Rund 2800 Menschen sind am Montag erneut auf die Straße gegangen, um gegen die geplante Abflugroute vom künftigen Hauptstadtflughafen BER über den Müggelsee zu demonstrieren.

Zu dem Protest, der bereits zum vierten Mal auf dem Marktplatz in Friedrichshagen stattfand, hatte die Friedrichshagener Bürgerinitiative (FBI) aufgerufen. „Wir werden am Ball bleiben“, sagte ein Sprecher der FBI am Montag. Auf dem Podium sprach der Vize-Geschäftsführer des Tourismusverein Berlin Treptow-Köpenick, Michael Diehl. „Wir sind von der Flugroutenplanung sehr, sehr betroffen, da die Existenz unserer Mitglieder bedroht ist“, sagte Diehl am Montag. „Mit Sicherheit werden die Tourismusunternehmen wie Hoteliers und Gastronomen unter der Müggelseeroute leiden, weil Gäste wegbleiben.“ Diehl sprach von einem „Skandal, den keiner verstehen kann“, wenn „das Erholungsgebiet und die Naturregion mit dem größten See und höchsten Berg der Stadt entwertet“ werden.

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Der Tourismusverein hatte bereits in der vergangenen Woche in einem offenen Brief an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), den Berliner Senat und den Bezirk Treptow-Köpenick gefordert, dass das Naherholungsgebiet Müggelsee weitestgehend vom Fluglärm entlastet werden muss. Der Protest richtet sich gegen die „Müggelseeroute“, die die Deutsche Flugsicherung am 4. Juli im Rahmen ihres Routenkonzepts für den BER in Schönefeld vorgestellt hatte. Für Flüge, die bei Ostwind von der Nordbahn nach Westen gehen, sieht die DFS die Route 25, die sogenannte Müggelseeroute, vor. Auf dieser Route fliegen nach Angaben der DFS bei Ostwind und damit an gut 100 Tagen im Jahr täglich 122 Maschinen in einer Höhe von mindestens 1150 Meter mitten über den See. Da in einer Höhe von 1500 Metern Piloten nach Erlaubnis durch die Fluglotsen die vorgegebene Route verlassen und ihr Ziel direkt ansteuern dürfen, fürchten die Anwohner überdies, dass die gesamte Müggelseeregion mit einem Fluglärmteppich überzogen wird. Denn Flugzeuge verschiedenen Typs steigen unterschiedlich schnell und könnten bereits vor dem Passieren des Müggelsees, über dem See – oder auch erst später – die 1500 Meter erreichen und dann abdrehen. Der Lärmteppich würde sich nach Angaben der Bürgerinitiative Friedrichshagen dann über die Altstadt von Köpenick, das Allende-Viertel, Friedrichshagen, Schöneweide, das Wendenschloß, Mahlsdorf, Biesdorf, Kaulsdorf und Hellersdorf erstrecken.

„Argumente überzeugen nicht“

Die Deutsche Flugsicherung hatte die Müggelseeroute mit der Entlastung von Erkner begründet, denn die Stadt im Kreis Oder-Spree wird bereits von Maschinen im Anflug auf den BER und Abflügen Richtung Osten überflogen.

Mittlerweile befürworten alle Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus, dass für die Müggelseeroute Alternativen geprüft werden müssen. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit setze sich für die Überprüfung der Route durch das Bundesamt für Flugsicherung (BAF) ein, „wenn es eine bessere Idee gibt, die weniger Menschen belastet“, sagte Senatssprecher Richard Meng am Montag. Auch werde Wowereit alle Ideen und Vorschläge „gern an die zuständigen Behörden weitergeben“. Die Bürgerinitiative hatte dies kürzlich gefordert.

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Die SPD-Fraktion will sich selbst an das BAF wenden. „Wir unterstützen die Friedrichshagener. Es kann bei der Route nicht bleiben“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Christian Gaebler, am Montag. „Wir werden uns an das BAF wenden und geltend machen, dass uns die bisherige Argumentation für die Müggelseeroute nicht überzeugt.“ Die CDU-Fraktion bereitet einen Brief an das BAF vor. „Wir stehen voll hinter der Forderung der Demonstranten, was die Überprüfung der Route betrifft“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Oliver Friederici.

Inwieweit der Protest gegen die Müggelseeroute und Vorschläge zu alternativen Routen Eingang in das derzeit laufende Genehmigungsverfahren für die Routen finden, ist offenbar strittig. Beim BAF, das die Routen derzeit prüft und später genehmigt, hieß es am Montag, dass nur das, was die Deutsche Flugsicherung vorgeschlagen und beantragt habe, berücksichtigt werde. Eingaben, Änderungsanträge oder Alternativrouten, die nach dem 4. Juli beim Bundesamt eingingen, fänden keine Berücksichtigung. Die einzige Möglichkeit, sich gegen die Routen zur Wehr zu setzen, sei eine Klage, sagte die Sprecherin des Bundesaufsichtsamts, Kerstin Weber. „Diese Möglichkeit besteht aber erst, wenn die Routen per Rechtsverordnung am 26. Januar genehmigt und im Bundesanzeiger veröffentlicht sind.“

Die Vorsitzende der Fluglärmkommission, Kathrin Schneider, widersprach den Aussagen des BAF. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das BAF Argumente, die jetzt gegen die Müggelseeroute vorgetragen werden, nicht berücksichtigt“, sagte Schneider am Montag Morgenpost Online. „Natürlich können sich die Bürgerinitiativen direkt an das BAF wenden. Auch was an Vorschlägen die Fluglärmkommission erreicht, geben wir an das BAF weiter. Die müssen die Argumente prüfen.“ Schneider kündigte an, dass die Fluglärmkommission am 29. September den Stand der Genehmigung durch das BAF erörtern wird.