GfK-Index

Deutsche sind vor Weihnachten in bester Kauflaune

Die Stimmung unter den deutschen Konsumenten ist so gut wie seit Oktober 2007 nicht mehr. Die Neigung zur Anschaffung teurer Güter steigt kräftig.

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So viel Optimismus hat es rund um den Konsum in Deutschland schon lange nicht mehr gegeben: Der Konsumklimaindex des Nürnberger Forschungsunternehmens GfK steigt im Dezember weiter an, die Verbraucher wollen ihr Geld erstmals seit langem lieber ausgeben, als es zur Bank zu tragen. Und sie blicken plötzlich sogar, anders als ihre Nachbarn, zuversichtlich in die Zukunft: „Die Deutschen sind die Optimisten Europas. Deutschland ist schneller und stärker als erwartet aus der Krise gekommen“, sagte Klaus Wübbenhorst, Vorstandschef der GfK, bei der Vorstellung der neuesten Zahlen, die die Überwindung der Krise eindrucksvoll zu dokumentieren scheinen.

Wübbenhorst erwartet für das laufende Jahr eine Zunahme des Konsums um 0,5 Prozent und hält für 2011 ein Plus von mehr als einem Prozent für möglich. „Das hatten wir zuletzt 2006. Aber das war damals maßgeblich den Vorzieheffekten der Mehrwertsteuererhöhung geschuldet, die 2007 vor der Tür stand“, sagte Wübbenhorst. GfK-Konjunkturexperte Rolf Bürkl sprach sogar von einer „Konjunktureuphorie“, die das sonst so skeptische Deutschland offenbar ergriffen habe.


In derart guter Stimmung werden die Bundesbürger einer GfK-Umfrage zufolge in den kommenden Wochen 14 Mrd. Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben – und zusätzlich noch zwei Mrd. Euro in bar verschenken. Durch die Irlandkrise erwartet Wübbenhorst „keine kurzfristigen Folgen“ auf das Ausgabeverhalten der Konsumenten vor Weihnachten.

„Wir sind in Deutschland tatsächlich auf dem Weg, neben dem Export aus dem Binnenkonsum eine echte Wachstumssäule zu machen“, glaubt Bürkl. Denn Exporte und Binnenkonsum trugen zwischen Juli und September jeweils 0,3 Prozent zum Wachstum bei – was bemerkenswert ist, weil üblicherweise der Konsum beim Wachstumsbeitrag deutlich hinter dem Export herhinkt. Verbraucherforscher Bürkl warnte angesichts der erwarteten demografischen Entwicklungen jedoch vor Euphorie: Über die Menge des Konsums pro Verbraucher werde sich angesichts zu erwartender sinkender Einwohnerzahlen in Deutschland die zweite Konjunktursäule kaum stärken lassen – wohl aber durch qualitatives Wachstum. Damit das funktioniert, müssten die Kunden allerdings teurere Produkte kaufen.

Dafür sind die Rahmenbedingungen derzeit so gut wie lange nicht: Die Arbeitslosigkeit hat den niedrigsten Wert seit 1992 erreicht, die Löhne steigen, die Inflationsrate liegt nur bei knapp über einem Prozent. „Das Problem der Inflation stellt sich für den Verbraucher derzeit gar nicht“, sagt Bürkl. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes legte auch im dritten Quartal das Bruttoinlandprodukt um 0,7 Prozent zu, nach einem Ausnahmewert von 2,3 Prozent im Vorquartal. Der Verdienst der arbeitenden Bevölkerung stieg zudem um 3,1 Prozent.

