Europa-Chef gefeuert

Kotenev fehlen laut Gazprom alle Kernkompetenzen

Gazprom hat nach seiner überraschenden Trennung vom ehemaligen Russland-Botschafter in Berlin, Vladimir Kotenev, nun doch noch eine Begündung geliefert. Und die ist für Kotenev wenig schmeichelhaft.

Für die überraschende Trennung vom Chef seiner Europa-Tochter Gazprom Germania, Vladimir Kotenev, hat der russische Energiekonzern eine Begründung nachgeliefert. Sie legt nahe, dass die Unternehmensspitze dem früheren Botschafter in Deutschland die Führung der Tochtergesellschaft mit Sitz in Berlin nicht mehr zugetraut hat. Kotenev wurde zum 1. Juni abberufen, er hatte sein Amt erst vor knapp einem Jahr angetreten.

In einer in Berlin und Brüssel veröffentlichten Erklärung des Gazprom-Vizechefs Alexander Medwedew hieß es, Gazprom habe kürzlich beschlossen, sein Europa-Geschäft umzustrukturieren. Und: „Wir haben den größten Respekt vor Herrn Kotenevs enormen diplomatischen Fähigkeiten und seinen unnachgiebigen Anstrengungen, Russland und Deutschland näher zu bringen. Die neue Wirklichkeit erfordert jedoch von einer Person auf solch einer Schlüsselposition andere Kenntnisse und Erfahrungen. Dies erklärt unsere Entscheidung.“

Der 53-Jährige sollte eigentlich das angeschlagene Image des deutschen Gazprom-Ablegers aufpolieren. Unter der Führung seines Vorgängers Hans-Joachim Gornig, einem früheren Vize-Direktor der Erdöl- und Erdgaswirtschaft der DDR, hatten sich die Negativ-Schlagzeilen peinlich gehäuft. So hatte Gornig offenbar mehrere Manager mit Stasi-Vergangenheit verpflichtet.

Mit Kotenev sollte alles offener, moderner werden. Vor seinem Amt bei Gazprom war Kotenev von 2004 bis 2010 russischer Botschafter in Berlin und dort auch als Ausrichter legendärer Promi-Partys im Botschaftspalast Unter den Linden bekannt geworden. Seine Diplomaten-Laufbahn hatte er 1979 im West-Berliner Generalkonsulat der UdSSR begonnen.

Bei Gazprom Germania hat der russische Energieriese Handel und Beteiligungen in rund 20 Ländern Europas und Zentralasiens gebündelt. Der deutsche Gazprom-Ableger hat insgesamt 520 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 180 am Hauptsitz der Unternehmensgruppe in Berlin.