Solarzellenhersteller in der Krise

Solon schließt Werke und streicht Stellen

Wegen finanzieller Schwierigkeiten beginnt Berlins größter Solarmodulhersteller mit den Verhandlungen über Personalabbau. Außerdem sollen Standorte geschlossen werden.

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Der angeschlagene Berliner Solarhersteller Solon will mit Personalabbau und Schließung von Fertigungsstandorten wieder in die Spur kommen. Vorstandschef Stefan Säuberlich sagte Morgenpost Online, dass die Werke in den USA und Italien wahrscheinlich aufgegeben werden. Zum Umfang des Personalabbaus wollte Säuberlich keine Angaben machen. „Wir beginnen demnächst Gespräche mit dem Betriebsrat“, sagte Säuberlich.

Berlins größtes Solarunternehmen steckt derzeit in einer tiefen Krise. Wie berichtet, muss bis Jahresende eine Übereinkunft mit den Banken über einen Kredit in Höhe von 275 Millionen Euro erzielt werden. Dabei geht es auch um die Frage, ob Solon Unterstützung von der öffentlichen Hand erhält. Vor rund anderthalb Jahren bürgten der Bund sowie die Länder Berlin und Mecklenburg-Vorpommern für 146 Millionen Euro der Kreditsumme. Derzeit verhandelt das Unternehmen mit Bürgen, sowie den Kreditgebern unter der Führung der Deutschen Bank.

Acht Prozent weniger Umsatz

Solon leidet sowohl unter hohen Schulden als auch unter einer schwachen Nachfrage nach Sonnenstrom-Modulen. Vor drei Wochen schockte das Unternehmen mit einer Gewinnwarnung. Gestern wurden die Halbjahreszahlen vorgelegt. Sie zeigen, dass das Geschäft äußerst schlecht läuft. In den ersten sechs Monaten des Jahres erzielte Solon einen Umsatz von knapp 222 Millionen Euro – acht Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Diese Umsätze wurden verlustreich erzielt. Der operative Verlust betrug 32,7 Millionen Euro, das Konzernergebnis minus 63,1 Millionen Euro.

„Wir müssen unsere Fixkosten ganz deutlich reduzieren. Dabei schauen wir uns ganz intensiv die Produktionsstandorte an“, sagte Vorstandschef Säuberlich. Es läuft dabei wohl auf eine Schließung der Produktion in Italien und den USA hinaus, wo rund 200 Menschen für Solon arbeiten. Das größte Werk in Greifswald wird ohnehin schon von einer Fremdfirma betrieben, die als Auftragsfertiger für Solon agiert. Dort arbeiten vor allem Zeitarbeiter.

Auftragsflaute

In Berlin sind im Bereich Fertigung rund 125 Menschen beschäftigt. Hier werden jedoch nur kleine Stückzahlen produziert. Schwerpunkt ist die Entwicklung zur Serienreife. Säuberlich zufolge soll in der Berliner Produktion kein Personalabbau erfolgen. „In Berlin werden wir immer Entwicklung und eine kleine Produktion haben“, so Säuberlich. Allerdings gibt es im Berliner Werk wegen der Auftragsflaute nicht genug zu tun. Wie zu hören ist, hat das Unternehmen die Mitarbeiter der Produktion für fünf Tage bei vollen Bezügen nach Hause geschickt. Viel Geld verdienen die Mitarbeiter in der Produktion laut IG Metall ohnehin nicht. Das Grundgehalt liegt bei 1740 Euro brutto im Monat. Solon ist nicht tarifgebunden. Ein größerer Personalabbau droht wohl in Verwaltung und Vertrieb. Insgesamt arbeiten in der Adlershofer Unternehmenszentrale rund 450 Menschen.

Der Schrumpfkurs von Solon soll dem Unternehmen das Überleben sichern. Derzeit sind alle Kapazitäten für einen Jahresumsatz von gut einer Milliarde Euro ausgerichtet. Erwartet wird für 2011 jedoch gerade einmal die Hälfe. Solon wird derzeit von den Sanierungsspezialisten der Unternehmensberatung Alvarez & Marsal durchleuchtet. Sie helfen Säuberlich dabei, ein Konzept zu erarbeiten, mit dem Solon am Markt bestehen kann. Denn nur dann lassen sich auch die Gläubiger überzeugen. Derzeit läuft alles darauf hinaus, dass Solon zu einem Nischenanbieter schrumpft. So will sich Solon komplett davon verabschieden, auf eigenes Risiko Solarkraftwerke zu errichten. Stattdessen will man das Geschäft mit Industriedächern forcieren. Dazu wurde eine Kooperation mit dem indischen Konzern Tata Stell geschlossen. Das Ziel: Unternehmen, die beispielsweise eine neue Lagerhalle brauchen, bekommen Solarmodule fürs Dach mitgeliefert.

Insolvenz droht

Mit den Banken soll bis zum Ende des Jahres eine Einigung erzielt werden. Zum Stand der Verhandlungen machte Säuberlich keine Angaben. Man sei im Plan. Ohne eine Einigung, das hat Solon bereits deutlich klar gemacht, droht dem Unternehmen die Insolvenz. Für den Industriestandort Berlin wäre das ein Rückschlag. Denn gerade der Bereich Erneuerbare Energien soll nach Vorstellung von Senat und Wirtschaftsverbänden in den kommenden Jahren stark wachsen.