Der neue Optimismus der Deutschen lässt sich besonders deutlich an der Veränderung jener Zahl ablesen, die gemeinhin als Inbegriff von Skepsis und Vorsicht der hiesigen Verbraucher gilt: der Sparquote. Im dritten Quartal sank der Wert nach Angaben des Bundesamtes auf 9,6 Prozent. Zu Jahresbeginn hatten die Deutschen von 15,2 Prozent ihres verfügbaren Einkommens zur Bank getragen. Einzelhändler und Konsumgüterhersteller ärgern sich seit Jahrzehnten über diese hohen Summen, die ihnen als Umsatz verloren gehen. Doch jetzt scheint sich der Wind zu drehen: „Der Trend geht eher zum Geldausgeben als zum Sparen“, hat Verbraucherforscher Bürkl festgestellt. Allerdings musste er einräumen, dass angesichts der niedrigen zu erzielenden Zinsen und der Negativschlagzeilen von den Kapitalmärkten Sparen derzeit nicht gerade attraktiv sei.

Die neue Politik des offenen Geldbeutels hilft allerdings nicht nur den Händlern, sondern der gesamten Volkswirtschaft: Denn rund 60 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) des langjährigen Exportweltmeisters kommen aus dem Binnenkonsum.

Und jetzt läuft die Hochsaison eben jenes Binnenkonsums: GfK-Forscher Wolfgang Adlwarth erwartet in diesem Jahr ein „sehr gutes Weihnachtsgeschäft“ für den Handel. Zwar gibt es zur von ihm per Umfrage ermittelten Geschenksumme von 14 Mrd. Euro noch keinen Vergleich aus den Vorjahren. Doch kommen vergleichbare Studien anderer Institute fast immer zum Schluss, dass die Deutschen in diesem Jahr mehr Geld für die Bescherung investieren werden als 2009. Laut der GfK-Untersuchung wollen die Befragten im Schnitt etwa 245 Euro investieren, um die Familie oder Freunde zu beschenken. In den westlichen Bundesländern liegen die Ausgaben mit 251 Euro über, in den östlichen Ländern mit 224 Euro unter dem Bundesdurchschnitt.

Jeder zehnte Mann ist ein Einkaufsmuffel

Jeder zehnte Mann will der Untersuchung zufolge allerdings in diesem Jahr gar nichts für die Bescherung kaufen, während sich unter den Frauen nur fünf Prozent Einkaufsmuffel finden. 52,1 Prozent der Befragten bekommen der Umfrage zufolge Weihnachtsgeld vom Chef – und jeder Dritte von ihnen gibt zumindest ein Teil davon für Geschenke aus.

Dabei soll das gute alte Buch in diesem Jahr das beliebteste Präsent werden: Rund 40 Prozent der Befragten wollen Lesestoff verschenken, ob gedruckt oder per E-Book elektronisch verbreitet. Jeder Einkäufer soll 39 Euro für diese Produktgruppe ausgeben, was allein eine Mrd. Euro in die Kassen der Buchhändler spülen würde. Auf Platz zwei des Geschenke-Rankings liegen Bekleidung und Accessoires (77 Euro), gefolgt von Spielwaren (70 Euro) sowie Lebensmitteln und Getränken, für die die Deutschen im Schnitt 37 Euro ausgeben wollen. Dabei ist die Bedeutung des Weihnachtsgeschäftes für die einzelnen Branchen sehr unterschiedlich: Während das Geschäft der Textil- und Accessoirehändler im November und Dezember gerade 18 Prozent des Jahresumsatzes ausmachen, sind es bei den Buchhändlern 27 bis 28 Prozent. Die Spielwarenverkäufer machen in den zwei Monaten vor dem Fest mit 36 Prozent sogar mehr als ein Drittel ihres Jahresumsatzes.

Die neue Großzügigkeit der Deutschen zeigt sich auch im Konsumklimaindex, den die GfK monatlich über die Befragung von 2000 Verbrauchern erhebt: Der Wert stieg von 5,1 Punkten im November aus 5.5 Punkte im Weihnachtsmonat. In November vergangenen Jahres hatte der Wert gerade bei 3,9 gelegen. Bei der neuesten Befragung konnten sich alle drei Ziffern, aus denen sich der Index zusammensetzt, verbessern: sowohl die Konjunkturerwartung, als auch die Prognose des eigenen Einkommens und die Anschaffungsneigung.