Nach einem Kursplus von knapp einem Prozent im frühen Freitagsgeschäft gab der Dax seine Gewinne im Handelsverlauf wieder ab und drehte in die Verlustzone. Händler verwiesen auf Spekulationen über Risiken für die ukrainischen Staatsschulden und staatlich garantierte Schulden. Analysten zufolge gibt es zwar keine Neuigkeiten, doch lasteten in der Vorwoche aufgekommene Probleme mit einer 550-Millionen-Dollar schweren Anleihe der ukrainischen Staatsbahn weiter auf dem Markt. Andere Börsianer verwiesen zudem auf Äußerungen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der im nächsten Jahr weitere Belastungen auf die Bankenbranche zukommen sieht. Die Wirtschaftskrise werde sich auf die Kreditbücher auswirken.

Auch die Aussagen von Finanzminister Wolfgang Schäuble auf dem Europäischen Bankenkongress gingen in dieselbe Richtung. „Ich hoffe, dass niemand glaubt, wir hätten die Krise schon überstanden“, so der Finanzminister. Zudem hatte er klargestellt, dass die Eigenkapitalanforderungen an die Banken steigen werden. Zwar konnte sich der Dax von seinem Tagestief bei 5638 Zählern wieder absetzen, notierte zum Handelsschluss aber immer noch 0,7 Prozent leichter bei 5663 Punkten. Der MDax verbuchte einen Abschlag von 0,8 Prozent auf 7149 Zähler. Lediglich der TecDax wies ein leichtes Plus von 0,2 Prozent auf 761 Punkte aus.

Am Rentenmarkt hielten sich die Anleger mit Engagements zurück. Der Bund-Future stieg um acht Ticks auf 122,56 Punkte, die zehnjährige Bundesanleihe rentierte mit 3,256 Prozent. Der Euro schwächte sich leicht ab und kostete zuletzt 1,4855 Dollar nach 1,4922 Dollar im späten US-Handel am Donnerstag.

Bankenwerte führten die Verliererliste an. Am Dax-Ende notierten die Aktien der stark in Osteuropa tätigen Commerzbank mit einem Abschlag von 3,7 Prozent auf 6,555 Euro. Papiere des Branchenprimus Deutsche Bank verbilligten sich um 2,7 Prozent auf 49,06 Euro. Hier sorgten laut Händlern zusätzlich Medienberichte für Abgabedruck, denen zufolge die Ratingagentur Moody’s wegen gewisser Schwächen des Kreditprofils der führenden deutschen Bank eine Senkung ihres derzeitigen Langfristratings „Aa1“ prüft. „Das dürfte einmal mehr Spekulationen über eine Kapitalerhöhung heraufbeschwören“, mutmaßte ein Börsianer.

Anteilscheine von Merck erholten sich von anfänglichen Verlusten und gewannen 0,3 Prozent. Am Donnerstag nach Börsenschluss hatte der Pharmakonzern mitgeteilt, dass es für das Krebsmittel Erbitux einen erneuten Rückschlag gegeben habe. Die europäische Arzneimittelbehörde EMEA hatte sich gegen den Einsatz des Medikaments bei einer bestimmten Form von Lungenkrebs ausgesprochen. In Reaktion darauf stuften Citigroup-Analysten die Aktie auf „Halten“ herunter und nahmen das Kursziel von 75 auf 70 Euro zurück.

RWE-Aktien gewannen nach neuen Spekulationen über ein mögliches Interesse des französischen Energieriesen EDF an RWE zeitweise bis zu 1,7 Prozent. Nach einem Dementi von EDF gab das Papier die Gewinne wieder ab und gab um 0,5 Prozent nach.

Im TecDax setzten die Titel von SMA Solar ihre Rallye fort und verteuerten sich um weitere sechs Prozent auf 85,59 Euro. Damit ist der Börsenwert der Solarfirma innerhalb der vergangenen acht Tage um gut 30 Prozent gestiegen, nachdem zahlreiche Analysten ihre Gewinnerwartungen angehoben und die Aktie hoch gestuft hatten.

Nach einem positiven Analystenkommentar verteuerten sich die Aktien von Sixt um 1,9 Prozent auf 22,21 Euro. Analyst Wolfgang Fickus von der WestLB hatte das Kursziel von 25 Euro auf 30 Euro angehoben und seine Kaufempfehlung bekräftigt. Er verwies in einer Studie auf den überraschenden Gewinnsprung, den das Unternehmen bekannt gegeben hatte. Angesichts der starken Quartalszahlen hob er seine Gewinnschätzungen pro Aktie für 2010 um 35 Prozent und für 2011 um 16 Prozent an.

Reuters/wej