Josef Ackermann

"Ich wäre ein schlechter Aufsichtratsvorsitzender"

Dem Chef der Deutschen Bank werden Ambitionen auf den Aufsichtsrat nachgesagt. Dabei hielt er sich stets für den Posten ungeeignet.

Foto: dapd

Eigentlich war alles geklärt. Spätestens 2013 wollte Josef Ackermann die Deutsche Bank verlassen, für immer. Doch seit einigen Tagen zeigt sich im Umfeld des Kreditinstituts eine neue Anhänglichkeit gegenüber dem Vorstandsvorsitzenden . Einen derart profilierten Manager würde jede Bank nur ungern gehen lassen, sagte diese Woche ein Mitglied des Aufsichtsrats. Und so fielen die kolportierten Ambitionen des Schweizers, an die Spitze des Kontrollgremiums zu wechseln, auf fruchtbaren Boden. Paradoxerweise hat Ackermann einen solchen Wechsel allerdings nicht nur jahrelang abgelehnt – er hat auch mehrfach Argumente dafür genannt, ihm dieses Amt nicht zu geben. „Ich wäre ein schlechter Aufsichtsratsvorsitzender“, sagte er noch vor vier Jahren. „Weil ich viel zu stark im Geschäft bin und nicht loslassen könnte.“

Ackermanns Ablehnung gegenüber einen Aufsichtsratsmandat hat eine lange Tradition. Schon im Zuge der Verlängerung seines Vorstandsvertrags im Jahr 2006 sagte der Bankchef, er habe keinerlei Ambitionen, anschließend in den Aufsichtsrat zu wechseln. Eine Festlegung, die er in den folgenden Jahren mehrfach wiederholt hat. Noch im April sagte er der „Morgenpost Online“ auf die Frage, ob er die Bank wirklich wie angekündigt spätestens 2013 verlassen werde: „Ich werde meinen Vertrag nicht verlängern und auch nicht in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank wechseln.“

Nun nimmt man es Josef Ackermann in der Deutschen Bank nicht unbedingt übel, wenn er seine Meinung einmal ändert. Schließlich hatte der Vorstandschef seinen Abschied von der Bank einst mit ähnlicher Entschiedenheit für das Jahr 2010 angekündigt – um sich dann ein Jahr vor Ablauf des Vertrages doch noch einmal in die Pflicht nehmen zu lassen und bis zum Jahr 2013 als Bankchef zu verlängern. Was in der Bank auf allgemeinen Beifall stieß.

Was Ackermann seinen neuerlichen Umschwung allerdings erschwert: Er begründete seinen Verzicht auf den Aufsichtsrat nicht nur damit, dass er andere Lebenspläne habe, dass es ihn unbedingt an eine Universität oder in ganz andere Ämter ziehe. Sondern immer wieder auch damit, dass er für den Posten schlicht nicht geeignet wäre. „Ich bin der festen Meinung, dass der Vorstandsvorsitzende im Normalfall nicht in den Aufsichtsrat wechseln sollte, und ich habe das auch immer schon seit Jahren so klar kommuniziert“, sagte der Schweizer Anfang 2007 in einem Interview.

Als generelle Regel für alle Unternehmen wollte er das zwar nicht postulieren. Für sich selbst gab er sich dagegen umso entschiedener: „Ich wäre auch ein viel zu ungeduldiger Aufsichtsratsvorsitzender. Das werde ich also sicher nicht machen.“

In Verbindung gebracht wurde Ackermann daher in den vergangenen Jahren eher mit anderen Posten – dem des Verwaltungsratspräsidenten in einem Schweizer Finanzkonzern. Immer wieder wurde er beispielsweise als Kandidat für die Großbank UBS gehandelt, zuletzt dann für den Versicherungskonzern Zurich. Die Verwaltungsratsspitze in der Schweiz ist genau das richtige Amt für jemanden, der nicht recht loslassen kann vom Tagesgeschäft.

Der Präsident kümmert sich zwar nicht um das Kleinklein auf der operativen Ebene, aber um die Strategie des Unternehmens und ist gleichzeitig der zentrale Ansprechpartner für Politik und Öffentlichkeit. De facto hat Josef Ackermann sein Amt als Vorstandschef der Deutschen Bank schon heute so ähnlich interpretiert. Auch deshalb sah er vielleicht den früheren Bundesbanker Axel Weber als idealen Nachfolger. Der geht nun zur UBS – bezeichnenderweise als Verwaltungsratspräsident.

Verbinden Sie sich mit dem Morgenpost Online-Autoren auf Twitter. Sebastian Jost twittert vor allem zu Banken und Versicherungen .