Konsumhoch

Die deutschen Verbraucher gönnen sich wieder mehr

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft ist der Aufschwung bei den Bürgern angekommen: die GfK ermittelt den höchsten Kosumklimaindex seit 2007.

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Die Furcht vor Terroranschlägen geht um, die Sorge um die Stabilität der Europäischen Währungsunion wächst wieder. Man sollte glauben, diese beiden Probleme reichten schon, um den Deutschen die Stimmung gründlich zu vermiesen. Tatsächlich aber zeigen sich die Verbraucher in bester Laune.

Der vom Marktforschungsunternehmen GfK ermittelte Konsumklimaindex erreichte im November den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Ebenfalls gestern wurde bekannt, dass der private Verbrauch im dritten Quartal deutlich gestiegen ist – und so dafür sorgte, dass die Binnennachfrage erstmals seit Ende der Rezession mehr zum Wachstum der deutschen Wirtschaft beitrug als der Außenhandel.

Dass der Aufschwung derart rasch im Bewusstsein ankommt, ist durchaus bemerkenswert. Im vorigen Aufschwung, zwischen 2005 und 2008, hatten weite Teile der deutschen Bevölkerung das Gefühl, abgekoppelt zu sein – nicht zu Unrecht, beschloss doch seinerzeit die große Koalition, einen Großteil des Wohlstandszuwachses per Mehrwertsteuererhöhung zu konfiszieren.

Wachstum schafft Arbeit – und Arbeit schafft Sicherheit

Die neue Bundesregierung will zwar ihr Versprechen brechen, die Abgabenbelastung deutlich zu senken. Aber immerhin hat die schwarz-gelbe Koalition Steuern und Sozialbeiträge bisher per Saldo nicht merklich erhöht. So schlägt sich nun die zurückgewonnene wirtschaftliche Dynamik ziemlich unmittelbar in den Portemonnaies der Bürger nieder. Und siehe da: Die angeblich so dauerverzagten deutschen Verbraucher fassen wieder Mut.

Wachstum ist als Ziel der Wirtschaftspolitik in jüngerer Zeit selbst in weiten Teilen des bürgerlichen Lagers in Verruf geraten. Jetzt aber erweist sich, wie wichtig es ist für das Wohlbefinden einer Nation. Wachstum schafft Arbeit – und Arbeit schafft Sicherheit. Wer einen Job hat und Grund, zu glauben, bei einer Entlassung nicht dauerhaft erwerbslos zu bleiben, der verliert die Angst vor einem materiellen und sozialen Abstieg; der gönnt sich wieder was; und der traut sich wieder zu investieren, sei es in eine Immobilie oder in eine teuere Ausbildung.

Seit den 70er-Jahren war das Lebensgefühl weiter Teile der Bevölkerung von zunehmender Angst um die wirtschaftliche Existenz geprägt. Und auch heute noch fürchten sich die Deutschen vor vielem: vor der Entwertung ihrer Ersparnisse und Rentenansprüche, vor Klimawandel und Islamismus. Mit den neuen – auch demografisch bedingten – Kräfteverhältnissen am Arbeitsmarkt wird dem Bürger aber eine sehr zentrale Angst genommen. Für eine abschließende Diagnose ist es zwar zu früh. Aber es ist gut möglich, dass wir derzeit eine regelrechte Zäsur erleben – und dass eine neue Ära beginnt: die Ära der Zuversicht.