Aktionäre

Siemens fordert Steuervorteil für Mitarbeiteraktien

Der Konzern will mehr Mitarbeiter zu Aktionären der eigenen Firma machen. Doch die Besteuerung hindert viele Siemensianer an der Beteiligung.

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Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser hat steuerliche Änderungen gefordert, um Mitarbeiteraktien attraktiver zu machen. „Das Hauptdilemma ist die Besteuerung“, sagte Kaeser in München. Sie verhindere einen wichtigen Anreiz zur Eigentumsbildung.

Es sei ein „Skandal“, dass Aktien, die von Spekulanten hin- und her geschoben werden, steuerlich genauso behandelt würden wie Mitarbeiteraktien, die in der Regel langfristig gehalten würden. Hier sei die Politik gefordert. Das Thema Besteuerung müsse daher auch auf die politische Agenda gesetzt werden.

Kaeser will mehr Mitarbeiter als bisher zu Aktionären des eigenen Unternehmens machen. Bislang nehmen 117.000 der 336.000 Siemensianer weltweit am Aktienprogramm des Konzerns teil. In den vergangenen zwei Jahren erwarben über dieses Programm Siemens-Mitarbeiter Papiere für 437 Millionen Euro.

Nur 2,5 Prozent der Siemens-Papiere bei Mitarbeitern

Das durchschnittliche Investitionsvolumen beläuft sich auf 3700 Euro je Mitarbeiter. Für Kaeser ist das zuwenig. Bislang werden nur 2,5 Prozent der Siemens-Papiere von Mitarbeitern gehalten. Immerhin sei das mehr als das Wahlergebnis der FDP in Berlin, scherzte Kaeser, aber auch deutlich steigerungsfähig.

Eine Zielgröße nannte Kaeser nicht. Nach einer Sperrfrist von drei Jahren bekommt ein Beschäftigter für drei erworbene und bis dahin gehaltene Siemens-Aktien eine weitere gratis dazu. Kaeser will mit einer Ausweitung der Zahl der Mitarbeiter, die Aktien halten, gerade auch in Zeiten der Finanzmarktkrise für mehr Stabilität und eine bessere Aktienkultur sorgen.

Man gewinne auf diese Weise langfristig orientierte Anleger und binde außerdem Beschäftigte ans Unternehmen. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sei diese Bindung ans Haus überaus wichtig.

Führungskräfte bei Siemens sind ohnehin verpflichtet, Siemens-Aktien zu erwerben. So müssen die 500 Topmanager zwischen 50 und 300 Prozent ihres Jahresfixeinkommens über den gesamten Zeitraum ihrer Tätigkeit bei Siemens dauerhaft in Aktien halten. Bricht der Kurs ein, müssen sie nachschießen. Für Vorstandschef Peter Löscher bedeutet die 2008 getroffene Regelung, dass er den Gegenwert von 300 Prozent seiner Grundvergütung ständig in Siemens-Papieren halten muss.

Kritik an der Aktienkultur

Kaeser kritisierte den Verfall der Aktienkultur, die oft nicht mehr auf Langfristigkeit ausgelegt sei, und die Zockerei an den Märkten. Dabei seien die weltweiten Finanzmärkte doch eigentlich ihrer Hauptaufgabe verpflichtet, das „Lebensblut der Wirtschaft auf globaler Ebene“ bereitzustellen.

Die Kursentwicklung der Siemens-Aktie , die seit Sommer deutlich an Wert verloren hat, beunruhige ihn jedoch nicht. „Der Kursrückgang der Siemens-Aktie macht mir wirklich keine Sorgen. Wir planen derzeit schließlich keine Kapitalerhöhungen“, sagte er „Morgenpost Online“. Siemens verfügt zurzeit über 13 Milliarden Euro an Barmitteln und ist in letzter Zeit nicht auf größere Einkaufstour gegangen.

„Falls die Bewertungen an den Aktienmärkten weiter fallen sollten, würde uns das auch eher in die Karten spielen“, sagte Kaeser. Will heißen: Übernahmekandidaten werden billiger. Entsprechende Ziele hat der Finanzvorstand dem eigenen Bekunden nach jedenfalls schon im Blick.