Wer kurzfristig einen Maler sucht, Fliesenleger oder gar jemanden, der eine neue Wand im Keller einzieht, bekommt bei der Anfrage schon mal zu hören, dass es ein paar Wochen dauern könnte, bis der Auftrag erledigt wird. Denn viele Handwerker Berlins haben reichlich zu tun. entsprechend gut ist die Stimmung. „Dem Berliner Handwerk geht es so gut wie seit fast 20 Jahren nicht mehr“, sagte Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer Berlin, als er den aktuellen Wirtschaftsbericht vorstellte. „Im Vergleich zum Vorjahr kletterte der Geschäftsklimaindex um 13 auf 104 Punkte – das beste Resultat einer Frühjahrsumfrage seit 1993.“ An der Umfrage nahmen 926 der 2784 Berliner Betriebe teil.

Am besten läuft es demnach im Handwerk für den gewerblichen Bedarf, der Index verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um 20 auf 116 Punkte. Die Betriebe des Kfz-Gewerbes legten am meisten zu, dort ist der Index um 23 auf 110 Punkte gestiegen. Bauhaupt- und Ausbaugewerbe, die den Löwenanteil der Berliner Handwerksbetriebe ausmachen, kommen auf 102 beziehungsweise 104 Punkte. Nicht ganz so elektrisierend sieht es etwa bei Friseuren, Kosmetikern oder Schornsteinfegern mit 78 Punkten aus, der niedrigste Wert, dennoch ein Plus um sechs Punkte.

Die aktuellen Geschäftsergebnisse bewerteten alle Handwerksbranchen deutlich positiver als noch im Vorjahr. Fast 80 Prozent der Betriebe berichten von guten oder zufriedenstellenden Ergebnissen. Zu den Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate äußerten sich die Betriebe sehr zuversichtlich. Grundlage für diese Zuversicht sei vor allem die stabilere Auslastung der Betriebskapazitäten, die nicht zuletzt dafür sorgt, dass 18 Prozent der Betriebe neues Personal eingestellt haben, während 16 Prozent Personal abbauen mussten. Damit liegt der Saldo mit zwei Prozent im Plus. In den kommenden Monaten wollen 18 Prozent der Betriebe neu einstellen, lediglich elf Prozent ihren Personalbestand verkleinern.

„Es muss nun darum gehen, dieses Ergebnis zu verstetigen. Der Bereich der energetischen Gebäudesanierung bietet hier gute Möglichkeiten“, so Schwarz. Dazu sei es jedoch erforderlich, die Sanierungsquote im Gebäudebestand, die derzeit in Berlin weniger als ein Prozent betrage, deutlich zu steigern. Eine weitere Chance, mit grünen Themen schwarze Zahlen zu schreiben, sieht das Berliner Handwerk in der Elektromobilität.

Klimaschutz als Geschäftschance

Beobachteten die Handwerker Umwelt- und Klimaschutz in der Vergangenheit noch skeptisch, habe sich in den letzten fünf Jahren ein deutlicher Wandel vollzogen, sagte Schwarz. „Die Betriebe, die zum Beispiel auf energetische Gebäudesanierung setzten, haben einen unheimlichen Umsatzzuwachs erzielt. Klimaschutz wird nicht als Bedrohung angesehen, sondern als Geschäftschance.“

Die gute Handwerkskonjunktur wirke sich auch auf die aktuellen Wirtschaftsberichtaus, sagte Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin. „Im Handwerk ist der Fachkräftemangel bereits betriebliche Realität. Jeder vierte Berliner Handwerksbetrieb will sofort oder in den kommenden Monaten Fachkräfte einstellen“, sagte er. Gefragt seien qualifizierte Mitarbeiter für das Bauhauptgewerbe, für das Nahrungsmittelhandwerk und für das Kfz-Gewerbe. Am häufigsten würden offene Stellen wegen mangelnder Qualifikation der Bewerber nicht besetzt, sagte Wittke.

Mit der Öffnung des Arbeitsmarktes am 1. Mai 2011 für Arbeitnehmer aus Osteuropa ließe sich das Problem des Fachkräftemangels kaum lösen. Die Bundesagentur gehe von einem Zustrom von jährlich etwa 8500 zusätzlichen potenziellen Arbeitnehmern aus. „Damit können wir den Fachkräftebedarf nicht decken“, sagte Wittke.