Arbeitskampf

Fluglotsen wollen streiken - mitten in den Ferien

In Frankfurt wird ausgezählt: Die Urabstimmung zu einem Streik der deutschen Fluglotsen ist abgeschlossen, eine Zustimmung der Gewerkschaftsmitglieder gilt als sicher. Nun hat die Arbeitgeberseite kurzfristig ein neues Angebot vorgelegt.

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Gegen 10 Uhr wurde mit der Auszählung begonnen: In der Frankfurter Geschäftsstelle der Gewerkschaft der Fluglotsen (GdF) wurde die Wahlurne mit den Stimmen der Urabstimmung geöffnet. Laut Gewerkschaftsangaben hat sich eine übergroße Mehrheit der rund 2600 Lotsen und übrigen Tarifbeschäftigten der Deutschen Flugsicherung GmbH (DFS) an der Abstimmung beteiligt. Das Ergebnis soll am Nachmittag gegen 16 Uhr verkündet werden. Es hätten sich weit mehr als 90 Prozent beteiligt, hieß es. Eine Zustimmung der Gewerkschaftsmitglieder zu einem Arbeitskampf gilt als sicher.

Das bedeutet aber nicht, dass ein Streik bereits unausweichlich ist. Die DFS-Geschäftsführung kann jederzeit einseitig eine Schlichtung mit sofortiger Friedenspflicht einberufen. Ein Streik würde sich in diesem Fall um mindestens einen Monat verschieben. Der Schlichterspruch ist nicht bindend für die Tarifparteien. Ein Sprecher des bundeseigenen Unternehmens hat angekündigt, dass zunächst die Auszählung abgewartet werden soll.

Zudem hat die DFS am Wochenende ein neues Angebot vorgelegt. Über den Inhalt werde der Gewerkschaftsvorstand erst am Dienstag beraten, erklärte der GdF-Bundesvorsitzende Michael Schäfer. Über den genauen Inhalt des Angebotes wurde zunächst nichts bekannt. Die DFS war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Sie hatte wiederholt die Gewerkschaft aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Ein Streik hätte aus ihrer Sicht katastrophale Folgen.

In dem Tarifkonflikt geht es neben dem Gehalt von 5500 DFS-Tarifbeschäftigten vor allem um Fragen der internen Organisation der mit Personalknappheit kämpfenden Flugsicherung. Die GdF will nach Aussage ihres Tarifsekretärs Markus Siebers viele Tätigkeiten und Posten solchen Beschäftigten vorbehalten, die über lange praktische Erfahrung als Fluglotsen verfügen. Auch um Arbeitszeiten und Eingruppierungen wird gestritten. Laut Gewerkschaft haben die DFS-Fluglotsen in den vier Kontrollzentren und in den Towern der 16 internationalen Flughäfen Deutschlands - inklusive Berlin-Tegel und Berlin-schönefeld - noch nie gestreikt. Eine Urabstimmung hatte es im Jahr 2004 gegeben, ohne dass es später zum Arbeitskampf kam. Das weitere Vorgehen in Sachen Streik will die Gewerkschaft erst am Dienstag bekanntgeben.

Die Tarifmaterie ist kompliziert, wobei die Vorstellungen zur Gehaltsentwicklung gar nicht weit auseinanderliegen. Die Gewerkschaft will auch ihre Zuständigkeit auf weitere Berufsgruppen in der DFS ausdehnen und bestehende Beförderungsregelungen reformieren. Darüber hinaus wird über Arbeitszeiten, freie Tage, Überstunden, Pausen und Personalpläne gestritten. Der Großteil der etwa 1900 DFS-Fluglotsen verdient nach Arbeitgeberangaben mehr als 100.000 Euro pro Jahr.