Schuldenobergrenze

Clinton fürchtet Investoren-Flucht aus dem Dollar

Im Schuldenstreit versucht die Außenministerin die Märkte zu beruhigen. Der Dollar allerdings fällt zum Franken auf ein Rekordtief.

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Unter dem Zeitdruck der Schuldenkrise versucht die US-Regierung, asiatische Investoren bei Laune zu halten. Außenministerin Hillary Clinton sagte in Hongkong vor Managern, sie gehe davon aus, dass der Kongress das Richtige tun und rechtzeitig eine Einigung auf eine höhere Schuldenobergrenze erreicht werde. "Ich möchte Ihnen versichern: Wir wissen, was auf dem Spiel steht", sagte Clinton.

Den Politikern läuft allerdings die Zeit davon. Nach gescheiterten Anläufen auch übers Wochenende wollen Demokraten und Republikaner ihre Verhandlungen am Montag fortsetzen, um eine Zahlungsunfähigkeit der größten Volkswirtschaft zu vermeiden. Dafür muss bis zum Dienstag in einer Woche die gesetzliche Grenze von bislang 14,3 Billionen Dollar angehoben werden.

Scheitert dies, kann die US-Bundesregierung nicht mehr ihre Rechnungen begleichen. Auf dem Spiel steht zugleich das Top-Rating "AAA" für die USA als einer der zuverlässigsten Schuldner der Welt. Präsident Barack Obama und führende Vertreter der beiden politischen Lager haben zwar nach eigenen Aussagen den Ernst der Lage erkannt, finden aber keinen Kompromiss. Die Republikaner haben die Mehrheit im Abgeordnetenhaus, die Demokraten dominieren den Senat. In beiden Kongresshäusern wird an unterschiedlichen Lösungen gearbeitet.

Der demokratische Senator Harry Reid plädiert dafür, die Schuldenobergrenze um 2,7 Billionen Dollar anzuheben und die Ausgaben gestreckt über zehn Jahre um den gleichen Betrag zu senken. Damit wäre die Regierung bis zur Präsidentenwahl im November 2012 finanziell aus dem Schneider. Der einflussreiche Republikaner John Boehner hingegen will die Schuldenobergrenze nur schrittweise erhöhen und damit das heikle Thema noch vor der Wahl wieder auf das Tapet bringen. Beide Pläne sehen offenbar keine Steuererhöhungen vor, auf die Obama bisher bestand.

China mahnt Schutz seiner Investitionen an

Der Schuldenstreit überschattet auch Clintons Besuch in Asien. "Wir wissen, wie wichtig dies für uns ist und wie wichtig es für Sie ist", sagte die US-Außenministerin vor den Managern. Vor allem China sorgt sich über die bislang ungelösten Probleme und hatte jüngst den Schutz seiner Investitionen angemahnt. Denn die Volksrepublik hält US-Staatsanleihen im Wert von mehr als einer Billion Dollar und ist damit der größte Gläubiger der US-Regierung.

Zudem beliefen sich die Dollarreserven Chinas im zweiten Quartal auf 3,2 Billionen Dollar. Ein Berater der chinesischen Zentralbank versuchte wie Clinton, die Sorgen über die Krise in den USA zu dämpfen. Die kurzfristigen Gefahren für die chinesische Wirtschaft seien gering, sagte Xia Bin, Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der chinesischen Zentralbank. "Sie werden definitiv eine Einigung erreichen."

Dollar fällt gegenüber Franken auf Rekordtief

Inwischen haben sich am Montag weitere Anleger aus dem Dollar zurückgezogen. Die Valuta markierte mit 0,8017 Franken beziehungsweise 6,4445 Yuan Rekordtiefs zur Schweizer und zur chinesischen Währung. Im Vergleich zur japanischen Währung verbuchte er mit 78,02 Yen ein Vier-Monats-Tief.

"Die USA müssen einen glaubwürdigen, langfristigen Plan zum Schuldenabbau vorlegen", betonte UBS-Devisenstratege Manuel Oliveri. Denn sonst drohe der Verlust der Top-Bonitätsnote. Damit verbunden wäre voraussichtlich ein Abfluss von Kapital der vor allem die Kurse von Franken und Yen weiter in die Höhe treiben werde.

Kathleen Brooks, Chef-Strategin bei Forex.com, wies zudem auf den Rutsch des Dollar-Index, der die Kursentwicklung zu sechs wichtigen anderen Währungen widerspiegelt, unter die charttechnisch wichtige Marke von 74 Punkten hin. Damit sei der Weg frei für einen Fall auf das bisherige Rekordtief von 70,70 Punkten vom März 2008. "Sollten die Daten zum US-Bruttoinlandsprodukt am Freitag schwach ausfallen, wäre das Gift für den Dollar."