Deutsche Bank

Der steinige Weg zum Ackermann-Nachfolger

Der Countdown läuft: Diesen Sonntag könnt es eine Antwort auf die Frage nach dem Nachfolger von Josef Ackermann geben. Bisher schweigt der Aufsichtsrat allerdings zu diesem Thema und sorgt damit für Schlagzeilen – von einem "„Machtkampf" und einer "Führungskrise" ist in den Medien die Rede.

Der Mann ist um seinen Job nicht zu beneiden: Clemens Börsig, 62, Aufsichtsratschef der Deutschen Bank. Börsig soll den wichtigsten Posten neu besetzen, den Deutschlands Geschäftsbanken zu bieten haben: Den Chefsessel der Deutschen Bank. Doch Börsig, der 1999 nach 22 Berufsjahren in der Industrie (Mannesmann, Bosch, RWE) als Quereinsteiger zur Deutschen Bank kam und bis heute oft aneckt, stellt sich auch nicht besonders geschickt an. Die Nachfolgesuche als „geordneten Prozess“ zu sehen, wie Börsig es in seinen wenigen öffentlich Äußerungen erklärt hatte, fällt im Lichte der jüngsten Turbulenzen schwer.

Die Fußstapfen von Noch-Amtsinhaber Josef Ackermann sind so groß, dass viele meinen, der Schweizer sollte am besten selbst seinen Nachfolger bestimmen. Klar zu sein scheint: Ein Topmanager wird nicht reichen, um ihn zu ersetzen. Der seit über neun Jahren amtierende Ackermann ist im Volk zwar nicht beliebt, doch in Finanzwelt und Politik ist er gefragt wie kaum ein anderer Banker.

Machtkampf und Führungskrise

In den Medien ist seit Tagen von „Machtkampf“ und „Führungskrise“ in der größten deutschen Bank die Rede. Intern wird Börsig angelastet, dass Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber die UBS der Deutschen Bank vorzieht. Der gebürtig aus dem badischen Achern stammende Börsig sei „ein Mann der Zahlen, Visionen sind seine Sache nicht“, urteilte schon 2007 das „Manager Magazin“. Die „Börsen- Zeitung“ schlug nach den jüngsten Wirren in die gleiche Kerbe: Börsig entspreche „eher dem Typ Kontrolleur als dem Typ Wegbereiter“.

Der Gescholtene geht in die Offensive: Nach Informationen der „Bild“-Zeitung will Börsig an diesem Sonntag (10.7.) zwei Getreue aus dem Aufsichtsrat um sich scharen, um eine Vorentscheidung zu treffen. Der Nominierungsausschuss – neben Börsig besetzt mit dem als Börsig- Intimus geltende Tilman Todenhöfer (Bosch) und dem früheren Bayer- Chef Werner Wenning – wolle über eine Doppelspitze beraten.

Entscheiden kann die Dreier-Runde freilich nichts: Dazu wäre eine Aufsichtsratssitzung nötig. Aus Kreisen des Kontrollgremiums hieß es am Freitag: „Es gibt keine geplante oder in den letzten Tagen angesetzte außerordentliche Aufsichtsrats- oder Vorstandssitzung in der Deutschen Bank, die ja einer Neubesetzung zustimmen müsste.“ Ackermanns Vertrag läuft bis zur Hauptversammlung 2013.

Kaum vorbeikommen dürften die Strategen an Anshu Jain. Der oberste Investmentbanker des Konzerns und Großverdiener – für die Bank wie in eigener Sache – wird seit Jahren als Kronprinz gehandelt. Dass die jüngsten Milliardenklagen gegen die Deutsche Bank wegen windiger Immobiliengeschäfte in den USA mit Jains Geschäftsbereich zusammenhängen, dürften die Chance des indischstämmigen Bankers nicht schmälern. „Das hat nichts miteinander zu tun“, stellte Börsig Mitte Mai bei einer Veranstaltung in Frankfurt klar.

Für die Börse ist nach Einschätzung von Analysten vor allem entscheidend, dass Jain bei der Deutschen Bank bleibt. „Alles andere ist zweitrangig“, erklärte ein Experte. „Sollte Jain vor den Kopf gestoßen werden und gehen, wäre das ein Schock. Zumal er dann sicherlich 30, 40 gute Leute mitnehmen dürfte.“

Eine Übergangslösung

Jain fehlt nach einhelliger Ansicht vieler Deutsche-Bank-Kenner aber vor allem zweierlei. „Spiegel Online“ packt es in eine „nicht ganz ernsthafte Stellenbeschreibung“: „gute Deutschkenntnisse, mindestens aber ein Gespür für die deutsche Kultur“ und „ein möglichst umfassendes Netzwerk politischer Kontakte“.

Das Gesicht der Deutschen Bank in einer Doppelspitze könnte Deutschland-Chef Jürgen Fitschen werden, der beide Kriterien erfüllt. Fitschen ist jedoch wie Ackermann Jahrgang 1948 und wäre wohl eher eine Übergangslösung. Immer wieder genannt werden auch Risikovorstand Hugo Bänziger und Privatkundenchef Rainer Neske.

Dass die Deutsche Bank nach Webers Korb einen geeigneten externen Kandidaten findet, halten Beobachter für wenig wahrscheinlich. Es gebe „nicht mehr viele Top-Leute in Deutschland“, sagt Analyst Stefan Scharff von SRC Research. „Und einen Manager von einer internationalen Bank zu holen, ist angesichts der schwierigen Gemengelage in Deutschland auch schwierig.“