Streit um Schuldengrenze

Experten spielen Folgen einer US-Pleite durch

Der Schuldenstreit in den USA ist immer noch nicht gelöst. Eine Pleite scheint zwar unvorstellbar, doch Experten sind auf alles vorbereitet.

Noch geben sich die Gläubiger der größten Volkswirtschaft der Welt gelassen. Kaum einer kann sich vorstellen, dass die USA ihr Schuldenproblem nicht in den Griff bekommen. Doch eine Sorge treibt Banken weltwet um: Was, wenn doch? Auch am Wochenende brachten die Gespräche zwischen Demokraten und Republikaner keine Einigung .

Wenn bis zum Dienstag in einer Woche die gesetzliche Schuldengrenze von 14,3 Billionen Dollar nicht angehoben wird, droht die Pleite – die US-Regierung könnte dann ihre Rechnungen nicht mehr begleichen. Davon wären nicht nur die USA betroffen, sondern Gläubiger auf der ganzen Welt. Auch in Europa. Noch will niemand offen darüber sprechen, welche Vorkehrungen für den Ernstfall getroffen werden. Doch hinter verschlossenen Türen beschäftigen sich Teams der großen Banken und Ratingagenturen bereits mit Krisenszenarien. Was passiert, wenn die USA zahlungsunfähig werden – und sei es nur für ein paar Tage?

Mit einer dauerhaften Schuldenkrise rechnet zwar niemand, doch schon ein zeitweiser Zahlungsausfall könnte schwere Folgen haben. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat dazu verschiedene Szenarien erstellt und die Auswirkungen auf Finanzinstitute untersucht. „Im allerschlimmsten Fall könnte es zu einer globalen Vertrauenskrise kommen“, sagt Stefan Best, Bankenexperte bei der Ratingagentur Standard & Poor’s.

Ähnlich wie nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers könnten auf den Märkten solch große Unsicherheiten entstehen, dass die Aktienkurse einbrechen und sich die Banken gegenseitig kein Geld mehr leihen wollen. Ob Banken in die Insolvenz rutschen, weil sie ihre Verbindlichkeiten kurzfristig nicht mehr bedienen können, ist davon abhängig, wie lange der Geldkreislauf zum Erliegen kommt.

„Ein paar Tage können die Banken überbrücken, die meisten auch länger“, sagt Experte Best. Streckt sich das Problem über Wochen, könnte die Europäische Zentralbank (EZB) vorübergehend zusätzliche Liquidität zur Verfügung stellen – ganz so, wie sie es schon in der Finanzkrise getan hat. Ob es dazu Überlegungen gibt, wollte die Bundesbank nicht kommentieren. Man habe die Situation aber selbstverständlich im Blick.

Am stärksten betroffen wären jene Banken, die sich kurzfristig refinanzieren müssen und stark vom Kapitalmarkt abhängig sind. Das sind in Deutschland vor allem die großen Finanzhäuser. „Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken sind in einer komfortableren Lage“, sagt Best. Denn sie können auf große Volumina an Kundeneinlagen zurückgreifen. Im Gegensatz zur Griechenland-Krise spielt das Ausmaß der ausstehenden Staatsanleihen nur eine untergeordnete Rolle. Niemand rechnet damit, dass die USA ihre Schulden dauerhaft nicht bezahlen können.

Das heißt, dass keine unmittelbaren Verluste aus Investitionen in deren Anleihen zu erwarten sind. Dass deutsche Banken Ende April 2011 laut Bundesbank rund 17 Milliarden Euro Forderungen gegenüber öffentlichen Haushalten und insgesamt 384 Milliarden Euro gegenüber US-Schuldnern ausstehend haben, muss also jetzt noch nicht beunruhigen.