Übernahmen

Luftfahrtgigant EADS geht in Europa auf Einkaufstour

EADS übernimmt zunehmend verschiedene Dienstleister in Europa. Der Luftfahrtkonzern lässt sich die Übernahmen Millionen kosten.

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Der europäische Rüstungs- und Luftfahrtkonzern EADS setzt die jüngste Einkaufstour mit dem Ziel fort, sich zunehmend als Serviceanbieter zu etablieren. Der Konzern kündigte bereits die Übernahme des Satelliten-Kommunikationsdienstleister Vizada vom französischen Finanzinvestor Apax Partners an. EADS möchte insgesamt 960 Millionen Dollar (667 Mio. Euro) für den Zukauf bezahlen.

Für EADS ist es bereits die vierte Akquisition in diesem Jahr – und ein weiterer Schritt auf dem Weg der Umsetzung der Strategie „Vision 2020“, mit deren Hilfe der Konzern die Abhängigkeit vom zyklischen Geschäft mit Passagierflugzeugen verringern will. Firmenchef Louis Gallois strebt an, den Anteil des Servicegeschäfts am Gesamtumsatz bis 2020 auf 25 Prozent zu verdoppeln. Der Anteil der Flugzeugbau-Tochter Airbus am Gesamtumsatz soll hingegen von 70 auf 50 Prozent sinken.

Die Umsetzung dieser Strategie geht mit einer Expansionsoffensive einher. So hatte EADS in den vergangenen zwei Monaten drei Zukäufe angekündigt oder abgeschlossen. Im Juni schloss die EADS-Sparte Eurocopter die Übernahme des kanadischen Hubschrauber-Dienstleisters Vector Aerospace für 447 Millionen Euro ab.

Darüber hinaus kündigte Airbus vergangene Woche den Kauf des US-Flugverkehrsmanagers Metron Aviation an und legte ein Übernahmeangebot für das dänische Ersatzteil- und Wartungsunternehmen Satair in Höhe von 504 Millionen Dollar (350 Millionen Euro) vor.

Anleger honorieren die Zuwächse

Experten diskutieren bereits darüber, ob EADS nicht zu hohe Preise für den Expansionskurs bezahlt. „Positiv ist, dass Vizada höhere Gewinnmargen als Astrium liefert. Negativ ist, dass dafür ein ziemlich stolzer Preis gezahlt wird“, sagt Michael Tappeiner, Analyst von Unicredit. Vizada erwartet im laufenden Jahre einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 95 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 660 Millionen Dollar.

Der Zukauf von Vizada wird von Anlegern allerdings positiv aufgenommen. Die Aktie von EADS stieg zeitweise um 1,6 Prozent. „Der Markt honoriert es, dass EADS die hohen Cash-Mittel auch einsetzt“, sagt Analyst Tappeiner. EADS hat wie viele andere Konzerne zuletzt eine hohe Nettoliquidität aufgebaut. 11 Milliarden Euro liegen in der Konzernkasse.

Vizada liefert satellitengestützte Kommunikationsdienste für die Marine, die Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie sowie internationale Organisationen. Zu den Kunden des Unternehmens gehört unter anderem die US-Regierung. Das Unternehmen war aus der Fusion von Telenor Satellite Services und France Telecom Mobile Satellite Communications entstanden.

Die Konkurrenz ist hart

Vizada wird Teil der Weltraumsparte Astrium, die unter anderem Satelliten sowie die Weltraumrakete Ariane baut. Die Sparte kämpft derzeit mit hartem Konkurrenzdruck. Im Satellitenbau gewinnen neue Hersteller an Einfluss und beim Weltraumtransport positionieren sich auch Schwellenländer wie China und Indien als Billigkonkurrenz. EADS versucht derzeit, die Kosten in der Sparte zu drücken.

EADS steht derzeit vor allem wegen des starken Flugzeuggeschäfts im zivilen Bereich hervorragend da. Die hohe Nachfrage nach Airbusmodellen hat dazu beigetragen, dass das Unternehmen den operativen Gewinn im vergangenen Quartal stärker als erwartet steigern konnte. Mit Schwierigkeiten kämpft das Unternehmen allerdings im Militärgeschäft, wo zahlreiche Regierungen die Budgets kürzen.