Vattenfall hält das Projekt einer Stromversorgung in Deutschland mit Sonnenenergie aus der Sahara für nicht umsetzbar. Mit Blick auf die veranschlagten Kosten von 400 Milliarden Euro sagte der Chef des Energiekonzerns, Lars Josefsson, der „Financial Times Deutschland“: „Das ist verdammt viel Geld.“
Zudem wären die Transportkosten sehr hoch. „Ich halte das nicht für realistisch.“ Josefsson verwies zudem auf das Risiko terroristischer Anschläge. „Europa muss seinen Strom in Europa erzeugen“, sagte er zu dem Projekt, das unter anderem von den beiden Vattenfall-Rivalen E.on und RWE unterstützt wird.
Die Münchner Rück will zusammen mit Siemens, E.on, RWE und der Deutschen Bank im Juli ein Konsortium gründen, das die politischen und finanziellen Probleme klärt und einen Fahrplan zur Verwirklichung des Großprojekts ausarbeitet. Der Rückversicherer bekommt die Folgen des Klimawandels immer wieder durch hohe Schäden bei Naturkatastrophen wie Wirbelstürme zu spüren und sieht zugleich neue Geschäftspotenziale in erneuerbaren Energien. "Selbst die großindustrielle Nutzung der Sonnenenergie in den Wüsten Nordafrikas muss keine Utopie bleiben", erklärte das Unternehmen. Auf diese Weise ließen sich Energiesicherheit und Klimaschutz vereinen.
Beim "Desertec"-Konzept geht es um Strom aus solarthermischen Kraftwerken in Nordafrika, der über Gleichstrom-Hochspannungsnetze nach Europa transportiert werden könnte. Die "Desertec"-Idee beruht auf einer Studie, die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Auftrag des Bundesumweltministeriums erstellt hatte. Hans Müller-Steinhagen, Chef des DLR-Instituts Technische Thermodynamik in Stuttgart, sagte Morgenpost Online, die Umsetzung der Pläne sei realistisch.
Bis 2050 könne Wüstenstrom einen Anteil von 20 bis 25 Prozent an der europäischen Stromversorgung haben. Im Gegensatz zu den in Deutschland üblichen Fotovoltaik-Zellen hätten Solarthermie-Kraftwerke den Vorteil, den produzierten Dampfdruck bis zu acht Stunden speichern zu können, um ihn dann erst in die Turbinen zu leiten. Damit stehe Sonnenstrom planbar und schwankungsfrei auch nachts zur Verfügung.
AP/dpa/dgw/dma




