüllbar sind.“

Trotzdem reagierten die Börsen enttäuscht auf die Ankündigung. Einige Marktteilnehmer hatten offenbar doch konkretere Pläne erwartet. In den Minuten nach Bekanntwerden von Bernankes Botschaft fiel der US-Börsenindex Dow Jones um 4,2 Prozent, erholte sich anschließend aber wieder und landete zumindest zwischenzeitlich sogar im Plus. Auch der Ölpreis sank, denn wenn die US-Konjunktur schlecht läuft, wird weniger davon verbraucht. In Frankfurt beendete der Dax den Tag mit Verlust.

Im vergangenen Jahr hatte Fed-Chef Bernanke das Treffen in Jackson Hole genutzt, um massive Anleihenkäufe der US-Zentralbank anzukündigen. Es war bereits das zweite Mal, dass die Notenbank in großem Umfang Geld in das Finanzsystem gespült hatte. Diese zweite sogenannte Quantitative Lockerung hatte aber bereits nicht mehr den gewünschten Effekt. Trotz der vielen zusätzlichen Milliarden gab es keinen dauerhaften Aufschwung. Das Geld blieb offenbar im Finanzsystem, anstatt in billige Kredite und Investitionen zu fließen.

Schwache US-Konjunkturdaten

Die letzten Konjunkturdaten aus der US-Wirtschaft hatten wenige Stunden vor der Rede erneut illustriert, wie fragil der Aufschwung der größten Volkswirtschaft der Welt weiterhin ist. Die Wirtschaft ist im zweiten Quartal noch langsamer gewachsen als ohnehin geschätzt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte nur um ein Prozent zu, zuvor war das US-Handelsministerium noch von 1,3 Prozent Wachstum ausgegangen. Ein Prozent Wachstum ist allerdings für die US-Wirtschaft unterdurchschnittlich und genügt nicht, um die im historischen Vergleich sehr hohe Arbeitslosigkeit zu senken.

Der erfolgsverwöhnten Volkswirtschaft machen gewaltige strukturelle Probleme zu schaffen: Der Immobilienmarkt ist zusammengebrochen, die Finanzwirtschaft schrumpft, und die Unternehmen hängen immer noch zu sehr vom Binnenkonsum ab – fatal in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit. Inzwischen wird in den US-Medien darüber diskutiert, ob es zu einer erneuten Rezession kommt, zum gefürchteten Double Dip. Die revidierten Wachstumszahlen verschärfen diese Angst. Zumal in den vergangenen Wochen weitere wichtige Frühindikatoren signalisiert hatten, dass die amerikanische Volkswirtschaft weiterhin nur langsam wächst.