Stone Brewing Co.

Kalifornier suchen eine Brauerei in Berlin

Ein US-Amerikanisches Unternehmen will ein starkes Bier für Europa produzieren, am liebsten an der Spree. Und ein historisches Gebäude als Produktionsort gibt es auch schon.

Foto: John Schulz Photography / John Schulz Photography/© John Schulz Photography 2010.

Berliner Bierfreunde können sich freuen. Die Hauptstadt wird als möglicher Standort gehandelt für die europäischen Aktivitäten einer Brauerei aus Kalifornien, die sich dem kräftigen und intensiven Qualitätsbier verschrieben hat. Ein Bier, das weitaus bitterer und stärker ist als bislang in Deutschland üblich. Der Mitbegründer und Geschäftsführer der erfolgreichen und in den USA expandierenden Stone Brewing Co. bestätigte Morgenpost Online entsprechende Pläne. „Wir haben bereits einen möglichen Ort an der Spree im Fokus, der für Produktion und Verköstigung unserer Biere sehr gut geeignet wäre“, sagt Greg Koch.

Der amerikanische Unternehmer hat dabei nicht nur den Berliner, sondern vielmehr auch den europäischen Markt im Sinn. „Es hat für uns keinen Sinn, ein Frischeprodukt wie Bier über den langen Weg des Ozeans zu schiffen, da produzieren wir lieber gleich selbst in Europa und vertreiben unser Produkt von dort aus“, begründet Koch die Idee, sich in „good old Europe“ anzusiedeln. Und der Amerikaner ergänzt: „Der Standort Berlin wäre fantastisch.“ Da die Verhandlungen derzeit noch laufen, wollte Koch sich jedoch noch nicht konkret zum möglichen Ort des Geschehens in Berlin äußern. Nur so viel: „Wir sind an einem bestimmten historischen Gebäude interessiert, das wir sanieren und ausbauen wollen.“ Der Raumbedarf beläuft sich zunächst auf 2000 Quadratmeter Nutzfläche für eine Jahresproduktion von zu 55.000 Hektolitern. Man rechne in etwa vier Wochen mit einer definitiven Entscheidung für oder gegen die Ansiedlung in Berlin. „Wir könnten dann 2012 mit dem Brauen beginnen“, so Koch.

„Eine wundervolle Stadt“

Berlin ist zwar nur einer der zahlreichen möglichen Standorte für die Europa-Pläne der Kalifornier, steht aber auf der Wunschliste der Amerikaner ganz oben. Dabei scheint auch das weltweit positive Image der Spreemetropole ein wesentliches Argument zu sein. „Berlin ist eine wundervolle und vor allem äußerst progressive Stadt“, sagt Koch, dessen Mitarbeiter in den vergangenen Monaten viele Städte in neun europäischen Ländern besucht haben. Koch selbst war zuletzt Anfang Juli in Berlin, wo er sich nach Vermittlung durch den Bürgermeister des südkalifornischen San Diego, Jerry Sander, zum Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) traf. „Die Begegnung mit Wowereit war sehr positiv, er versprach, uns zu unterstützen, so weit er das kann“, berichtet Koch von dem Treffen in Berlin. In der Senatskanzlei hingegen gibt man sich weitaus zurückhaltender. „Natürlich unterstützen wir jede Ansiedlung in Berlin“, sagt Senatssprecher Richard Meng. Auf Nachfrage zur Einschätzung oder auch Unterstützung der Pläne der Amerikaner antwortet Meng jedoch nur knapp: „Dazu sagen wir nichts.“

Dabei ist das Bestreben des kalifornischen Unternehmens keine Geheimaktion, sondern zumindest in der Bierkenner-Szene durchaus bekannt. Und wird dort auch begrüßt: „Diese Brauerei produziert keine Massenware, sondern spielt in der ersten Liga der qualitätsvollen und innovativen Biere ganz vorne mit“, sagt beispielsweise Rainer Wallisser. Der gelernte Weinküfer hat sich unterdessen neben Weinen auch den raren und besonderen Bieren außerhalb der Massenproduktion verschrieben und bietet diese in seinem Laden WeinKultur in Moabit an. 85 Prozent der Biere in Amerika seien zwar Massenware, die anderen 15 Prozent dagegen aber äußerst hochwertig. Rainer Wallisser spricht von einem wahren Boom dieser Biere, zu denen auch die Produkte der Stone Brewing Co. zählen.

So startete das Unternehmen bei seiner Gründung vor 15 Jahren gerade mal mit einer Handvoll Mitarbeitern. Heute zählt die Firma rund 400 Beschäftigte. An seinem Stammsitz nahe der kalifornischen Stadt San Diego ist die Brauerei zudem Touristenattraktion, was auch der dortige Bürgermeister schätzt.

In Berlin planen die Kalifornier eine Kombination aus Produktion und Ausschank. Denn die Frische spielt bei den nicht ganz billigen Bieren eine große Rolle – für eine 0,6-Liter-Flasche zahlt man in den Staaten fast vier Dollar. Mit einer Haltbarkeit von drei bis vier Monaten wird Stone-Brewing-Bier in den Vereinigten Staaten nicht nur als Flaschenbier, sondern auch frisch abgefüllt verkauft.

Stone Brewing will in der neuen Brauerei mit etwa 15 Beschäftigten erst einmal klein anfangen, hat dann aber durchaus Größeres im Sinn. „Wir wollen langsam und natürlich wachsen“, sagt Koch. Dabei zeigt sich der zielstrebige Unternehmer vom Rückgang des Bierkonsums in Deutschland unbeeindruckt. Laut Statistischem Bundesamt sank der Bierverbrauch der Deutschen im vergangenen Jahr um 1,8 Millionen auf 86,1 Millionen Hektoliter. Das entspricht einem jährlichen Verbrauch von 121,4 Litern Bier je potenziellen Biertrinker. Dazu werden Personen im Alter von 15 Jahren und älter gerechnet.

Kräftig und bitter

„Wir machen kein Bier, das den Massengeschmack trifft, der in Deutschland eher leichten und nicht so intensiven Bieren entspricht“, sagt Koch. Der Unternehmer betont: „Unsere Biere sind kräftig, bitter und jenseits des Geschmacks der meisten Menschen. Wir wissen, dass viele unser Bier nicht mögen, aber es gibt eine Gruppe von Leuten, die es schätzt, und für die produzieren wir“, sagt der Unternehmer. Viele würden ihn deshalb auch für verrückt halten, gibt sich der selbstbewusste Amerikaner äußerst selbstkritisch. Ganz so falsch aber kann Koch dann doch nicht liegen. Sein Erfolg in den USA gibt ihm jedenfalls recht.