Die in Schwung kommende Bilanzsaison wird Experten zufolge die Kurse am deutschen Aktienmarkt in der neuen Woche weiter steigen lassen. Hoch sind vor allem die Erwartungen an die großen US-Banken. „Wir hatten einen ausgesprochen positiven Auftakt der Berichtssaison, und ich gehe davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt“, sagt Aktienstratege Carsten Klude von MM Warburg. „Tendenziell sind die Gewinnerwartungen für das dritte Quartal immer noch sehr zurückhaltend. Ich kann mir vorstellen, dass wir viele positive Überraschungen sehen werden“, so Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen Helaba.

Traditionell hatte am vergangenen Dienstag der Aluminiumkonzern Alcoa den Startschuss für die US-Berichtssaison zum dritten Quartal gegeben. Die überraschende Rückkehr des Konzerns in die Gewinnzone hellte die Stimmung an den Finanzmärkten deutlich auf und sorgte für steigende Kurse rund um den Globus. Der Dax gewann in der abgelaufenen Woche insgesamt 4,5 Prozent. Am Freitagabend schloss der deutsche Leitindex allerdings nach schwachen Umsätzen fast unverändert bei 5711,88 Punkten.

In der neuen Woche legen nun gleich vier große US-Banken ihre Bilanzen vor: JP Morgan, Citigroup, Goldman Sachs und Bank of America. „Die Schätzungen der Analysten sind positiv, die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer allerdings auch“, konstatiert Marktanalyst Stefan Scheurer von Allianz Global Investors. „Das könnte für die Märkte zu einer Belastung werden, wenn die Quartalszahlen nicht noch besser ausfallen als sie bereits eingepreist sind.“ Nach wie vor stehen die Geldhäuser Analysten zufolge unter besonders kritischer Beobachtung, da sie als Auslöser der weltweiten Wirtschaftskrise gelten. Über seine Geschäftsentwicklung informiert unter anderem auch der Chiphersteller Intel.

Hierzulande legen am Donnerstag mit dem Verpackungshersteller Gerresheimer und dem Nahrungsmittelkonzern Südzucker die ersten Unternehmen ihre Zwischenbilanzen vor.

Auf Konjunkturseite dürfte vor allem die Entwicklung der Einzelhandelsumsätze und der Industrieproduktion in den Vereinigten Staaten in den Fokus rücken. Die Statistiken werden wohl daraufhin abgeklopft, ob die US-Wirtschaft das recht kräftige Wachstumstempo des dritten Quartals weiter halten kann. Volkswirt Christoph Balz von der Commerzbank äußert sich eher skeptisch und verweist unter anderem auf negative Effekte durch das Ende der US-Abwrackprämie „cash for clunkers“.

Zur Einschätzung der Situation in Deutschland wird der ZEW-Index neue Impulse liefern. Wirtschaftsexperte Balz prognostiziert nach der zuletzt ins Stocken geratenen Aufwärtsbewegung für Oktober einen leichten Rückgang auf 55,0 von 57,7 Punkten und begründet dies mit einer zunehmenden Skepsis unter institutionellen Investoren. Allerdings könnte auch das Ende der großen Koalition dem Index einen leichten Schub nach oben geben.

Reuters/dma