Gut ein Jahr vor Einführung der Rente mit 67 sind die Beschäftigungsquoten für 63- und 64-Jährige noch äußerst niedrig. Das ergibt sich aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken und eigenen Berechnungen der Partei, die der „Süddeutschen Zeitung“ vorliegen. Danach hatten im März 2010 nur 8,3 Prozent der Männer und 3,4 Prozent der Frauen mit 64 Jahren einen sozialversicherungspflichtigen Vollzeitjob.

Der rentenpolitische Sprecher der Linken, Matthias Birkwald, erhebt deshalb gegen Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) schwere Vorwürfe. Sie hätte einen Bericht nach dem Motto „schön, schöner, geschönt“ vorgelegt und irrelevante Zahlen als Erfolge bejubelt, sagte er der Zeitung. Ein Sprecher des Ministeriums wies die Vorwürfe zurück. Viele 64-Jährige seien selbstständig, Beamte oder freiwillig nicht mehr berufstätig.

Nach einem Gutachten des Sozialbeirats der Bundesregierung für das Jahr 2010 müsse noch mehr getan werden, um die Erwerbschancen älterer Arbeitnehmer zu verbessern. Das gelte vor allem für die Bereiche „Bildung und Weiterbildung, Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation“, heißt es in dem Gutachten, das dem Blatt ebenfalls vorliegt. Nach Ansicht der Gutachter gebe es keine Automatik, dass sich infolge des demografischen Wandels die Arbeitsmarktchancen der Älteren wesentlich verbessern.

Von der Leyen verteidigt Rente mit 67

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will jedoch an der Rente mit 67 festhalten. Die schrittweise Anhebung der Lebensarbeitszeit bis zum Jahr 2029 sei „notwendig, und sie ist vertretbar“, sagte sie im Bundestag. Deutschland müsse auf die Alterung der Gesellschaft reagieren. „Wir sind eine Gesellschaft des langen Lebens geworden.“ Inzwischen kämen nur noch drei Erwerbstätige auf einen Rentner,vor 50 Jahren seien es sechs gewesen, sagte die Ministerin.

Deshalb müssten alle länger arbeiten, um die Rente zu finanzieren. Die Beschäftigungsquote der 60- bis 64-Jährigen habe sich auf zuletzt rund 40 Prozent „nahezu verdoppelt“. Die Alternative zur Rente mit 67 wären nach den Worten von der Leyens höhere Beiträge für die Jüngeren oder Rentenkürzungen für die Älteren. Nun sei „Mut zur Nachhaltigkeit“ gefordert.

dapd/dpa/cat