Börsen und Märkte

Keine Panik - Der Dax erholt sich ein wenig

Zum Mittag lag der deutsche Leitindex leicht im Plus - aber deutlich unter 6000 Punkten. Der Dax war stark gestartet, auch weil es an Asiens Börsen dann doch nicht so ruppig zugegangen war, wie befürchtet.

Nach elftägiger Talfahrt hat der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag erneut zur Erholung angesetzt. Der Leitindex Dax startete mit Gewinnen in den Handel und lag bis zum Mittag mit mehr als 2 Prozent bei 5736 Punkten im Plus, verlor dann aber wieder und sank unter 5700 Punkte, blieb aber leicht im Plus.. Am Mittwoch hatten Gerüchte über eine angebliche Abstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs die Kurse rund um den Globus wieder in den Keller geschickt und erste Erholungsversuche des Dax jäh beendet. Trotz des neuerlichen Kursrutsches an den US-Börsen und in Europa hielt sich das Minus an der Börse in Tokio am Donnerstag dann aber in Grenzen. Auch die am Vortag arg gebeutelten Kurse französischer Großbanken erholten sich am Vormittag.

„Der Markt wollte schon am Vortag nach oben und ist an unrealistischen Gerüchten noch mal gescheitert. Nun sind die Sorgen nicht eingetreten und es wird ein erneuter Anlauf für eine Reaktion auf die jüngste Talfahrt genommen“, sagte Analyst Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel. Der am Vorabend gescheiterte Erholungsversuch zeige aber auch, wie nervös der nun abwärts tendierende Markt sei und wie brüchig die Versuche einer Stabilisierung wirkten.

Im Zuge der weltweiten Kurseinbrüche wegen der Schuldenkrisen in Europa und den USA hatte der deutsche Leitindex die vergangenen elf Handelstage in Folge im Minus geschlossen und in der Spitze fast 25 Prozent an Wert verloren.

Am deutschen Aktienmarkt gilt es am Donnerstag auch, eine erneute Zahlenflut vor allem aus dem MDax und TecDax zu verarbeiten. Dann dürften am Nachmittag die Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe sowie die Handelsbilanz der USA für Aufmerksamkeit sorgen. Der MDax gewann zuletzt 2,88 Prozent auf 8778,21 Punkte, der TecDax stieg um 3,62 Prozent auf 715,32 Punkte.

Im Dax legte K+S seine Quartalszahlen vor, die vom Verkauf der Sparte Compo geprägt sind und von Händlern in ihren ersten Einschätzungen unterschiedlich bewertet wurden. Die Aktien des Düngemittel- und Salzproduzenten rutschten am Dax-Ende als einziger Verlierer um 4,36 Prozent ab. Spitzenreiter war Heidelbergcement mit einem Plus von 6,85 Prozent.

Nach den drastischen Kursstürzen vom Vortag erholten sich auch die Aktienkurse der französischen Großbanken am Vormittag. Die Papiere der Société Générale stiegen kurz nach Handelsstart um rund 8 Prozent. Am Mittwoch hatten sie zeitweise mehr als 20 Prozent ihres Werts verloren und lagen zum Börsenschluss noch mit 14,7 Prozent im Minus. Die Aktien der BNP Paribas legten am Vormittag um rund zwei Prozent zu, die der Crédit Agricole um acht Prozent. Beide Institute hatten am Vortag ebenfalls empfindliche Kursverluste von 10 beziehungsweise mehr als 13 Prozent (Crédit Agricole) hinnehmen müssen.

Als Ursache der Abstürze hatten Analysten unter anderem später dementierte Gerüchte über eine möglicherweise bevorstehende Herabstufung der französischen Kreditwürdigkeit sowie das starke Engagement der Pariser Großbanken in Griechenland genannt.

An den asiatischen Aktienmärkten blieb die Lage nach den teils massiven Verlusten in Europa und an der Wall Street ruhig. An den meisten Märkten gingen die Aktien zwar nach unten, doch die zu Handelsbeginn teils deutlichen Verluste konnten eingedämmt werden. Der japanische Leitindex Nikkei 225 beendete den Handel mit einem leichten Minus von 0,63 Prozent, nachdem er zu Beginn noch mehr als 2,3 Prozent gefallen war. Der die wichtigsten asiatischen Märkte umfassende MSCI Asia Apex 50 fiel bis 8.00 Uhr um 0,26 Prozent auf 759,47 Punkte – einige Börsen wie die in Seoul und Shanghai lagen dabei sogar im Plus.

Händler führten die vergleichsweise geringen Verluste an den asiatischen Märkten zum Teil darauf zurück, dass das Minus in Europa und den Vereinigten Staaten nach den Gerüchten über eine mögliche Abstufung Frankreichs und den möglichen Problemen bei Banken in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone übertrieben gewesen seien. „Zudem legen die meisten Unternehmen weiter gute Zahlen vor, so dass von dieser Seite Unterstützung kommt“, sagte ein Händler in Tokio. Sorgen bereite jedoch weiter der anhaltende Yen-Höhenflug, der die ohnehin angeschlagene japanische Wirtschaft belastet.

Der Dollar rutschte am Donnerstag wieder in Richtung 76 Yen und näherte sich damit historischen Tiefstständen. Viele Experten gehen davon aus, dass die japanische Regierung deshalb bald wieder am Devisenmarkt eingreifen wird. Zuletzt hatte sie das vergangene Woche getan – der Effekt verpuffte allerdings unter anderem wegen der Abstufung der Vereinigten Staaten durch S&P wieder rasch. Die Flucht aus dem Dollar und dem Euro sowie die fallenden Aktienkursen sorgten in der Nacht zum Donnerstag für ein neues Rekordhoch beim Gold. Der Goldpreis stieg dabei erstmals über 1800 Dollar, fiel aber in der Folge wieder leicht zurück.

In Tokio, der wichtigsten Börse in Asien, fiel der Nikkei 225 um 0,63 Prozent auf 8981,94 Punkte. Er rutschte damit zwar wieder leicht unter die Marke von 9000 Punkten, schloss aber deutlich über dem Tagestief von 8832 Zählern. Vor dem Beginn des weltweiten Kursrutsches an den Aktienmärkten hatte der Nikkei noch über der Marke von 10.000 Zählern gestanden.