Währungskrise

Italien wird zum großen Euro-Wackelkandidaten

Anleger misstrauen Italiens Staatschef Berlusconi, Zinsen klettern auf neue Rekorde. Auch Spanien rückt immer stärker in den Fokus der Märkte.

Italien und Spanien geraten immer stärker in den Strudel der Schuldenkrise . Madrid und Rom mussten für die Aufnahme neuer Schulden so hohe Zinsen zahlen wie seit 1997 nicht mehr. Dies mehrte Befürchtungen, die beiden Schwergewichte der Euro-Zone könnten unter der Zinslast zusammenbrechen – und Hilfe ihrer europäischen Partner benötigen.

Besonders Italien musste Investoren für frisches Geld zuletzt immer höhere Zinsen bieten. Dies gilt als Signal, dass das Land Spanien als größten Wackelkandidaten der Euro-Zone ablösen könnte. Anders als bei Griechenland wäre eine Rettungsaktion für Italien kaum zu finanzieren.

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion ist mit 1,9 Billionen Euro der drittgrößte Schuldner der Welt. „Sachlich gibt es überhaupt keinen Grund, Italien anzuzweifeln. Das Land hat einen ambitionierten Sparplan vorgelegt“, sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Investoren fürchten aber offenbar einen weltweiten Wirtschaftsabschwung.

Zuletzt war insbesondere in den USA die Konjunktur ins Stottern geraten. Ein Abschwung würde die kriselnden Euro-Staaten wie Italien besonders hart treffen. Um über die Marktturbulenzen zu beraten, berief Italiens Wirtschaftsminister Giulio Tremonti das nationale Finanzstabilitätskomitee zu einer Krisensitzung ein.

Ministerpräsident Silvio Berlusconi will sich am Mittwoch erstmals seit Längerem wieder zur Wirtschaftslage des Landes im Parlament äußern. Die EU-Kommission stärkte Italien und Spanien den Rücken. Beide Länder seien auf dem richtigen Weg, sagte eine Sprecherin: „Wir haben Vertrauen in ihre Fähigkeiten.“

Die Unruhe dürfte mit dem Euro-Sondergipfel zusammenhängen. Dort beschlossen die Regierungschefs, dass künftig der Rettungsschirm EFSF anstelle der Zentralbank in Krisen eingreifen solle . „Investoren fürchten, dass die Finanzkraft des EFSF nicht ausreicht“, sagt Schmieding. Dennis Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, glaubt, die Krise könne „leicht überwunden“ werden. „Dafür muss jedes Land eine Regel einführen, die die Schulden langfristig zurückfährt.“