Nachfolgedebatte

Deutsche-Bank-Chef Ackermann verliert an Rückhalt

Der Vorstand der Deutschen Bank unterstützt fast geschlossen die Doppelspitzen-Idee von Aufsichtsratschef Börsig. Ackermann steht mit seinem Vorschlag alleine.

Foto: Infografik "Die Welt" / Infografik "Die Welt"/Die Welt

Im Machtkampf an der Spitze der Deutschen Bank weiß Aufsichtsratschef Clemens Börsig den Rückhalt des Managements der Bank hinter sich. Der Vorstand des Hauses unterstützt nach Informationen von „Morgenpost Online“ aus Unternehmenskreisen nahezu geschlossen seinen Vorschlag, künftig eine Doppelspitze mit dem Investmentbanker Anshu Jain und Deutschlandchef Jürgen Fitschen zu bilden. Auch Jain hat intern dem Vernehmen nach die Doppelspitze stark befürwortet. Der indische Chefinvestmentbanker sehe Fitschen als „idealen Partner“, mit dem er sich „hervorragend ergänze“, sagt ein hochrangiger Manager der Bank.

Am Wochenende ist eine Vorentscheidung um den Vorstandsvorsitz wahrscheinlich. Am Sonntag wird sich die Findungskommission der Bank treffen, zu der neben den Aufsichtsräten Börsig, Werner Wenning und Tilman Todenhöfer auch Ackermann gehört. Börsig wird in die Sitzung mit dem Vorschlag gehen, Fitschen und Jain als Doppelspitze zu installieren. Dabei gilt der Investmentbanker Jain derzeit in allen ernsthaft diskutierten Vorschlägen als gesetzt für die Bankspitze. Häufigstes Argument gegen Fitschen ist sein Alter von 62 Jahren. Er wäre damit wohl nur ein Mann für den Übergang.

Bankchef Josef Ackermann versucht allerdings offenbar weiterhin, die Aufsichtsräte von seinen eigenen Vorstellungen für seine Nachfolge zu überzeugen. Sein Widerstand richtet sich dem Vernehmen nach derzeit weniger gegen Jain als gegen Fitschen. Ackermann habe die Idee einer Doppelspitze mit Jain akzeptiert, heißt es in gut informierten Kreisen. Er sehe aber lieber seinen Schweizer Landsmann Hugo Bänziger als zweiten Mann in dem Duo. Er selbst würde dann möglicherweise an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln, wenn das Gremium den derzeitigen Vorsitzenden Börsig zum Rücktritt bewegen sollte.

Unterdessen haben sich Gerüchte als falsch herausgestellt, wonach sich die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat geschlossen für Ackermann als künftigen Vorsitzenden einsetzen. „Das ist völliger Humbug“, sagte ein Aufsichtsratsmitglied von der Arbeitnehmerseite. Allerdings gibt es immer noch keine geschlossene Position in den Arbeitnehmerreihen. Dem Vernehmen nach stößt allerdings auf Wohlwollen, dass mit Fitschen ein Manager zur Konzernspitze zählen soll, der die Belange der Mitarbeiter in Deutschland sehr gut versteht.

Jüngere Vorstände wollen Lösung mit Fitschen

Auch jüngere Vorstände wie Finanzvorstand Stefan Krause oder Privatkundenchef Rainer Neske haben ein Interesse, dass eine Doppelspitze mit Fitschen installiert wird. Beide können sich Hoffnungen machen, den 62-Jährigen zu beerben. Darin liege der Charme dieser Variante für die übrigen Vorstände, heißt es in Führungszirkeln der Bank. Für die jetzige Besetzung der Spitze gelten Krause und Neske seit längerem als chancenlos.

Etwas anders sieht es bei Risikovorstand Bänziger aus. Er galt stets als einer der Favoriten für die Ackermann-Nachfolge und könnte davon profitieren, wenn sich nun der Bankchef gegen Börsig durchsetzt. Der Aufsichtsratsvorsitzende wiederum soll wenig von einer Kombination Jain und Bänziger halten. Er fürchtet offenbar eine zu starke Konkurrenz zwischen den Managern, die sich beide in einer ähnlichen Phase ihrer Karriere befinden und zudem beide im Kapitalmarktgeschäft verwurzelt sind.

Eine Alternative könnte darin bestehen, Jain den alleinigen Vorstandsvorsitz anzubieten, flankiert von einem Aufsichtsratsvorsitzenden Ackermann. Der Chefposten wäre für den Inder sicher verlockend – die Kontrolle durch den Mann, zu dem sein Verhältnis inzwischen als äußerst angespannt gilt, dagegen weniger. Zumal es jeder neue Bankchef schwer haben dürfte, sich neben Ackermann zu behaupten. Es ist somit zumindest fraglich, inwieweit Ackermann und Jain tatsächlich noch vertrauensvoll an der Spitze der Bank zusammenarbeiten können.

Niemand will einen Weggang von Jain und Fitschen riskieren

Folglich ist es riskant für den Aufsichtsrat, den Vorsitzenden Börsig nun tatsächlich in Frage zu stellen. Die Gefahr ist, dass Jain und Fitschen gemeinsam die Bank verlassen, und das wird vermutlich niemand riskieren wollen. Ackermann soll Jain zwar grundsätzlich für ersetzbar halten und hätte mit Bänziger dann eine Alternative. Doch diesem Vorschlag dürfte der Aufsichtsrat nicht folgen, zumal es ein einmaliger Vorgang wäre, den amtierenden Chefkontrolleur aus dem Amt zu wählen.

Gleichzeitig tun sich die Aufsichtsräte aber auch schwer, sich nun entschieden gegen den amtierenden Vorstandschef zu stellen. „Es fällt sehr schwer, Josef Ackermann von seinem Denkmal zu stoßen“, sagt eine Person aus dem inneren Führungszirkel der Bank. Doch nach den Konfrontationen der vergangenen Tage, in denen schwere Vorwürfe gegen Aufsichtsratschef Börsig erhoben wurden , verliert Ackermann zunehmend an Rückhalt. „Hier geht es auch um Respekt und Anstand“, sagt ein ranghoher Manager der Bank. „Diese Grundprinzipien wurden gebrochen.“

Auch außerhalb der Bank stößt die Idee von einer Doppelspitze auf Wohlwollen. Aktionärsschützer in Deutschland unterstützen diese Variante. „Allein hat keiner der Nachfolgekandidaten von Josef Ackermann das Topprofil, das diese Bank braucht“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Schutzvereinigung DSW, Ulrich Hocker. Als Partner für Jain an der Spitze wäre „Fitschen sicher der Geeigneteste“.

Auch die Stiftung Familienunternehmen kann sich mit der Idee anfreunden: „Die jetzt zur Diskussion stehende Doppellösung halte ich für gut“, sagte der Vorsitzende Brun-Hagen Hennerkes „Morgenpost Online“. „Sie repräsentiert einmal die Bedeutung des Investmentbankings für die Deutsche Bank, und zum anderen betont sie die Wurzeln der Bank. Für uns als Interessenvertreter der Familienunternehmen wäre eine Berufung von Herrn Fitschen ein sehr gutes Signal.“