Wütende Proteste

Gewerkschafter machen gegen Leiharbeit mobil

Protesttag der IG Metall. Tausende Metallarbeiter protestieren für gleiche Bezahlung von Leiharbeitern. Arbeitgeber halten das Thema für "überzeichnet".

Mit Protesten in zahlreichen Industriebetrieben ist die IG Metall gegen die zunehmende Leiharbeit zu Felde gezogen. Den Auftakt machten am frühen Morgen mehrere hundert Stahlarbeiter von ThyssenKrupp in Duisburg.

Sie traten unter dem Motto „Arbeit - sicher und fair“ für gleiche Entlohnung von Leiharbeitern und Stammbelegschaften ein, wie sie in der Stahlindustrie als erster deutscher Branche bereits verwirklicht ist.

Der Gewerkschaftsvorsitzende Berthold Huber griff vor rund 2000 VW-Beschäftigten in Braunschweig Unternehmen und Bundesregierung gleichermaßen an. Den Betrieben, die zunehmend auch auf Werkverträge und befristete Jobs setzten, hielt er einen „Sabotagekurs“ vor, der die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland aufs Spiel setze. Mit prekärer Beschäftigung könne man vielleicht für kurze Zeit den Kostenwettlauf gewinnen, werde aber im Innovationswettbewerb dauerhaft verlieren.

Der schwarz-gelben Regierung attestierte Huber Untätigkeit. Es sei beschämend, dass in den Hartz-IV-Verhandlungen die Gleichbezahlung nicht festgeschrieben worden sei. Die festgelegten Mindestlöhne für Zeitarbeiter seien eine schlichte Selbstverständlichkeit.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall warf der IG Metall vor, mit falschen Behauptungen Unruhe in den Betrieben zu stiften. Unbefristete Vollzeitbeschäftigung sei der Normalfall in den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie, erklärte Hauptgeschäftsführerin Gabriele Sons in Berlin. Der Anteil von Zeitarbeit oder Befristungen liege im kleinen einstelligen Bereich.

Mit Blick auf die Metall- und Elektroindustrie werde das Thema Zeitarbeit „sehr stark überzeichnet“, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser der Ludwigshafener Tageszeitung „Die Rheinpfalz“. Es sei eine „Beleidigung für unsere Betriebe und Belegschaften“, gerade diese Branche als Beispiel für prekäre Beschäftigung heranzuziehen, erklärte Kannegiesser. Der Vorwurf, die Arbeitgeber strebten ein Ende des sogenannten Normalarbeitsverhältnisses an, sei „Unfug und verzerrt völlig die tatsächliche Situation“. In der zurückliegenden Krise hätten die Unternehmen bewiesen, wie sehr sie sich um ihre Fachkräfte bemühten, indem sie trotz Auftragseinbrüchen weitgehend auf Entlassungen verzichtet hätten.

Um Auftragsschwankungen auszugleichen, sei die Zeitarbeit notwendig und liege „im Interesse aller Beteiligten“. Das „vorsichtige Einstellungsverhalten“ von Betrieben begründete Kannegiesser mit der Unsicherheit hinsichtlich der Stabilität des gegenwärtigen Aufschwungs. 84 Prozent der Betriebe hätten aber die Absicht, diese Mitarbeiter im Anschluss fest einzustellen. Den Gewerkschaften warf er vor, mit ihren Protesten in „alte Muster“ zu verfallen und „Unfrieden“ zu stiften.