Neue Strategie

Siemens steht vor radikalem Umbau zum Öko-Konzern

Vorstandschef Peter Löscher will Siemens umkrempeln. Künftig soll es eine eigene Sparte geben, die sich mit "umweltfreundlicher Stadtentwicklung" beschäftigt.

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Der Siemens-Konzern steht offenbar vor dem größten Umbau seit 2007. Damals hatte Vorstandschef Peter Löscher die Geschäfte des Unternehmens in den drei Sektoren Industrie, Energie und Medizintechnik neu geordnet. Jetzt plant er nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung", einen vierten Sektor zu bilden.

Mit dem Konzernumbau dürfte der bislang größte und umsatzstärkste Industriesektor Bereiche abgeben und deutlich schrumpfen, berichtet die „SZ“. So sollten etwa die Gebäudetechnik und die Mobility Division, zu der unter anderen das Bahngeschäft gehört, in die neue Einheit übergehen. Außerdem könnte aus dem Energiesektor die Stromverteilung in die neue Einheit passen. Auf den Industriesektor kommen demnach weitere Veränderungen zu. So solle die Dienstleistungssparte (Industry Solutions) aufgelöst und die Automatisierungs- und Antriebssparte eingegliedert werden.

Kein Stellenabbau erwartet

Der Chef der Industriesparte Siegfried Russwurm hatte die Mitarbeiter bereits vor einem Monat in einer E-Mail auf Veränderungen eingestimmt. In dem Schreiben heißt es, die Überlegungen gingen dahin, die Service-Aktivitäten für Industriekunden in einer eigenen Serviceeinheit zu bündeln. „Unsere Kunden wollen zunehmend ganzheitliche Lösungen aus einer Hand. Mit der angestrebten Weiterentwicklung unseres Branchen- und Servicegeschäfts werden wir dieser Erwartungshaltung zukünftig besser gerecht.“ Es sei klar, dass diese Überlegungen bei den Mitarbeitern Fragen aufwürfen und Unsicherheiten entstünden, schrieb Russwurm. „Dessen bin ich mir bewusst und deshalb möchte ich an dieser Stelle nochmals betonen: Wir reden hier über Möglichkeiten, wie wir Wachstum fördern können und nicht über ein Restrukturierungsprogramm.“ Mit einem Stellenabbau dürfte der Umbau demzufolge nicht verbunden sein. Für die Beschäftigten könnte der Umbau aber mit anderen Aufgaben oder einem Standortwechsel verbunden sein.

Osram an die Börse?

Laut dem Bericht der Süddeutschen Zeitung könnte auch die traditionsreiche Lichttochter Osram von dem Umbau betroffen sein. Danach könnte Osram an die Börse gebracht werden, was einer der größten Börsengänge seit mehreren Jahren in Deutschland wäre. Wie unter anderem das „Handelsblatt“ und die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf das Unternehmensumfeld berichten, will der Aufsichtsrat am Montag entsprechende Schritte beschließen. Es soll sich um den größten Umbau seit 2007 handeln, schrieb die „SZ“. Die Münchner Osram gehört mit einem Umsatz von 4,7 Milliarden Euro und weltweit rund 40 000 Mitarbeitern zu den größten der Branche. Ein Verkauf gilt als schwierig, da kaum ein Konkurrent den Milliardenerwerb stemmen könnte.

Bei einem Börsengang sei noch offen, ob der Konzern weiterhin die Mehrheit an Osram behalten wolle, heißt es im „Handelsblatt“. Siemens wollte sich nicht zu den Berichten äußern. Über einen Börsengang von Osram wird seit langem spekuliert. Auch die „Financial Times Deutschland“hatte schon über derartige Pläne berichtet, die Siemens für die lange Jahre sehr profitable Tochter prüfen soll. Demnach soll auf der Sondersitzung des Aufsichtsgremiums ein grundlegender Umbau der gesamten Industriesparte beschlossen werden. Die Siemens-Aktie war am Freitag an der Börse mit einem Plus von zeitweilig 1,52 Prozent auf 94,42 Euro gefragt und lag damit besser als der insgesamt freundliche Gesamtmarkt.