Arbeitskampf

Fluglotsen stimmen für unbefristeten Streik

Die Fluglotsen in Deutschland stehen mitten in der Ferienzeit vor einem unbefristeten Streik. Bei einer Urabstimmung votierten 95,8 Prozent der Mitglieder der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) für einen Arbeitskampf.

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Mitten in der Ferienzeit haben sich die Fluglotsen in Deutschland für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. Bei einer Urabstimmung votierten 95,8 Prozent der teilnehmenden Mitglieder der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) für einen Arbeitskampf, wie die GdF am Montagnachmittag in Frankfurt am Main mitteilte. Ob es tatsächlich zum Ausstand kommt, ist jedoch noch unklar, da die Arbeitgeberseite am Wochenende ein neues Angebot unterbreitete, wie der GdF-Bundesvorsitzende Michael Schäfer sagte. Das Angebot werde erst am Dienstag geprüft. Dann werde die Gewerkschaft auch endgültig entscheiden, ob es zum Arbeitskampf kommt.

Die GdF fordert für ihre bundesweit rund 5500 Mitarbeiter 6,5 Prozent mehr Lohn. Ihre etwa 2600 stimmberechtigten Mitglieder waren in den vergangenen vier Wochen zur Urabstimmung aufgerufen. Die Beteiligung lag bei 92,1 Prozent.

Doch das Votum der Fluglotsen bedeutet noch nicht, dass ein Streik bereits unausweichlich ist. Die Geschäftsführung der Deutschen Flugsicherung GmbH (DFS) kann jederzeit einseitig eine Schlichtung mit sofortiger Friedenspflicht einberufen. Ein Streik würde sich in diesem Fall um mindestens einen Monat verschieben. Der Schlichterspruch ist nicht bindend für die Tarifparteien. Ein Sprecher des bundeseigenen Unternehmens hatte am Mittag angekündigt, dass zunächst die Auszählung abgewartet werden soll.

Zudem hat die DFS am Wochenende ein neues Angebot vorgelegt. Über den Inhalt werde der Gewerkschaftsvorstand erst am Dienstag beraten, erklärte der GdF-Bundesvorsitzende Michael Schäfer. Über den genauen Inhalt des Angebotes wurde zunächst nichts bekannt. Die DFS war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Sie hatte wiederholt die Gewerkschaft aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Ein Streik hätte aus ihrer Sicht katastrophale Folgen.

In dem Tarifkonflikt geht es neben dem Gehalt von 5500 DFS-Tarifbeschäftigten vor allem um Fragen der internen Organisation der mit Personalknappheit kämpfenden Flugsicherung. Die GdF will nach Aussage ihres Tarifsekretärs Markus Siebers viele Tätigkeiten und Posten solchen Beschäftigten vorbehalten, die über lange praktische Erfahrung als Fluglotsen verfügen. Auch um Arbeitszeiten und Eingruppierungen wird gestritten. Laut Gewerkschaft haben die DFS-Fluglotsen in den vier Kontrollzentren und in den Towern der 16 internationalen Flughäfen Deutschlands - inklusive Berlin-Tegel und Berlin-schönefeld - noch nie gestreikt. Eine Urabstimmung hatte es im Jahr 2004 gegeben, ohne dass es später zum Arbeitskampf kam. Das weitere Vorgehen in Sachen Streik will die Gewerkschaft erst am Dienstag bekanntgeben.

Die Tarifmaterie ist kompliziert, wobei die Vorstellungen zur Gehaltsentwicklung gar nicht weit auseinanderliegen. Die Gewerkschaft will auch ihre Zuständigkeit auf weitere Berufsgruppen in der DFS ausdehnen und bestehende Beförderungsregelungen reformieren. Darüber hinaus wird über Arbeitszeiten, freie Tage, Überstunden, Pausen und Personalpläne gestritten. Der Großteil der etwa 1900 DFS-Fluglotsen verdient nach Arbeitgeberangaben mehr als 100.000 Euro pro Jahr.