Drei Szenarien

Wie Air Berlin die Bruchlandung vermeidet

Flugzeugverkauf, Kapitalerhöhung, Übernahme? Was ist dran an den Optionen des neuen Air-Berlin-Chefs Hartmut Mehdorn, um die Fluggesellschaft wieder in die schwarzen Zahlen zu steuern?

Auf den neuen Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn wartet ein ganzes Stückt Arbeit. Vergangene Woche kündigte Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft angesichts anhaltender Verluste die Stilllegung von Strecken an. Doch bezweifeln Analysten, ob das reicht. Denn die Probleme gehen tief. In den vergangenen drei Jahren wurde unter dem Strich kein einziges Mal ein Überschuss erzielt. Welche Optionen hat Mehdorn also, um den Lufthansa -Rivalen wieder in die schwarzen Zahlen zu steuern?

1) FLUGZEUGE VERKAUFEN

Air Berlin wuchs in den vergangenen Jahren rapide. Unter Leitung von Ex-Konzernchef und -Gründer Joachim Hunold wurden zwischen 2006 und 2009 etwa eine halbe Milliarde Euro für Übernahme ausgeben (DBA, LTU und Niki).

Vor einer Woche läutete Hunold als eine seiner letzten Amtshandlungen einen Schrumpfkurs ein: Die Flotte wird um acht Maschinen verkleinert. Die Möglichkeiten für eine weitere Reduktion sind begrenzt, da Air Berlin 134 seiner 168 Maschinen least. Und das Problem ist noch größer, da in den Jahren der Expansion fleißig neue Flugzeuge bestellt worden waren: insgesamt 55 Boeing 737-Kleinjets und 15 der brandneuen Langstreckenflieger Dreamliner. Die rollen nun nach und nach in die Hangars. „Nach unserer Ansicht hat Air Berlin gute Chancen, die Auslieferung der 737-Jets zu strecken, ohne eine Strafzahlung leisten zu müssen“, sagte BHF-Analyst Nils Machemehl. Denn im Gegenzug könnte die Fluggesellschaft Boeing einen Teil der Zahlungen erlassen, die ihr zustehen, weil die Amerikaner wegen massiver Entwicklungsprobleme beim Dreamliner 787 mit der Produktion nicht hinterherkommen.

Eine weitere Option: Air Berlin verkauft ihre fabrikneuen Dreamliner sofort nach der Auslieferung weiter. Die Warteliste für das Flugzeug ist sehr lang.

2) KAPITALERHÖHUNG

Neben der Verkleinerung der Flotte muss Mehdorn auch die künftige Finanzierung der angeschlagenen Airline auf sichere Beine stellen. Im ersten Halbjahr stieg der Schuldenstand von Air Berlin um 26 Prozent auf 616 Millionen Euro. Die Kosten für neue Flugzeuge sorgen dafür, dass die Kapitaldecke immer dünner wird. Das sei ein klares Warnsignal für Investoren, sagte Robert Czerwensky, Analyst bei der DZ Bank. Da im April 2012 auch noch eine Anleihe über 130 Millionen Euro fällig werde, müsse Mehdorn auch in Betracht ziehen, sich per Kapitalerhöhung frisches Geld zu besorgen, schreiben die Experten der Credit Suisse.

3) ÜBERNAHME

Falls die Maßnahmen nicht greifen, bleibt dem ehemaligen Bahn -Chef noch der Verkauf als letzte Option. Ein möglicher Käufer wäre die aus der Fusion von British Airways und Iberia entstandene International Airlines Group , sagte Saj Ahmad von der Luftfahrt-Beratung FBE Aerospace. Die beiden Fluglinien führen die Airline-Allianz Oneworld an, der Air Berlin im kommenden Jahr beitreten will.

Einem anderen Brancheninsider zufolge könnten auch aufstrebende Fluglinien aus dem Mittleren Osten wie Etihad oder Qatar Airways nach Air Berlin greifen. Eilig dürften sie es aber nicht haben und erst die Restrukturierung des Geschäfts abwarten. „Ich könnte mir vorstellen, dass ein Investor sagt: Bevor wir euch kaufen, müsst ihr erst eure Hausaufgaben machen.“