Absatzflaute bei Heineken

Bürger in EU-Pleiteländern trinken weniger Bier

Die Geschäfte von Europas größtem Bierbrauer laufen schlecht. Der Grund: In der Krise haben die Europäer keine Lust auf Bier.

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Europäer und Amerikaner gönnen sich wegen der Sorgen um ihre Zukunft immer seltener ein Bier und lassen damit Katerstimmung bei Heineken aufkommen. Das weltweit drittgrößte Brauhaus blieb mit einem bereinigten Gewinn von 694 Millionen Euro im ersten Halbjahr hinter den Markterwartungen zurück und rechnet auch in den kommenden Monaten mit schleppenden Geschäften.

„Der Absatz wird in Teilen Europas und den USA wegen der Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung, hoher Arbeitslosigkeit und geringem Verbrauchervertrauen schwierig blieben“, warnten die Niederländer. Heineken-Aktien brachen daraufhin zeitweise um 16 Prozent auf 30,40 Euro ein – der tiefste Stand seit fast zwei Jahren.

Heineken ist der größte europäische Brauer und leidet deshalb stark darunter, dass besonders die Bürger in den Euro-Schuldenstaaten seltener zum Bier greifen. Das Unternehmen ist Marktführer in Griechenland und in Italien und die Nummer zwei in Irland, Portugal und Spanien.

Zudem machte dem Konzern das durchwachsene Wetter in den Sommermonaten Juli und August zu schaffen, in denen sonst besonders viel Bier getrunken wird . Trotz einem Gewinnplus von 5,7 Prozent von Januar bis Ende Juni geht Heineken deshalb im Gesamtjahr nun nur von einer Stagnation des bereinigten Überschusses aus.

Verluste schockieren Experten

Die meisten Experten hatten Heineken 2011 bisher ein hohes einstelliges oder niedrige zweistelliges Gewinnplus zugetraut - und zeigten sich nun schockiert. „Die Ergebnisse im ersten Halbjahr sind hinter den Erwartungen zurückgeblieben und im zweiten Halbjahr wird es noch schlimmer werden“, sagte ein Analyst.

Zuletzt hatten bereits Branchenprimus Anheuser-Busch InBev und der dänische Rivale Carlsberg wegen schwachen Geschäften in den USA und Russland vor einem schwierigen zweiten Halbjahr gewarnt.

Große Hoffnungen setzt Heineken auf die boomenden Märkte in Südamerika, Asien und Afrika, die die schwache Entwicklung in Europa und den USA bisher allerdings nicht ausgleichen können.

Auch der britische SABMiller -Konzern, der gerade für rund sieben Milliarden Euro den australischen Konkurrenten Foster's kaufen will, sieht in den Schwellenländern in nächsten Jahren die größten Wachstumschanchen.