Schönefeld

Air Berlin steigt am Flughafen BER ganz groß ein

Die Fluggesellschaft Air Berlin will am künftigen Hauptstadtflughafen in Schönefeld gleich zehn Flugsteige an zwei Terminals exklusiv nutzen. "Bis zum Jahr 2020 wollen wir von und nach Berlin jährlich 12 bis 13 Millionen Passagiere befördern", sagte der Vorstandsvorsitzende Hartmut Mehdorn außerdem am Montag.

Foto: dpa / dpa/DPA

Air Berlin sieht mit dem neuen Hauptstadtflughafen eine gute Ausgangslage, um sein Drehkreuz in Berlin auszubauen. Der Sommerflugplan 2012 werde „ein erster großer Schritt der Internationalisierung“ sein, sagte Vorstandschef Hartmut Mehdorn am Montag im künftigen Terminal des Flughafens Berlin Brandenburg. Der Flughafen soll am 3. Juni 2012 in Schönefeld eröffnet werden. Täglich würden dort dann sechsmal täglich bis zu 27 Air-Berlin-Maschinen landen und starten. Für Umsteiger seien die Wege im neuen Abfertigungsgebäude kurz, sagte Flughafenchef Rainer Schwarz.

Air Berlin wird beim neuen Airport zehn Flugsteige an zwei Terminal-Stegen exklusiv nutzen. Mehdorn sprach von einer „einmaligen Chance“, die sich für sein Unternehmen biete. „Das ist unser Home-Flughafen.“ Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft werde vom kommenden Sommer an 70 Ziele nonstop anfliegen. Marktführer Lufthansa hatte vorige Woche angekündigt, von Berlin ab Sommer 38 Ziele in Deutschland, Europa und Nahost anzufliegen. Derzeit sind es 23.

Im kommenden Frühjahr will Air Berlin Mitglied der Luftfahrtallianz Oneworld werden. Mehdorn verspricht sich davon vor allem Wachstum auf den Langstrecken. Bislang bietet Air Berlin sieben Ziele in Übersee an, vier in Amerika (New York, Miami, Punta Cana, Varadero) und drei in Asien (Dubai, Bangkok, Phuket). Im Mai kommt Los Angeles hinzu, das dreimal wöchentlich ab Berlin angeflogen wird.

In diesem Jahr dürfte die Fluggesellschaft über die derzeitigen Flughäfen Tegel und Schönefeld rund acht Millionen Passagiere befördern – viermal mehr als im Jahr 2006.

Mehdorn und Wowereit – Alte Gegner zum Erfolg verdammt

Sein erster öffentlicher Auftritt als Air-Berlin-Chef führte Hartmut Mehdorn dabei gleich mit einem Intimfeind aus alten Tagen zusammen. Denn dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist er eigentlich herzlich abgeneigt.

Beide schenkten sich nichts, als Mehdorn noch Bahnchef war. Doch der neue Flughafen Berlin Brandenburg schweißt die beiden notgedrungen zusammen. Denn nur wenn Air Berlin in den nächsten Jahren erfolgreich ist, wird auch der neue Hauptstadtflughafen in Schönefeld wie gewünscht wachsen.

Schon jetzt beträgt der Marktanteil von Air Berlin auf den derzeitigen Flughäfen Tegel und Schönefeld zusammen rund ein Drittel. Rund acht Millionen von insgesamt 23 Millionen Passagieren steuert die Airline dieses Jahr bei. Die beiden Airports werden Mitte 2012 durch den neuen ersetzt – dann dürfte das Gewicht der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft dort noch wachsen.

Schließlich will Air Berlin ein richtiges Drehkreuz aufbauen, das bislang in Tegel nur ansatzweise erkennbar ist. „Das ist unser Home-Flughafen“, sagte Mehdorn auf der staubigen Terminal-Baustelle. Erst Anfang September hatte er in schwieriger Zeit die Leitung des Unternehmens von Joachim Hunold übernommen.

Quartal für Quartal schrieb das Unternehmen zuletzt rote Zahlen. Mitte des Jahres war der Schuldenberg auf 616 Millionen Euro gewachsen, bei nur noch 308 Millionen Euro Eigenkapital. Eine Anleihe über 100 Millionen Euro konnte gerade erst nur mit einem Spitzenzins von 11,5 Prozent platziert werden.

Der Sommerflugplan 2012 am neuen Willy-Brandt-Flughafen sei schon der „erste große Schritt der Internationalisierung“, sagte Mehdorn. Das Neue daran war jedoch bereits bekannt – etwa die Verbindung nach Los Angeles (ab Mai) und der tägliche Flug nach New York (bislang dreimal wöchentlich).

Wowereit deutete an, dass er sich noch ein bisschen mehr erwarte, gerade was die Direktverbindungen nach Amerika angehe. Chicago fehle zum Beispiel noch auf der Liste. Bislang hat Air Berlin sieben Fernziele im Flugplan, vier in Amerika und drei in Asien. Hoffnung auf mehr verbindet Mehdorn mit der Mitgliedschaft in der Luftfahrtallianz Oneworld im kommenden Frühjahr. Dem internationalen Bündnis gehören zwölf Mitglieder an, darunter American Airlines, Japan Airlines und Qantas.

Allein der Name sei schon „ein wahnsinniger Werbeträger für die Hauptstadtregion“, sagte Wowereit, der Vorsitzender des Flughafen-Aufsichtsrats ist, über die Rolle von Air Berlin. „Ein großes Kompliment und Dankeschön“ sprach er Hunold und Mehdorn für ihr Engagement aus.

Selbstverständlich war das nicht, lag er doch mit dem Bahn-Vorstandschef Mehdorn über Kreuz. Heftig beschimpfte Wowereit Mehdorn, weil der 2005 mit dem Gedanken spielte, die Bahnzentrale von Berlin nach Hamburg zu verlegen. Krach gab es auch um den Flughafen Tempelhof, den Mehdorn gerne offen gehalten hätte, und um des Bahnchefs Lieblingsprojekt Börsengang, das Wowereit 2008 verhindern wollte – was dank der Finanzmarktkrise auch gelang. In der Datenaffäre der Deutschen Bahn forderte Wowereit offen den Rücktritt Mehdorns. Kurz darauf gab der sein Amt tatsächlich auf.

All das schien an diesem Montag vergessen. Nur in einem Punkt waren sich die beiden nicht ganz einig. Auf die Frage, wie sicher der Eröffnungstermin am 3. Juni 2012 sei, sagte Wowereit, das sei „in der Tat immer noch ein ambitioniertes Ziel“. Mehdorn wischte alle Bedenken beiseite: „Der Countdown ist unter Kontrolle.“